Otto Dix „Der Heilige Christophorus IV“

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Anschrift der geförderten Einrichtung:
Kunstsammlungen Gera, Otto Dix Haus
Küchengartenallee 4
07548 Gera

Artikelnummer: PATRIMONIA NR. 135 (1997).
Kategorie:
Jahr: 1997
Künstler: Dix; Otto
Gattung: Malerei
Land: Thüringen

Beschreibung

Das Gemälde des Heiligen Christophorus ist eines der herausragenden metaphorisch-religiösen Bilder aus der Zeit der Inneren Emigration, in der sich Dix auf der Flucht vor den Nationalsozialisten an den Bodensee zurückgezogen hatte.Otto Dix (1891-1969) ist der überragende Realist des deutschen Expressionismus. Als Sohn eines Eisenbahnarbeiters bei Gera geboren, studierte er 1910-14 an der Dresdner Kunstgewerbeschule Malerei. Seine während des Ersten Weltkrieges gemachten Erfahrungen als Frontsoldat verarbeitete er in dem berühmten Radier-Zyklus Der Krieg (1929). Er wandte sich in den 20er Jahren außerdem verstärkt gesellschaftskritischen Themen zu. Seinen Lehrstuhl in Dresden mußte er 1933 zwangsweise durch das Nazi-Regime verlassen; er zog sich daraufhin an den Bodensee zurück.In dem Christophorus-Gemälde pflegte Dix einen technisch brillanten, retrospektiven Realismus, in dem er sich an den altdeutschen Meistern der Donau-Schule, an Grünewald und Cranach orientierte. Die Christophorusgestalt, die der mittelalterlichen Legenda aurea entstammt, beschäftigte Dix in seiner Isolierung am Bodensee intensiv. Zwischen 1938 und 1944 entstanden sechs in Form und Ausdruck sehr verschiedene Variationen des Motivs. Unter ihnen stellt das Geraer Gemälde die repräsentativste und psychologisch interessanteste Version dar. In dem Schicksalsjahr 1939, beim Ausbruch des Zweiten Weltkrieges, nimmt Dix mit dem Motiv des Christusträgers, der das Kind durch alle Wirrnis und Gefahr sicher trägt, metaphorisch Bezug zu dem aktuellen Zeitgeschehen.Das Gemälde wurde von einem Brauereibesitzer bei Gera in Auftrag gegeben und gelangte nach Kriegsende als Enteignungsgut in das Museum Osterburg Weida. Es ist seit 1961 als Dauerleihgabe der Stadt Weida in den Städtischen Museen Gera beheimatet; seit 1991 steht es im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit des neueröffneten Otto-Dix-Hauses Gera. Die veränderte Gesetzgebung verlangte die Rückgabe des Bildes an die Erben des Auftraggebers. Diese verkauften den Heiligen Christophorus an die Kunstsammlungen Gera. Der Ankauf für das dortige Otto-Dix-Haus ermöglichten die Kulturstiftung der Länder, das Land Thüringen, das Bundesministerium des Innern, die Stadt Gera und private Spender.