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Von tragender Bedeutung

Das Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg braucht Ihre Unterstützung bei der Restaurierung eines frühitalischen Gefäßständers.

von Dr. Frank Hildebrandt

Ein unbekanntes Werk der Moderne? Gar eine von Picassos Keramiken? – Auf den ersten Blick fasziniert die ungewöhnliche Form dieses Objektes, das man durchaus für eine Tonskulptur der Moderne oder der zeitgenössischen Kunst halten möchte. Tatsächlich wurde dieses rund 80 cm hohe Gefäß – ein sogenannter Holmos – um 650 bis 630 v. Chr. in Mittelitalien von einem un­bekannten  Töpfer  auf  der  langsam ­drehenden Töpferscheibe geformt und gebrannt. Charakteristisch ist die Gefäßform mit weit ausladendem Trichter, kleinem kugelförmigen Mittelteil und glockenförmigem Unterteil. Das Gefäß wirkt beinahe wie ein stark abstrahierter menschlicher Körper, der auf dem Kopf eine Schale balanciert.

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Sieht man genauer hin, fällt auf, dass das vordergründig vollständig erhaltene Gefäß aus zahlreichen Fragmenten zusammengesetzt ist. Als sich im Jahr 2012 ein kleines Fragment aus dem Standring gelöst hatte, unterzog man den Holmos einer weitergehenden Untersuchung. Auffällig war die große Wandungsstärke des Unterteils. Ein vorsichtiger Abtrag der übermalten Bruchkanten im Inneren ergab, dass sich hier weitere, nicht zugehörige Scherben befanden, die mit Gips und Zeitungspapier zur Festigung eingebracht worden waren. Die Reste des Zeitungspapiers legen nahe, dass diese alte Rekonstruktion um oder kurz nach 1900 in Italien erfolgte.

Wie verhält es sich mit den restlichen Fragmenten? Waren auch hier nicht zugehörige Stücke eingefügt worden? Schließlich verkauft sich ein vollständiges Gefäß besser als ein fragmentiertes. Diese Fragen sind noch nicht abschließend geklärt. Während solche Ergänzungen in früherer Zeit, wenn auch nicht üblich, aber doch zumindest akzeptiert waren, legen Museen heute großen Wert auf eine möglichst präzise Rekonstruktion und eine zurückhaltende Ergänzung der Dekoration.

Der Holmos weist eine reich geritzte und gestempelte Dekoration auf. Tier- und Ornamentfriese werden von Kreisbändern  getrennt.  Dazu  umringen  je vier plastische Tierköpfe das Mittel- und Unterteil. Als Vorbilder dienten orientalische Metallständer und Kessel aus dem syrisch-urartäischen Kulturraum. Auch bei dem Hamburger Holmos ist ein Kessel zu ergänzen, in dem wohl Wein und Wasser gemischt und an Gäste eines Festes ausgeschenkt wurde. Können wir in Analogie zur griechischen Sitte bereits vom Symposion (Trinkgelage) sprechen? Lässt sich an dieser Gefäßform ein transkultureller Austausch ablesen? Wie gelangten die Vorbilder aus dem Alten Orient und die Trinkkultur des Orients und der Griechen nach Italien? Was verrät uns ein solches Objekt über die Gesellschaftsordnung, (Werte-)Vorstellungen und Rituale? Das Gefäß zeugt von einer Zeit großen Wandels im vor­römischen Italien und steht am Beginn der etruskischen Kultur.

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Bereits 1917 hatte das Gefäß mit dem Erwerb der bedeutenden Antikensammlung des Hamburger Kaufmanns Johannes W. F. Reimers seinen Weg in das Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg gefunden. Im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert hatte Reimers mit recht bescheidenen Mitteln eine vorzügliche Sammlung antiker Kunstwerke zusammengetragen. Sogar Kaiser Wilhelm II. hatte im Jahr 1911 bei einem Aufenthalt in Hamburg den Wunsch geäußert, einige Hauptstücke der Sammlung zu sehen.

Mit Übernahme der Sammlung Reimers etablierte sich eine eigenständige Antikensammlung, eine der vielen Besonderheiten des Museums für Kunst und Gewerbe Hamburg (MKG). Heute ist das MKG mit rund 500.000 Objekten aus 6.000 Jahren eines der führenden Museen für Kunst und Gestaltung in Europa. Auf über 10.000 Quadrat­metern zeigt das MKG hochkarätige Sammlungen von der Antike bis zur Gegenwart, die den europäischen, islamischen und fernöstlichen Kulturraum umfassen. Die Vielseitigkeit und Qualität der Bestände ermöglichen es, spannende Bezüge zwischen Epochen und Kulturen, Vergangenheit und Gegenwart herzustellen. Zugleich dienen sie als Vorbilder und Inspiration für uns heute – und dafür benötigt es Objekte wie dieses.

Längst  sollte  dieses  beeindruckende Gefäß unserem Publikum in der Dauerausstellung zugänglich sein, jedoch konnten die notwendigen Restaurierungs- und Rekonstruktionsarbeiten bisher nicht ausgeführt werden. Liebe Leserinnen und Leser, bitte helfen Sie uns bei der Wiederherstellung des Ge­fäßes und der Erforschung dieses spannenden Objektes!

Wir bitten Sie, liebe Leserin und lieber Leser, um Unterstützung für das Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg. Spenden Sie für die Restaurierung des antiken Holmos und überweisen Sie unter dem Stichwort „Restaurierung Antike“ auf das Konto des Museums. Hier finden Sie alle Informationen zu den Spendenmodalitäten.
Verwendungszweck: Restaurierung Antike
Museum für Kunst und Gewerbe
IBAN: DE04 2005 0550 1180 2045 86
BIC: HASPDEHHXXX

 

Dr. Frank Hildebrandt

ist Leiter der Antikensammlung am Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg.

Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg
Steintorplatz, 20099 Hamburg
Öffnungszeiten Di – So 10 –18 Uhr, Do bis 21 Uhr

https://www.mkg-hamburg.de/de/