Kulturhauptstadt Europas 2025

Europäische Kultur erlebbar gestalten

Die Auftaktveranstaltung für die „Kulturhauptstadt Europas 2025“ in Deutschland stand unter dem Motto „Europäische Kultur erlebbar gestalten“.

Am 16. Oktober 2018 kamen mehr als 120 Teilnehmerinnen und Teilnehmer im Europäischen Haus in Berlin zusammen, um mehr über das Programm Kulturhauptstadt Europas und den nationalen Auswahlprozess zu erfahren.

In ihrer Eröffnungsrede betonte Dr. Stefanie Hubig, Vizepräsidentin der Kultusministerkonferenz, dass der Reichtum unseres Kontinents in dessen enormer kultureller Vielfalt und Gestaltungskraft liege. Europa sei ein „unverwechselbarer Resonanzboden für Innovation und Begegnung“. Die Teilnahme am Bewerbungsverfahren für die „Kulturhauptstadt Europas 2025“ bedeute einen Zukunftsdialog anzuschieben, der im Geiste regionaler Identitätsbildung als Teil Europas erfolgen sollte. Zuvor warf Prof. Dr. Markus Hilgert als Generalsekretär der Kulturstiftung der Länder ein Schlaglicht auf die politische und soziokulturelle Relevanz der Kulturhauptstadt-Initiative. Hilgert strich mit Blick auf die Europa-skeptischen, desintegrativen Tendenzen unserer Tage die Wichtigkeit internationalen, kulturellen Austauschs und lokaler Integrationsangebote heraus.

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Vor der Mittagspause berichteten drei Expertinnen aus der Praxis des Kulturhauptstadt-Programmes über Ihre Erfahrungen. Prof. Dr. Elisabeth Leitner, Initiatorin der Online-Diskussionsplattform kulturhauptstadt2024.at, zeigte in ihrem Impulsvortrag die zentralen Fragestellungen zukunftsorientierter Stadt- und Kulturentwicklungsplanung auf: die demographische Entwicklung, das Management historischen Wissens, die Themen Migration, Bürgerbeteiligung, Mobilität und Konsumverhalten sowie die Kultivierung von Naturräumen.

Ana Čižauskienė, CEO von Kaunas 2022 (Litauen), und Kelly Diapouli, Künstlerische Leiterin von Eleusis 2021 (Griechenland), betonten anschließend auf dem Panel, dass der Prozess der Bewerbung durchaus schmerzhaft und anstrengend gewesen sei, der Mühen aber sehr wert. Aus kultureller Perspektive gelte es, eine nachhaltige Erzählung zu finden, die die europäische Geschichte, den Wandel der Gesellschaft und die konkrete Stadt mit ihren Erfahrungen zu verbinden vermag. Hierbei träten historische Brüche und dunkle Kapitel deutlich zutage. Sylvain Pasqua, Teamleiter für das Programm der Europäischen Kommission in Brüssel, vertiefte den Anspruch des Programmes zur europäischen wie zur sozialen Integration vor Ort beizutragen. Bewerberstädte sollten sich bewusst sein, dass eine enge Zusammenarbeit mit der Bürgerschaft, freien Initiativen und allen politischen Kräften erforderlich sei.

Lebendige Stadtkultur in Wort und Bild

Die im Europäischen Haus mit Spannung erwarteten Präsentationen der Bewerberstädte fanden im Pecha-Kucha-Format statt. Jeder Stadt standen fünf Minuten Redezeit und zwanzig Folien zur Verfügung, um die Frage zu beantworten: „Welchen Beitrag möchten Sie zum kulturellen Lebens Europa leisten?“.

Die große Vielfalt der deutschen Städtelandschaft kam in den Vorträgen von Chemnitz, Dresden, Gera, Hannover, Hildesheim, Magdeburg, Nürnberg und Zittau eindrucksvoll zum Ausdruck. Es wurden Brücken aus der Vergangenheit in die Gegenwart und Zukunft gebaut, Analysen der Infrastruktur vorgenommen und kulturelle Errungenschaften aufgezeigt, und auch die politische Argumentation fand ihren Platz. Mal wurden Stärken betont, mal bewusst Visionen anhand regionaler Problemfelder entwickelt. Der Ton reichte von sachlich-argumentierend, zu agitatorisch-begeisternd bis hin zum Spiel mit künstlerischer Ironie.

In der anschließenden Expertenrunde diskutierten Nele Hertling, Gründerin der Initiative „A Soul for Europe“, Andreas Kämpf, Vizepräsident des Deutschen Kulturrats und Kulturentwicklungsberater Dr. Patrick Föhl über die Herausforderungen des Bewerbungsprozesses. Um die europäische Verständigung und das bürgerschaftliche Miteinander zu stärken, bedürfe es großer Anstrengungen der Bewerber, vor Ort die zivilgesellschaftliche Selbstorganisation im Kulturbereich auszubauen. Voraussetzung für Teilhabe sei die Schaffung einer zielgruppengerechten Sprache und von barrierefreier Infrastruktur.