Stiftung

Bewahrung, Vermittlung und Erhalt unseres Kulturerbes

Von Inkunabeln des Mittelalters bis zur digitalen Computerkunst: Die Kulturstiftung der Länder sichert herausragende Zeugnisse unseres nationalen Kulturerbes für deutsche Museen, Bibliotheken und Archive.

Einband des Samuhel-Evangeliars aus dem Quedlinburger Domschatz, um 840

Die Idee einer nationalen Kulturstiftung findet sich schon 1973 in der Regierungserklärung von Willy Brandt. Doch spätestens seit die Initiative von Hermann Josef Abs im Jahre 1978 zahlreiche bedeutende Kunstwerke aus der Sammlung des jüdischen Kaufmanns Baron von Hirsch, der 1933 nach Basel emigriert war, vor der Versteigerung in alle Welt für Deutschland rettete und 1983 schließlich auch das Evangeliar Heinrichs des Löwen nur durch eine konzertierte Aktion von Bund und Ländern auf einer Auktion in London erworben werden konnte, verdeutlichte dies die dringende Notwendigkeit, eine Stiftung zur Bewahrung unserer nationalen Kunstschätze zu gründen. Neun Jahre später riefen die damals elf Länder der Bundesrepublik Deutschland die Kulturstiftung der Länder ins Leben; zum 1. April 1988 nahm sie in Berlin ihre Arbeit auf.

Im Rahmen des Errichtungsabkommens, dem nach 1990 auch die Neuen Länder beitraten, beteiligen sich alle sechzehn Länder der Bundesrepublik Deutschland an der Finanzierung der Stiftung.

Kostbare Kunstwerke und kulturelle Schätze bewahrt

Die Rückführung des seit 1945 vermissten Quedlinburger Domschatzes aus den USA in die Stiftskirche St. Servatii in Quedlinburg war Anfang der 1990er Jahre ein erster aufsehenerregender Erfolg der Kulturstiftung der Länder – in den vergangenen Jahren konnten viele wichtige und kostbare Kunstwerke und kulturelle Schätze Deutschlands für öffentliche Museen und Sammlungen bewahrt werden.

Peter Paul Rubens und Jan Brueghel d. Ä., Pan und Syrinx, um 1617

Über 150 Millionen Euro haben die Länder in den zurückliegenden zwei Jahrzehnten über die Kulturstiftung in den Erwerb herausragender Zeugnisse unseres kulturellen Erbes investiert. Mit einem starken Netzwerk aus langjährigen Partnern – Stiftungen, Unternehmen ebenso wie Mäzenen – wurden insgesamt Kunstwerke und kulturelle Zeugnisse im Gesamtwert von 600 Millionen Euro für deutsche Museen, Bibliotheken und Archive erworben: von Inkunabeln des Mittelalters wie der ältesten Handschrift des Nibelungenliedes oder Tilman Riemenschneiders „Heiliger Anna“ über Glanzlichter barocker Malerei wie Peter Paul Rubens’ „Pan und Syrinx“ und der Möbelkunst wie dem Schreibtisch Friedrichs des Großen bis hin zu Spitzenstücken der Kostümgeschichte in der Mode-Sammlung Kamer/Ruf und Schlüsselwerken der Moderne und der Zeitgenossen wie Ernst Ludwig Kirchners „Potsdamer Platz“ oder Gerhard Richters „Silikat“.

Manuskript von Franz Kafkas „Der Prozess“ von 1914/15
Gerhard Richter, aus der vierteiligen Werkgruppe Silikat, 2003

Mitwirkungsabkommen des Bundes

Der Bund beteiligte sich gemäß dem Mitwirkungsabkommen von 1987 an der Kulturstiftung der Länder, indem er ihr rund 30 kulturelle Einrichtungen und Projekte zur Förderung übertrug. Er kündigte sein Mitwirken zum Ende des Jahres 2005, nachdem die Fusion der Kulturstiftung der Länder und der Kulturstiftung des Bundes nicht zustande kam.

Mit dem Rückzug des Bundes aus der Kulturstiftung der Länder endete zunächst die Förderung von kunst- und kulturhistorischen Ausstellungen von überregionaler und internationaler Relevanz durch die Kulturstiftung der Länder.

Förderung kunst- und kulturhistorischer Ausstellungen

Ausstellungsplakat, Documenta XI, 2002

Seit 2009 stellen die 16 Länder der Kulturstiftung der Länder wieder Mittel zur Förderung kunst- und kulturhistorischer Ausstellungen von herausragender Bedeutung zur Verfügung.

Bis Ende 2005 hat die Kulturstiftung der Länder mit den Mitteln des Bundes eine Vielzahl an kunst- und kulturhistorischen Ausstellungen bundesweit gefördert, darunter die Documenta IX - XII (1992, 1997, 2002, 2007, Kassel), „Georg Baselitz – Zeichnungen und Druckgraphik“ (Kupferstichkabinett – Staatliche Museen zu Berlin, 1990), „Otto der Große. Magdeburg und Europa“ (Kulturhistorisches Museum Magdeburg, 2001), „Der befreite Blick – Russische Kunst vom Realismus zur Abstraktion aus der Tretjakow-Galerie Moskau“ (Kulturgeschichtliches Museum/Felix-Nussbaum-Haus Osnabrück, 2002), „Tilman Riemenschneider. Werke der Blütezeit“ (Mainfränkisches Museum Würzburg, 2004), „Lukas Cranach – Gemälde aus Dresden“ (Kunstsammlungen Chemnitz, 2005) oder „Canossa 1077 – Erschütterung der Welt“ (Museum in der Kaiserpfalz, Erzbischöfliches Diözesanmuseum und Städtische Galerie Paderborn, 2006).

Weitere Initiativen und Projekte der Kulturstiftung der Länder

Darüber hinaus engagiert sich die Kulturstiftung der Länder auch bei kulturpolitischen Themen und initiierte u.a. auch folgende Projekte:

Seit 2003 widmet sich die Kulturstiftung der Länder mit ihrer Bildungsinitiative KINDER ZUM OLYMP! dem Thema der kulturellen Bildung.

Seit 2005 führt die Kulturstiftung der Länder die Geschäftsstelle des Deutsch-Russischen Museumsdialogs.

Seit 2008 fördert die Kulturstiftung der Länder gemeinsam mit der Kulturstiftung des Bundes 26 modellhafte Restaurierungsprojekte im Rahmen des Programms zur Konservierung und Restaurierung von mobilem Kulturgut KUR.

Seit 2005 gibt die Kulturstiftung der Länder vierteljährlich ihr Magazin arsprototo heraus.

Von 2003 bis 2008 hat die Kulturstiftung der Länder das Deutsche InformationsZentrum Kulturförderung (DIZK) entwickelt und aufgebaut.

Ende 2004 und Anfang 2005 führte die Kulturstiftung der Länder im Auftrag der Kultusministerkonferenz das Verfahren zur Vorauswahl der deutschen Kulturhauptstadt Europas 2010 durch.