Wilhelm Lehmbruck „Kopf eines Denkers“

8,00 

Anschrift der geförderten Einrichtung:
Städtische Kunstsammlungen Chemnitz
Theaterplatz 1
09111 Chemnitz

Artikelnummer: PATRIMONIA NR. 133 (1997).
Kategorie:
Jahr: 1997
Künstler: Lehmbruck; Wilhelm
Gattung: Plastik/Skulptur
Land: Sachsen

Beschreibung

Wilhelm Lehmbruck (1881-1919) besuchte bereits als Vierzehnjähriger die Kunstgewerbeschule in Düsseldorf. Von 1901-06 beschäftigte er sich an der Düsseldorfer Akademie mit Akt- und Naturstudien. Lehmbruck war beeindruckt von den Werken der Bildhauer Minne, Meunier, Rodin und Maillol. Er verarbeitete die verschiedenen Anregungen, die er auch auf Reisen nach Italien und Paris gewann, zu einer eigenen, unverwechselbaren Formensprache. In einem quälenden, oft von Selbstzweifeln begleiteten Schaffensprozeß sprengte er mit seinen Skulpturen die Grenzen der bis dahin geltenden Regeln der traditionellen Figurenplastik.Wie kaum ein anderer vermochte Lehmbruck die Ideale einer von hoher Geistigkeit durchdrungenen Welt in der Plastik auszudrücken. Der Kopf eines Denkers entstand 1918, im letzten Jahr des ersten Weltkrieges. Ein Jahr später schied Wilhelm Lehmbruck in Berlin freiwillig aus dem Leben. Als überaus sensibler Mensch zerbrach er an den Erfahrungen des Krieges, dem Ausgeliefertsein und dem eigenen Ohnmachtsgefühl gegenüber dem herrschenden Materialismus. Schon die 1916/17 entstandene Figur Sitzender Jüngling kann als Metapher für die Sinnlosigkeit des Krieges und als ein Symbol tiefer Resignation verstanden werden. Der Kopf eines Denkers, der auch als ein verborgenes Selbstbildnis des Künstlers anzusehen ist, reduziert alles Körperliche auf das konstruktive Gerüst, um den Ausdruck des Geistigen zu betonen. Lehmbruck wählte für diesen Steinguß einen sanften grauen Farbton. Die Oberflächenstruktur wurde von ihm so differenziert behandelt, daß sich die schmerzvolle Vergeistigung für den Betrachter sofort vermittelt.1923 wurde die Plastik aus dem Besitz der Witwe Anita Lehmbruck für die Städtischen Kunstsammlungen Chemnitz erworben, 1937 als entartete Kunst von den Nationalsozialisten gebrandmarkt und beschlagnahmt. Sechzig Jahre später, Ende 1996, wurde die Skulptur in einem Londoner Auktionshaus zum Verkauf angeboten und konnte für die Städtischen Kunstsammlungen Chemnitz zurückgewonnen werden. Ersteigert wurde der Kopf eines Denkers mit Hilfe der Kulturstiftung der Länder, des Freistaats Sachsen, der Ernst von Siemens-Stiftung München. der Ostdeutschen Sparkassenstiftung (gemeinsam mit der Sparkasse Chemnitz) und der Stadt Chemnitz.