Kulturhauptstadt Europas 2025

Zwischen Wettbewerb und Nachhaltigkeit

Der ECoC-Workshop #2 verband unter dem Motto „Denkwerkstatt zu Wettbewerb und Nachhaltigkeit“ die Vermittlung neuer Perspektiven mit best practice.

Im Eberhard-Roters-Saal der Berlinischen Galerie fanden sich am 10. April 2019 Vertreter*innen jener acht deutschen Bewerberstädte ein, die sich bereits zum Auftakt des nationalen Auswahlverfahrens im Oktober 2018 im Europäischen Haus der Öffentlichkeit präsentiert hatten (siehe den Veranstaltungsbericht).

Der ECoC-Workshop (‚European Capital of Culture‘) beinhaltete zwei Themenschwerpunkte, die sich an den Bedürfnissen der Teilnehmer*innen und den Erfordernissen des laufenden Bewerbungsprozesses orientierten: Der erste Teil widmete sich der Frage „Was ist für das pre-selection meeting wichtig?“. Dr. Ulrich Fuchs, ehemaliger Vorsitzender der Europäischen Auswahlkommission und Programmdirektor der Kulturhauptstädte Linz 2009 und Marseille-Provence 2013, bereitete die Vertreter*innen der Bewerberstädte praxisorientiert auf die Vorauswahlsitzung der Europäischen Expertenjury vor, die vom 10. bis 11. Dezember in Berlin stattfinden wird.

Im zweiten Abschnitt zeigte Else Christensen-Redzepovic, ausgewiesene Expertin für nachhaltige Kulturentwicklungsplanung, die „Entwicklung eines ‚Plan B‘ am Fallbeispiel Sønderborg und Sonderjylland-Schleswig“ auf. Von 2008 bis 2012 war Christensen-Redzepovic für die Bewerbung der dänischen Region für die „Kulturhauptstadt Europas 2017“ verantwortlich.

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Die Denkwerkstatt fand in einer dialog- und praxisorientierten Atmosphäre statt. Die Teilnehmer*innen nutzten die Möglichkeit, den Referent*innen Fragen zum Verfahren zu stellen und Erfahrungen aus dem Bewerbungsprozess miteinander zu diskutieren.

Initial begrüßte Dr. Thomas Köhler, Direktor der Berlinischen Galerie, die Teilnehmer*innen. Die wechselvolle Geschichte seines Hauses zeige, dass mit dem Mut zu Veränderungen, Zielstrebigkeit und Kreativität viel zu erreichen sei. In diesem Sinne betonte Prof. Dr. Markus Hilgert, Generalsekretär der Kulturstiftung der Länder, die Wertschöpfung, die sich aus dem Bewerbungsprozess unmittelbar ergebe. Die Schaffung neuer Teilhabestrukturen und das Knüpfen internationaler Netzwerke stelle unabhängig vom Ausgang des Auswahlverfahrens einen enormen Gewinn für die jeweilige Stadtgesellschaft dar.

Praktisches know-how für das pre-selection meeting

Dr. Ulrich Fuchs schärfte im ersten Teil des Workshops den Blick der Bewerbungsteams für die Dimensionen der Entscheidungsfindung bei der Vorauswahl: Die Kandidatenstädte müssten die mit der Bewerbung verfolgten kulturellen Ziele und ihre Vision für die Weiterentwicklung der Stadtgesellschaft klar herausarbeiten. Der Umgang mit der eigenen Geschichte sei dabei von zentraler Bedeutung: Nur eine glaubwürdige und kritische Auseinandersetzung mit der Vergangenheit ermögliche es, gesellschaftliche Probleme in den Blick zu nehmen und zu ihrer Lösung beizutragen. Als ehemaliger Juryvorsitzender wie vor dem Hintergrund seiner Erfahrung als Kulturhauptstadt-Akteur stellte Fuchs heraus, dass ein Kulturhauptstadtjahr nicht als isoliertes Event aufzufassen sei. Neben der Einbettung der Bewerbung in eine langfristige Kulturentwicklungsstrategie sei deren Europäische Dimension von zentraler Bedeutung.

Die Bewerbung als Bestandteil einer langfristigen Kulturentwicklungsplanung

Nach der Pause erläuterte Else Christensen-Redzepovic die Bedeutsamkeit eines „Plan B“ für die Bewerbung. Bereits in der Bewerbungsphase von Sønderborg und Sonderjylland-Schleswig seien internationale Kooperationen und Kulturformate initiiert worden, von deren Auswirkungen die Region bis heute profitiere. So ging aus dem Bewerbungsprozess die Gründung der Kulturregion Sønderjylland-Schleswig hervor, die als regionale Plattform mit europäischer Dimension kulturelle Entwicklung fördert.
Entscheidend sei es, die Motivation hinter der Bewerbung, den Willen zur kulturellen und gesellschaftlichen Weiterentwicklung, auch nach einem Ausscheiden aus dem Auswahlverfahren zu stärken und zu nutzen. In diesem Sinne sei die eigene Stadtgesellschaft als bester Botschafter des „Plan B“ anzusehen.

Mit einem regen Austausch über die Herausforderungen des Bewerbungsprozesses in großer Runde endete der Workshop #2. Wir freuen uns auf die nächste gemeinsame ECoC-Denkwerkstatt am 5. Juni 2019 mit den Vertreter*innen der interessierten Bewerberstädte.
Übersichtliche Informationen zum weiteren Verlauf des nationalen Auswahlverfahrens entnehmen Sie gern unserer Broschüre.