Elfenbein, Alabaster und Porzellan aus der Sammlung Plettenberg

15,00 

Anschrift der geförderten Einrichtung:
Stadtmuseum Münster
Salzstraße 28
48143 Münster

Artikelnummer: PATRIMONIA NR. 193 (2001).
Kategorie:
Jahr: 2001
Gattung: Angewandte Kunst/Kunsthandwerk
Land: Nordrhein-Westfalen

Beschreibung

Zwischen 1703 und 1734 entstand das Wasserschloss Nordkirchen als Familienresidenz für den münsterschen Fürstbischofs Friedrich Christian von Plettenberg (1644-1706) und dessen Neffen Ferdinand von Plettenberg (1690-1737). Nach 1725 vollendete der bekannteste Barockbaumeister Westfalens, Johann Conrad Schlaun, die imposante Anlage.Als Liebhaber und Förderer der schönen Künste war vor allem Ferdinand von Plettenberg, der nach dem Tod des Onkels das Erbe antrat, an der standesgemäßen Ausstattung der Schlossräume gelegen. Besondere Umstände führten im späten 18. und frühen 19. Jahrhundert zur Veräußerung zahlreicher Kunstwerke und Ausstattungsstücke. Große Teile des Nordkirchener Inventars gelangten an die Familie von Ketteler, nachdem Clemens August Freiherr von Ketteler zu Harkotten 1771 die Witwe des 1742 geborenen Clemens August von Plettenberg, Maria Anna, geheiratet hatte. Weitere, spätere Verkäufe und Abgänge erfolgten im Zuge der zahllosen Wirren des letzten Jahrhunderts.Vermochte das Stadtmuseum Münster bereits in den vergangenen Jahren einige bedeutende Stücke aus dem Familienbesitz erwerben, galt es 1999, bisherige Leihgaben – zwölf französische und flämische Elfenbein- und fünf flämische Alabastereliefe aus dem frühen 14. bis frühen 18. Jahrhundert und 34 Porzellantableaus der Jahre um 1770 aus den Manufakturen Fürstenberg und Volkststedt – dauerhaft für das Haus zu sichern.Von den Elfenbeinreliefen sind in erster Linie die drei einzigartigen hochgotischen Täfelchen hervorzuheben, von denen zwei ursprünglich ein Diptychon bildeten, während das dritte einen isoliert überlieferten rechten Diptychonflügel darstellt. Diese Bildwerke aus der Zeit um 1300 waren der Forschung bisher übersehen worden. Sie zählen zu dem Bedeutendsten, was die höfisch geprägte Elfenschnitzkunst in Paris jemals hervorgebracht hat. Den zweiten singulären Sammlungskomplex bildet der sich von Anfang an in Ketteler`schen Familienbesitz befindliche Bestand von heute 33 Porzellantableaus der Jahre um 1770 aus der Manufaktur Fürstenberg und einem aus der im thüringischen Volkstedt. Die Tableaus geben einen beinahe vollständigen Überblick über die Motive, die in diesem Genre vorkommen, es fehlen lediglich mythologische Darstellungen und Porträts fürstlicher Persönlichkeiten.Bei den barocken Elfenbeinen und den Alabasterreliefen handelt es sich schließlich um durchaus solide ausgeführte Schnitzwerke, deren Bedeutung sich aus dem Sammlungszusammenhang ergibt. Gerade diese Werke verdeutlichen, dass schon im ersten Drittel des 18. Jahrhunderts ein antiquarisches Interesse an solchen Stücken herrschte, so dass man durch eine einheitliche Rahmung und wahrscheinlich damit verbunden auch eine gemeinsame Präsentation ihre Wertschätzung nach Außen dokumentierte.Der Ankauf der insgesamt 51 Objekte aus Besitz der Familie Plettenberg / Ketteler wurde gefördert durch die Kulturstiftung der Länder, die Stadt Münster, den Beauftragten der Bundesregierung für Angelegenheiten der Kultur und der Medien sowie die Stiftung Kunst und Kultur des Landes Nordrhein-Westfalen. Für das Stadtmuseum Münster stellt der Erwerb dieses großartigen Ensembles aus westfälischem Adelsbesitz eine ganz wesentliche Bestandssicherung sowie Bereicherung der eigenen Sammlung dar.