Ansicht der Jadekanne
ERWERBUNGSFÖRDERUNG

Vermisste Jadekanne kehrt nach Gotha zurück

Die Kanne befand sich seit 1656 in der fürstlichen Kunstkammer auf Schloss Friedenstein, bis sie kurz nach dem Zweiten Weltkrieg aus der Sammlung entwendet wurde

Die Friedenstein Stiftung Gotha hat eine wohl kurz nach dem Zweiten Weltkrieg entwendete Jadekanne aus dem französischen Kunsthandel zurückerworben. Die Kanne gehört zu einem sechsteiligen Ensemble aus geschliffenem Hartstein, das sich bereits seit 1656 in der fürstlichen Kunstkammer in Gotha befand. Die Deckelkanne ist eines der wenigen bekannten Beispiele europäischer Jadegefäße aus dem 17. Jahrhundert. Die Kulturstiftung der Länder fördert den Ankauf mit 50.000 Euro.

Dazu Dr. Christine Regus, Generalsekretärin der Kulturstiftung der Länder: „Mit der Rückführung der Jadekanne kehrt ein zentraler Teil eines außergewöhnlichen Ensembles nach Gotha zurück. Das Tafelset, das sich seit fast 300 Jahren in der Kunstkammer auf Schloss Friedenstein befindet, ist in seiner Art in Deutschland einzigartig. Jade so kunstvoll zu bearbeiten, erfordert ein besonderes handwerkliches Können, und das Service ist ein herausragendes Zeugnis der Kunst- und Kulturgeschichte. Die Rückkehr der Kanne in ihren Kontext eröffnet nun die Möglichkeit, das Ensemble wieder in seinem ursprünglichen Zusammenhang zu betrachten und zugleich neue Erkenntnisse über seine Entstehung und Geschichte zu gewinnen.“

Das etwa 20 cm hohe, ovale Prunkgefäß aus hellgrünem Nephrit mit vergoldeter Silbermontierung war – obwohl grundsätzlich gebrauchsfähig – in erster Linie für die repräsentative Aufstellung bestimmt. Nephrit galt als besonders kostbares Mineral und war daher ein begehrtes Material für die fürstlichen Kunstkammern der Spätrenaissance. Seine Verwendung für Hartsteingefäße aus europäischer Produktion war aber eher ungewöhnlich; Jadegefäße des 16. und 17. Jahrhunderts sind bisher vor allem aus Asien bekannt.

Die aus einem Stück geschnittene Kanne besticht durch ihre schlichte Eleganz, die sich in der klaren Form und der präzisen Verarbeitung zeigt. Plastische Details wie der Vogelkopf als Tülle, der Löwe auf dem Deckel, der geschwungene Henkel mit weiblicher Herme und die geflügelten Engelköpfchen setzen besondere Akzente. Aufgrund fehlender Markierungen lässt sich die Kanne weder einem bestimmten Künstler noch eindeutig einem Entstehungsort oder -zeitraum zuordnen, jedoch lässt sich eine Fertigung an einem deutschen Hof oder in einer der bedeutenden Werkstätten in Augsburg oder Nürnberg zwischen etwa 1600 und 1630 vermuten.

Das Ensemble, zu dem die Kanne gehört, umfasst außerdem ein Becken, zwei Löffel und zwei Salzschälchen. Die Stücke sind seit 1656 im Inventar der von Herzog Ernst I. von Sachsen-Gotha (reg. 1640–1675) gegründeten Kunstkammer auf Schloss Friedenstein verzeichnet. Wie die Deckelkanne, die sich bis 1940 nachweislich in der Sammlung befand, abhandenkam, ist nicht bekannt. Ihr „Wiederauftauchen” in der Schweiz um 1950 lässt jedoch vermuten, dass sie zu den Kunstwerken gehörte, die während der sowjetischen Besatzungszeit aus der Sammlung entwendet und später veräußert wurden. Die genauen Umstände ihres Abhandenkommens sind aber bislang ungeklärt. Aus der Schweiz gelangte die Kanne über weitere Stationen 1986 in den Pariser Kunsthandel und schließlich in den Besitz eines dort ansässigen Privatsammlers. Dieser erkannte seine Jadekanne im 2021 veröffentlichten Katalog der Friedenstein Stiftung Gotha zur Gothaer Kunstkammer wieder, woraufhin er sie an den Händler zurückgab. Im Jahr 2023 nahm die Galerie Kugel Kontakt mit der Friedenstein Stiftung Gotha auf, um eine Rückführung der Kanne zu ermöglichen. Nach erfolgreichen Verhandlungen konnte die Stiftung das wertvolle Objekt nun für ihre Sammlung zurückgewinnen.

 

Weitere Förderer: Rudolf-August Oetker-Stiftung, Ernst von Siemens Kunststiftung, Galerie Kugel

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