Restaurierungsförderung

Kunst auf Lager 

Was wäre ein Museum ohne seine Sammlung? Das Bündnis „Kunst auf Lager“ hilft Museen bei der Erschließung und Sicherung ihrer Depots. Auch die Kulturstiftung der Länder und ihr Freundeskreis engagieren sich in der Initiative.

Die Sammlung ist das Herz eines Museums, doch es schlägt im Verborgenen: Während Besucher durch große Sonderschauen und repräsentative Ausstellungssäle der Museen strömen, schlummern bis zu 90% der Sammlungsbestände in Kellern und Depots – nicht immer sind die Lagerbedingungen dort ideal, bedeutende Kunstwerke aufgrund ihres fragilen Erhaltungszustands nicht ausstellbar. 14 kulturfördernde Institutionen schmieden mit dem Bündnis „Kunst auf Lager“ eine Allianz, um wertvolles Kulturgut in musealen Beständen für die Zukunft zu sichern und wissenschaftlich zu erschließen.

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Das Bündnis „Kunst auf Lager“ unterstützt mit den unterschiedlichen Förderangeboten der bisher vierzehn beteiligten Förderer kurz- und langfristig Museen, die ihre Depots fachgerecht modernisieren und erschließen sowie einzelne Kunst- und Kulturgüter konservieren und restaurieren wollen. Denn viele Museen können nicht allen Objekten, die sie beherbergen, gerecht werden: Häufig fehlen den Museen das Personal, die Zeit und die finanziellen Mittel, die umfangreichen Sammlungsbestände zu erforschen und national wie regional wertvolle Objekte für eine Präsentation zu restaurieren. Das von der Kulturstiftung der Länder und der Hermann Reemtsma Stiftung im Jahr 2014 initiierte Bündnis hilft Kunstmuseen ebenso wie heimat- und volkskundlichen, naturwissenschaftlichen und technischen Museen bei diesen wichtigen Aufgaben: Mehrere Millionen Euro stellen die Bündnispartner in den nächsten Jahren dafür zur Verfügung.

Nicht die publikumswirksamen Großevents oder die spektakulären Neuerwerbungen stehen somit im Fokus von „Kunst auf Lager“, sondern die oftmals vergessenen Objekte in den Museumskellern. Diese zu erschließen, erforschen und zu sichern war bisher ein häufig vernachlässigter Aspekt des Kulturgutschutzes. Das Bündnis möchte daher auch Politik und Gesellschaft für die Erhaltung und Erforschung von Depotbeständen öffentlicher Sammlungen sensibilisieren und die Bedeutung dieser Sammlungen als gemeinsames kulturelles Gedächtnis in Erinnerung rufen. Weitere Stiftungen sowie private Förderer sind ausdrücklich eingeladen, dem Bündnis beizutreten, um auch das materielle Erbe unserer kulturellen Überlieferung zu sichern.

Einer der ersten Anträge erreichte das Bündnis aus Karlsruhe: Seit 2003 fristete in der Staatlichen Kunsthalle das bedeutende Werk „Kreuztragung“ von Matthias Grünewald  sein Dasein überwiegend im Museumsdepot. Aufgrund von Materialalterung über die Jahre nachgedunkelt, traten formlose Flecken im Sujet auf, die das Erscheinungsbild der 196 x 152 cm großen Tafel störten. Ohne durch die von „Kunst auf Lager“ geförderte Personalverstärkung hätte die Restaurierung diese Hauptwerks der frühneuzeitlichen Kunstgeschichte weitere zwei Jahrzehnte in Anspruch genommen. Eine eigens für die „Kreuztragung“ engagierte Spezialistin kümmert sich nun im aufwändigen, mikroskopischen Verfahren um die Entfernung von Übermalungen und Kittungen. Schritt für Schritt legt sie Grünewalds Pinselstrich und die leuchtenden Farben frei, sodass sich das Werk nach Fertigstellung der Restaurierung im ursprünglichen Glanz der Öffentlichkeit präsentieren kann.

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Die seit 2014 bei der Kulturstiftung der Länder eingegangen Anträge sind vielfältig: Die Brehm-Gedenkstätte in Rethendorf bat um Beistand bei der Erhaltung von Vogelpräparaten aus der Sammlung des berühmten Zoologen. Im Museum für Hamburgische Geschichte befreiten Restauratorinnen das große Modell des ersten Salomonischen Tempels weitgehend von Giftstoffen im Holz. Die Rettung der 18 Collagen Dieter Urbachs mit DDR-Architekturentwürfen gelang, obwohl die Materialvielfalt und der Klebstoff umfangreiche Restaurierungsmaßnahmen von Nöten machten. Der sogenannte „Mecklenburger Planschatzes“, fragile Architekturblätte aus dem 18. Jahrhundert, konnte für die wissenschaftliche Erschließung fachgerecht gesichert werden. Und im Staatlichen Museum für Naturkunde Stuttgart glückte es, die chemische Zersetzung von über 180 Millionen Jahre alten Fossilplatten dank aufwändiger Reinigung und Präparation aufzuhalten. Auch der Freundeskreis der Kulturstiftung der Länder greift Institutionen bei Restaurierungen von Depotschätzen unter die Arme: Zu den schönsten Projekten seit 2014 gehören die Restaurierung zweier Porträts von Frans Hals im Pommerschen Landesmuseum in Greifswald, die Rettung des Epitaphs des Bürgermeisters Heinrich Retzlow in der Berliner Marienkirche oder die Instandsetzung der Passionsszene „Jesus vor Kaiphas“ des Theatrum Sacrum im Brandenburgischen Stift Neuzelle.

Der vielfältigen Arbeit des Bündnisses widmet sich die Arsprototo Ausgabe 2/2016: Ausführliche Artikel zum Schwerpunkt „Kunst auf Lager“ stellen die Aufgabenbereiche der 14 Partner vor, die sich neben Restaurierungen auch für modernisierte Lagermöglichkeiten, Konservierung, Erschließung und Erforschung der Objekte stark machen. Beispielhaft wird von herausragenden Erfolgen dieses Engagements berichtet, darunter eine mittelalterliche Tafelmalerei, deren Goldlüsterung ihre Strahlkraft wiedererlangt, die wissenschaftliche Erschließung und fachgerechte Bewahrung zeitgenössischer Videokunst oder die Katalogisierung und Sicherung eines jüdischen Bibliotheksbestands.

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