Mario Merz „Iglu-Installation“

8,00 

Anschrift der geförderten Einrichtung:
Wilhelm Lehmbruck Museum
Düsseldorfer Straße 51
47049 Duisburg

Artikelnummer: PATRIMONIA NR. 120 (1996).
Kategorie:
Jahr: 1996
Gattung: Installationen
Künstler: Merz; Mario
Land: Nordrhein-Westfalen

Beschreibung

Mario Merz, bedeutender und prägender Repräsentant der italienischen arte-povera Bewegung, ist ein poetisch philosophierender Künstler, bei dem Werk, Gedanke, Kunst und Konzept untrennbar miteinander verwoben sind. Der Erwerbung der Iglu-Installation 8-5-3 (1985) für das Wilhelm-Lehmbruck-Museum Duisburg bereichert die reichhaltig im Sammlungsbestand vorhandene architektonische Skulptur um eine charakteristische Umsetzung eines zentralen Themas im Schaffen des Künstlers seit 1968. In diesem Jahr entstand sein berühmtes Erstlingswerk Città irreale, das er im Stedelijk Museum in Amsterdam präsentierte. Der Iglu ist Sinnbild der unwirklichen Stadt. Inspiriert durch die zündenden Parolen der Pariser Studenten im Mai 1968 Solitario solidale (einsam, solidarisch, und die Phantasie der Macht kreiert der Künstler Mario Merz den Iglu als Keimzelle einer neuen nomadischen Gesellschaft und als Urhütte der Behausung, sei er nun Schriftbotschaft oder Licht – Dunkelphänomen, Transparenz oder Felshöhle, Wüstenzelt oder Andachtsraum.Diese anthropologisch definierte Vorstellung des Iglus geht bruchlos in den neuen Mythos des Nomadentums über, den die arte-povera mit Merz einschlägt. Sie steht damit in der Tradition der primitivistischen Strömungen des 20. Jahrhunderts.Daß sich dabei in der Evokation des Nomaden und seiner ephemeren Behausung nicht nur der moderne Nomade verbirgt, sondern auch eine unterschwellige Kritik am Besitzdenken, zeigt die immer wieder in ungelenker Neonschrift dem Iglu applizierte Devise objet cache-toi die einen der ironischen, auf Hauswände gesprühten Schriftzüge des Mai 1968 (cache-toi objet) aufnimmt.Im Falle des Duisburger Werks strahlt er aus einem Iglu aus Reisigbündeln, der im Gegensatz zu seinem transparenten Pendant aus Glas und Metall eine opake plastische Form hat. Dabei konterkariert das natürliche Material den kleinen, von Glas überfangenen Teeriglu. Auch hier sind es Merz` Materialästhetik und seine Betonung des Handwerklichen, die das Unfertige und Provisorische pointieren und überdies in der in der Kombination von Natürlichem und Zivilisatorischem eine symbolische Bedeutung eröffnen.Beeindruckend in seinen Ausmaßen von 440, 370 und 160 cm Höhe auf einer Fläche von 13 m ist in Deutschland bis dato kein anderes Werk von Mario Merz dieser Qualität vorhanden, ein Umstand, der die Erwerbung durch Mittel der Kulturstiftung der Länder, der Stiftung des Landes Nordrhein-Westfalen, der Stadtsparkasse Duisburg, sowie der Stadt Duisburg an nationaler Bedeutung gewinnen läßt.Es ist hier gelungen, die künstlerischen Entwicklungen des eigenen Landes in einen internationalen Kontext zu setzen. Die schöpferischen Leistungen verschiedener Länder entstehen in wechselseitiger Anregung. Die Innovation von heute ist die Tradition von morgen.