Eine römische Wasserauslaufuhr

8,00 

Anschrift der geförderten Einrichtung:
Museum für Vor- und Frühgeschichte, Archäologisches Museum
Karmelitergasse 1
60311 Frankfurt

Artikelnummer: PATRIMONIA NR. 195 (2001).
Kategorie:
Jahr: 2001
Land: Hessen
Gattung: Technik

Beschreibung

Aus Privatbesitz konnte mit der römischen Wasserauslaufuhr ein einzigartiges technisches Denkmal erworben werden. Es handelt sich dabei um die einzige in Gänze erhaltene Wasseruhr der klassischen Antike, um ein Unikat also, und es ist kaum zu erwarten, dass jemals ein zweites Objekt in gleicher Vollständigkeit gefunden werden wird. Die Wasseruhr in Form einer fast exakt halbkugeligen Bronzeschüssel mit einwärts gebogenen Rand ermöglicht eine überaus genaue Zeitmessung, die nicht nur die Tag- und Nachtstunden sondern ebenso die Tage in bezug zu Kalenden, Nonen und Iden der Monate samt den vier Sonnenwenden des Jahres ablesbar machen. Die umlaufende Stiftungsinschrift auf dem Gerät – sie nennt einen Priester des Gottes Borvo – unterstreicht die Bedeutung der Uhr im magisch-religiösen Bereich antiken Lebens, das die Tag- und Nachstunden – den Planeten zugewiesen – in glücksbringende, indifferente und unglücksträchtige einteilte.Die vorzügliche Erhaltung erlaubt ein genaues Verständnis der Funktion eines solchen Zeitmessers, die bislang nur aus der antiken Literatur zu rekonstruieren war. Das Objekt erweist sich als Präzisionsinstrument, dessen Funktionsweise raffinierter und einfacher zugleich ist, als man bisher vermutete.Darüber hinaus ist die Uhr von großer historischer Bedeutung für die Rhein-Main-Gegend, erlauben doch Inschrift und Erhaltungszustand sie mit den germanischen Beutezügen ins römische Reich des 3. Jahrhunderts nach Christi in Verbindung zu setzen. Offensichtlich gehörte die Uhr zur sogenannten Alemannen-Beute, von der immer wieder Teile aus dem Rhein geborgen wurden. Die Inschrift ist von hohem wissenschaftlichen Wert, da sie nicht nur das Instrument benennt, sondern auch Rückschlüsse auf seine Herkunft zulässt – ein Wasserheiligtum des keltischen Gottes Apollo-Borvo wahrscheinlich in der Landschaft am Nordrand der Auvergne. Dass archäologische, literarische und historische Daten in einem solchen Ausmaß zusammenstimmen, ist von großer Seltenheit.Nach der Form der Buchstaben zu schließen, wurde die Inschrift im späteren 2. Jahrhundert bzw. in der ersten Hälfte des 3. Jahrhunderts geschrieben, womit der terminus ad quem für die Uhr gegeben sein dürfte.Den Erwerb des sensationellen Fundstückes für das Museum für Vor- und Frühgeschichte der Stadt Frankfurt am Main ermöglichten maßgeblich die Kulturstiftung der Länder, die Hessische Kulturstiftung und das Bankhaus B. Metzler Seel. Sohn & Co.