In ihrer Dessauer Erklärung“ vom 20.8.2026 haben sich die für Kultur zuständigen Ministerinnen und Minister sowie Senatoren der Länder zur Freiheit von Kunst und Kultur bekannt und vor politischer Einflussnahme auf die Kultur gewarnt. Anlass für die Erklärung ist das Jubiläumsjahr des Bauhauses in Dessau. Am 4. Dezember 1926 wurde dort das von dem Architekten Walter Gropius entworfene Bauhaus-Gebäude eingeweiht.

Das Bauhaus war ein zentraler Impulsgeber für Architektur, Design und Kunst der Moderne. Die an der Kunstschule entwickelten Ideen und Gestaltungsprinzipien verbreiteten sich international und machten das Bauhaus zu einem der weltweit einflussreichsten deutschen Beiträge zur Moderne. Vorstellungen von funktionaler Gestaltung, klaren, einfachen Formen und einer neuen Verbindung von Kunst, Handwerk und Technik, wie sie am Bauhaus aufgegriffen, weiterentwickelt und vermittelt wurden, prägen Architektur und Design bis heute weltweit – von Europa und den USA über Lateinamerika und Israel bis nach Japan und Indien. Wegweisend war insbesondere die im Bauhaus erprobte interdisziplinäre Gestaltungsausbildung, die Kunst, Handwerk, Design und industrielle Produktion in der Lehre miteinander verband und bis heute Vorbildcharakter hat.

Das Bauhaus wurde 1919 von Walter Gropius in Weimar gegründet. 1925 zog die Schule nach Dessau um. Vorausgegangen waren starke Kürzungen der finanziellen Unterstützung durch die konservative Thüringer Landesregierung, die im Parlament auf die Duldung der aus völkischen und radikal nationalistischen Rechten bestehenden Vereinigten Völkischen Liste angewiesen war. 1932 musste das Bauhaus auf Beschluss der inzwischen von der NSDAP dominierten Stadtverordnetenversammlung auch in Dessau schließen. Der Architekt Ludwig Mies van der Rohe führte es daraufhin in Berlin als private Schule weiter. Nach einer Durchsuchung und Versiegelung der Räume durch die Gestapo beschlossen die Lehrenden am 20. Juli 1933 die Auflösung des Bauhauses.

Die Kulturstiftung der Länder hat über die Jahrzehnte eine Vielzahl an Erwerbungen und Ausstellungen mit Bezug zum Bauhaus gefördert. Eine Auswahl finden Sie auf dieser Seite. 2024 untersuchte die Klassik Stiftung Weimar, gefördert von der Kulturstiftung der Länder, in einer standortübergreifenden Ausstellung an drei Museen die Beziehung von Bauhaus und Nationalsozialismus umfassend. Neben den Repressalien durch den NS-Staat nahm sie erstmals in diesem Umfang auch die Verstrickungen einzelner Bauhäuslerinnen und Bauhäusler mit dem NS-Regime in den Blick. Sie zeigte, dass einige von ihnen sich an Propagandaausstellungen beteiligten, mit dem NS-Regime kooperierten oder sich mit ihm arrangierten. Damit setzte die Ausstellung einer lange vereinfachenden Erzählung vom Bauhaus und seinem Verhältnis zum Nationalsozialismus eine historisch differenzierte Betrachtung entgegen.