Lebenslinien
„Lebenslinien“ sind Spuren, die ein Leben hinterlässt und die eine Biografin oder ein Biograf verdichtet, deutet und in eine kohärente Geschichte übersetzt. Aus der Kultur- und Kunstvermittlung ist diese biografische Perspektive nicht wegzudenken: kein museal ausgestelltes Werk ohne Lebensdaten, keine Werkseinführung im Theater oder der Oper, keine Museumsführung ohne biografische Bezüge, die strukturelle Faktoren, Subjektivierungsprozesse und Motivationen nachvollziehbar machen. Dass wir uns für Biografien interessieren, insbesondere neuerdings für solche, deren Perspektiven bislang in der Geschichtsbetrachtung fehlten, entspringt dem Bedürfnis nach (personalisierten) Geschichten, nach Kontextualisierung und nach Authentizität. Es ist das Bedürfnis, Künstlerinnen oder Künstler, Kunstwerke, Epochen und deren Rahmenbedingungen emotional wie intellektuell zu begreifen – und letztlich unseren eigenen Ort in der Geschichte zu finden.