Stillende Mutter (verso: Bäuerin mit drei Ziegen in Landschaft), 1902

8,00 

Anschrift der geförderten Einrichtung:
Stiftung museum kunst palast
Ehrenhof 5
40479 Düsseldorf

Artikelnummer: PATRIMONIA NR. 243 (2002).
Kategorie:
Jahr: 2002
Gattung: Malerei
Künstler: Modersohn-Becker; Paula
Land: Nordrhein-Westfalen

Beschreibung

Das Gemälde Stillende Mutter von Paula Modersohn-Becker, 1902 in Worpswede entstanden, steht zwischen zwei Jahrhunderten. Einerseits verweist es noch auf die naturalistische Malerei des 19. Jahrhunderts, andererseits zeigt es schon kraftvoll nach vorn in die Moderne. Als eines der ersten Werke deutscher Kunst greift es die neuen Ausdrucksmittel van Goghs und Gauguins auf, die wegbereitend für den deutschen Expressionismus wurden.
Das Kind liegt in den behütenden Armen der Mutter, die sich mit segensvollem Blick zu diesem niederneigt. Aber keine Jahrtausende alte Idylle von Mutter und Kind, keine madonnengleiche Erscheinung offenbart sich dem Betrachter, sondern der schreckhafte, ängstliche Blick eines Kindes, das in eine sorgenvolle Welt hineingeboren worden ist. Das Bild zählt zu den frühesten Versionen der Mutter-Kind-Thematik, die Paula Modersohn-Becker mit obsessiver Beharrlichkeit verfolgt und zu großen, animalischen Körperdarstellungen gesteigert hat. Ebenso entscheidend, wie diese Darstellungen den Mythos Paula Modersohn-Beckers nach ihrem frühen Tod bestimmten, begründeten sie ihre Ablehnung durch die Nationalsozialisten. Die Verhöhnung der deutschen Frau und des Bauerntums in grauenhaften Farben wurde der Malerin zum Vorwurf gemacht, denn mit der sentimentalen Verklärung des Weibes als Hüterin von Art und Sitte hatten Modersohn-Beckers Frauen nichts gemein. 1924 von der Städtischen Kunstsammlung Düsseldorf erworben, wurde das Gemälde 1937 verkauft, um es vor der Beschlagnahmung im Rahmen der Aktion Entartete Kunst und der möglichen Zerstörung zu bewahren. Nachdem es jahrzehntelang in einer amerikanischen Privatsammlung aufbewahrt worden war, konnte es mit Hilfe der Kulturstiftung der Länder, des Beauftragten der Bundesregierung für Angelegenheiten der Kultur und der Medien sowie des Ministeriums für Städtebau und Wohnen, Kultur und Sport des Landes Nordrhein-Westfalen für die Stiftung museum kunst palast gesichert werden. Damit kehrt eines von 124 Gemälden, die Düsseldorfs Kunstsammlung 1937 verlor, in die Stadt zurück.