Gemälde: eine Frau und ein Mann schauen aus einem Fenster
ERWERBUNGSFÖRDERUNG

Karl Hofers „Paar am Fenster“ kehrt nach Lübeck zurück

Das Werk wurde 1937 bei der nationalsozialistischen Aktion „Entartete Kunst“ beschlagnahmt

Das Museum Behnhaus Drägerhaus in Lübeck erwirbt das Gemälde „Paar am Fenster“ (1925) von Karl Hofer (1878–1955). Das Werk gehörte bereits in den 1920er-Jahren zur Museumssammlung und wurde 1937 bei der nationalsozialistischen Aktion „Entartete Kunst“ beschlagnahmt. Die Kulturstiftung der Länder fördert den Ankauf mit 54.167 Euro.

Dazu Dr. Christine Regus, Generalsekretärin der Kulturstiftung der Länder: „Die Geschichte der modernen Kunst ist auch die Geschichte weitsichtiger Museumsdirektorinnen und -direktoren und der Sammlungen, die sie aufgebaut haben. Im Nationalsozialismus wurde ihrem Wirken in Deutschland ein jähes Ende gesetzt, viele wurden ab 1933 brutal aus ihren Ämtern entlassen. Bis heute arbeiten Museen in Deutschland daran, durch die Beschlagnahmeaktion ‚Entartete Kunst‘ entstandene Verluste wieder auszugleichen. Die Kulturstiftung der Länder unterstützt dieses Anliegen seit vielen Jahren. Ich freue mich daher sehr, dass wir dazu beitragen konnten, dieses kunst- und kulturgeschichtlich bedeutende Werk von Karl Hofer nach Lübeck zurückzuholen.“

Museumsdirektor Carl Georg Heise (1890–1979) erwarb „Paar am Fenster“ 1927 für die von ihm initiierte Moderne-Sammlung direkt vom Künstler. 1937 wurde es zusammen mit rund 200 weiteren im Nationalsozialismus als „entartet“ diffamierten Werken aus dem Museum beschlagnahmt und zunächst im Schloss Schönhausen in Berlin eingelagert. Dort erwarb es Bernhard A. Böhmer (1892–1945), einer von vier vom NS-Propagandaministerium legitimierten Kunsthändlern, die mit dem Verkauf dieser Werke betraut wurden. Er verkaufte das Gemälde – entgegen der offiziellen Vorgaben – nicht ins Ausland, sondern auf Vermittlung von Heise an den Industriellen und Kunstsammler Walter Albert Bauer (1901–1968) in Fulda. Bauer war während der NS-Zeit im Widerstand aktiv. Heise selbst war 1933 im Zuge des „Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums“, der sogenannten Gleichschaltung, aus seinem Amt entlassen worden. Das Gemälde „Paar am Fenster“ verblieb im Eigentum der Familie Bauer und wurde 2025 bei einer Auktion angeboten. Im Zuge des Rückerwerbs plant das Museum eine umfangreiche Aufarbeitung der Verlustgeschichte der im Nationalsozialismus beschlagnahmten Werke. Zugleich soll das Engagement des ehemaligen Direktors Heise gewürdigt werden.

Karl Hofer gehört zu den bedeutenden Malern der Moderne. Er war ab 1923 Mitglied der Preußischen Akademie der Künste. 1934 wurde er als einer der ersten Hochschullehrer aus dem Dienst entlassen, 1938 folgte der Ausschluss aus der Akademie und ein Berufsverbot. Insgesamt 311 seiner Werke wurden 1937 im Rahmen der Aktion „Entartete Kunst“ aus deutschen Museen entfernt. Hofers Malerei verbindet Elemente des Expressionismus mit einer klaren, realistischen Formensprache, die teilweise an die Neue Sachlichkeit erinnert. In seinen Gemälden widmete er sich zwischenmenschlichen Beziehungen und gesellschaftlichen Brüchen. Das während der Weimarer Republik entstandene Gemälde „Paar am Fenster“ symbolisiert den menschlichen Zusammenhalt in einer unsicheren Zeit. Mit der Darstellung einer maroden Fassade lässt sich das Motiv als sozialkritische Studie lesen. Vor dem Ankauf durch das Museum 1927 war das Werk bereits auf mehreren nationalen und internationalen Ausstellungen zu sehen, u. a. auf der Frühjahrsausstellung der Berliner Akademie und auf der Internationalen Kunstausstellung im Kunsthaus Zürich.

 

Weitere Förderer: Ernst von Siemens Kunststiftung, Verein der Freunde der Museen für Kunst und Kulturgeschichte der Hansestadt Lübeck e.V., Lions Club Lübeck Hanse, Ellen Ehrich, Friedrich Bluhme und Else Jebsen-Stiftung

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