Melchior I Gelb „Silberner Tafelbrunnen“, um 1652/53

8,00 

Anschrift der geförderten Einrichtung:
Staatliche Museen Kassel
Schloß Wilhelmshöhe
34131 Kassel

Artikelnummer: PATRIMONIA NR. 128 (1997).
Kategorie:
Jahr: 1997
Gattung: Angewandte Kunst/Kunsthandwerk
Künstler: Gelb; Melchior I
Land: Hessen

Beschreibung

Der silberne Tafelaufsatz des als Sohn einer Goldschmiedefamilie 1581 in der Reichsstadt Ulm geborene Melchior Gelb gehört zum Bestand der ehemals landgräflichen hessischen Kunstkammer, eine der ältesten und besonders wertvollen Kunstkammern Deutschlands. Die hohe Bedeutung dieser bis in das 16. Jahrhundert zurückreichenden Sammlung resultiert u.a. aus der international bekannten Silbersammlung, deren Schwerpunkt Nürnberger und Augsburger Silber des 17. und 18. Jahrhunderts bildet. Zu den wesentlichen Objekten dieses alten Bestandes, der schon 1779 in Kassel im Museum Fridericianum der breiten Öffentlichkeit zugänglich war, zählte der Tafelbrunnen. Seit seiner Entstehung um 1652 in Augsburg als überaus kostbares Objekt erachtet, wurde er 1924 im Zuge einer eklatanten Fehleinschätzung infolge einer unzureichenden wissenschaftlichen Aufarbeitung der Sammlungsgeschichte, sowie der Geschichte der Augsburger Goldschmiede zum Verkauf freigegeben. Dies ist besonders unglücklich, da nur zwei vergleichbare Stücke Melchior Gelbs existieren, die sich im Besitz des Kreml-Museums Moskau und des Museums für angewandte Kunst in Wien befinden.Der Tafelbrunnen erlangte in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts als zentrales Objekt der fürstlichen Tafel seine Bedeutung. Erster Besitzer des für die Staatlichen Museen Kassel erworbenen Stücks war Landgraf Wilhelm VII. Es ist somit Zeugnis für die neue barocke Tafelkultur auch am Hof von Hessen-Kassel. Der Brunnen zeigt in den beiden Hauptachsen einen getrieben, z.T. vergoldeten Reliefdekor aus Muscheln und Schnecken, dessen raffinierte Variierung des Motivs die vielfältigen Elemente zu einer Gesamtkomposition zusammenfaßt. In eindrucksvoller Weise ist die mythologische Erscheinung des griechischen Gottes Poseidon anschaulich gemacht, der über einen teilweise mit der Figur verschlungenen Delphin hinwegzuschreiten scheint. Auf dem Nacken der vorgebeugten Figur ruht ein blütenartiger Kelch, der eine große Muschel, die Schale des Tischbrunnens, trägt. Die oberste Zone des Tafelaufsatzes bildet den eigentlichen Brunnen mit dem auf einem Faß reitenden Bacchus, der auf seinem Kopf wiederum ein gefäßartiges Behältnis balanciert.Melchior Gelb bietet an diesem Werk alle Möglichkeiten handwerklicher Goldschmiedekunst in virtuoser Weise auf. Dazu gehört nicht nur die Leistung im Bereich der Treibarbeit, der Oberflächenverzierung, Punzierung und Ziselierung, sondern v.a. auch im Bereich der Skulptur. Der Künstler zeigt sich als einer der herausragenden Meister der barocken Silberplastik.Mit dem Erwerb dieses einzigartigen Kunstwerks, das mit der hessischen Geschichte so eng verbunden ist, konnte dank der Unterstützung der Kulturstiftung der Länder, der Hessischen Kulturstiftung, der Ernst von Siemens-Stiftung und des Bundesministeriums des Inneren ein Fehler der Vergangenheit korrigiert und schwere Verluste der Großherzöglichen Sammlung im Darmstädter Residenzschloß durch den Bombenangriff 1944 ausgeglichen werden. Die Rückführung in den historischen Sach- und den alten Sammlungszusammenhang ist besonders zu begrüßen.