Erwerbungsförderung

Vermisste Bücher zurück in Bonn

Über 70 Jahre nach ihrem spurlosen Verschwinden in der Nachkriegszeit kehren 645 Bände zurück in den Bestand der Universitäts- und Landesbibliothek Bonn (ULB). Mit Unterstützung der Kulturstiftung der Länder erwirbt die ULB Bonn die Handschriften, Inkunabeln und Urkunden zurück aus Privatbesitz.

Elf mittelalterliche Handschriften, zwei mittelalterliche Urkunden sowie 39 Inkunabeln befinden sich unter den 645 Bänden. „Die Bände sind von hoher kultureller Bedeutung. Viele der alten Drucke finden sich in keiner anderen deutschen Bibliothek. Sie sind ein wichtiges Zeugnis für die Erfindung des Buchdrucks. Jetzt kommt das Konvolut zurück an seinen ursprünglichen Standort und stützt damit unter anderem den Sammlungsschwerpunkt der ULB – die Romanische Sprach- und Literaturwissenschaft.“, so Prof. Dr. Markus Hilgert, Generalsekretär der Kulturstiftung der Länder.

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Im Zweiten Weltkrieg wurden die wertvollsten Bestände der Bibliothek rechts- und linksrheinisch ausgelagert. Als sie nach Kriegsende in einem Bonner Bunker erneut zusammengeführt werden sollten, kam es zu zahlreichen Verlusten von Handschriften, Urkunden und Inkunabeln. Die Umstände des Verschwindens blieben unbekannt und der Altbestand galt seither als verloren.

Überraschend tauchten 2017 einige der Handschriften und alten Drucke im Londoner Auktionshaus Sotheby’s auf. Eingeliefert von einer Brüsselerin, deren Vater während der Nachkriegszeit in Bonn stationiert war. Wie genau die Bände in den Besitz ihrer Familie gelangten, ist nicht geklärt. Unter den Bänden sind zahlreiche illustrierte Werke, Inkunabeln aus rheinischen Klöstern und Handschriften  von Autoren wie Terentius, Thomas von Aquin, Johannes Nider, Dante Alighieri und Giovanni Boccaccio.

Das Auktionshaus hatte die ULB Bonn informiert. Mithilfe von Abbildungen im Handschriften- und Inkunabelkatalog der Bibliothek konnten erste Positionen eindeutig dem verlorenen Altbestand zugeordnet werden. Nach einem Ortsbesuch von Mitarbeitern der ULB Bonn summierte sich die Zuordnung auf 153 Bände mit einem Gesamtwert von knapp einer Million Euro.

Um eine gütliche Einigung zu erzielen, trat die ULB Bonn in Kontakt mit der Einlieferin. Dabei stellte sich heraus, dass diese bereits weitere Bücher an ein Brüsseler Auktionshaus geliefert hatte und zudem 30 weitere Kartons mit Büchern lagerte. Mitarbeiter der ULB Bonn identifizierten nahezu zwei Drittel der darin enthaltenen Bände als Altbestand der Bibliothek. Noch vorhandene Besitzmerkmale wie Stempel und Vermerke ermöglichten ihnen eine eindeutige Zuordnung. Die insgesamt 645 Bestände wurden anschließend in die ULB Bonn überführt. Trotz des umfassenden Fundes gelten weiterhin 22 mittelalterliche Handschriften und mehr als 20 Inkunabeln als verloren.

Weitere Förderer dieser Erwerbung: Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen