Die begnadete Eva (Thronende Mutter Gottes mit dem Christuskind)

10,00 

Anschrift der geförderten Einrichtung:
Städtische Galerie Liebieghaus
Schaumainkai 71
60596 Frankfurt

Artikelnummer: PATRIMONIA NR. 212 (2002).
Kategorie:
Jahr: 2002
Land: Hessen
Gattung: Plastik/Skulptur
Künstler: unbekannter Künstler

Beschreibung

Elfenbeinerne, allseitig gearbeitete Madonnen aus dem letzten Drittel des 13. Jahrhunderts sind nicht nur wenige erhalten, sondern waren des seltenen Materials wegen schon zu ihrer Entstehungszeit ebenso begehrte wie kostbare Kunstwerke. Was einst nur weltliche und kirchliche Fürsten erwerben konnten, gelangte mit Hilfe der Kulturstiftung der Länder, der Hessischen Kulturstiftung, der Stadt Frankfurt am Main sowie der Georg und Franziska Speyer’schen Hochschulstiftung in die Städtische Galerie Liebieghaus in Frankfurt am Main. Die thronende Muttergottes mit dem Christuskind, eine hochbedeutende, wahrscheinlich nordfranzösische Arbeit aus der Regierungszeit Philipps des Schönen (1285-1314), nahm einstmals wohl das Zentrum eines Flügelaltärchens ein, dessen Seitenflügel Szenen aus dem Leben Mariens vergegenwärtigt haben mögen. Schon aufgrund ihrer Größe von fast 30 cm ist die Figur eine Besonderheit; gesteigert wird ihre Monumentalität durch die klare Form mit geschlossener Umrißlinie. Trotz der nur 4 cm messenden Tiefe des Elfenbeins erreichte der unbekannte Schnitzer eine außerordentliche Plastizität durch die kulissenhaft hintereinander gestaffelten Beine und die hauchdünnen Überlappungen der Draperie.Im Madonnentypus der gekrönten Himmelskönigin lebt ein aus der Romanik bekannter, herrschaftlicher Bildgedanke weiter, der jedoch durch die betonte Zweisamkeit um die emotionale Dimension des Mutterglücks erweitert wird. Die außerordentliche Lebendigkeit, die aus der Statue spricht, begründet sich sowohl in den Resten einer in gotischer Zeit aufgetragenen Farbigkeit als auch im Kontakt der lächelnden Blicke von Mutter und Kind. Diesen Effekt verstärkt das in lebhafter Unruhe gezeigte Christuskind, das durch motorische Aktivität ein betontes Eigenleben erhält. Das charakteristische Strampelmotiv der Beine rührt dabei von der byzantinischen Kunst her. Bei aller Innigkeit der beiden Dargestellten weist indes der Segensgestus des Christusknaben auf die Heilsbotschaft, in deren Dienst dereinst jede Skulptur religiösen Inhalts geschaffen worden ist.