Die Akademie der Künste in Berlin erwirbt das Maschinenmanuskript von Günter Grass‘ (1927–2015) wichtigstem Roman „Die Blechtrommel“, ein bisher unbekanntes Notizbuch von 1957 sowie 45 weitere Manuskripte, darunter Gedichte des Schriftstellers. Die Kulturstiftung der Länder fördert den Ankauf mit 29.833 Euro.
Dazu Dr. Christine Regus, Generalsekretärin der Kulturstiftung der Länder: „Dass diese bislang unerschlossenen Schriften des Literaturnobelpreisträgers Günter Grass kurz vor seinem 100. Geburtstag in die Akademie der Künste gelangen, ist ein herausragender Gewinn für die Literaturwissenschaft. Als prägende literarische Stimme der Nachkriegszeit hat Grass mit seinem Werk die kritische Auseinandersetzung mit der NS-Zeit und ihren gesellschaftlichen Folgen wesentlich vorangetrieben. Die Materialien eröffnen neue Einblicke in sein Denken und Schreiben und stehen nun Forschung und Öffentlichkeit zur Verfügung. Es freut mich sehr, dass die Kulturstiftung der Länder mit ihrer Erwerbungsförderung dazu beitragen kann.“
Das nun erworbene Konvolut liefert für die Literaturwissenschaft neue Quellen zu Grass‘ Pariser Zeit zwischen 1956 und 1960 und zur Entstehung der „Blechtrommel“. Bei dem Typoskript handelt es sich um Fassungen von 40 Kapiteln des 1959 erschienenen Romans. Der Textkorpus ist sehr viel umfangreicher als bisher bekannte Manuskripte und enthält
unter anderem Varianten des berühmten ersten Kapitels „Der weite Rock“. Ein ebenfalls bislang unbekanntes Arbeitstagebuch aus Grass‘ Zeit in Paris komplettiert die Reihe aus den Jahren 1958–1973 und 1990–1995, die sich bereits im Archiv der Akademie der Künste in Berlin befinden. Das Notizbuch von 1957 enthält u. a. Fragmente des Theaterstücks „Noch zehn Minuten bis Buffalo“ und Notizen zur „Blechtrommel“. 45 Handschriften, darunter teilweise unveröffentlichte Gedichte, wenige Prosastücke und Dramenentwürfe, sind ebenfalls Teil der Schriftensammlung.
Das Konvolut stammt aus dem Besitz des britischen Literaturwissenschaftlers und Grass-Forschers John Reddick. Der Schriftsteller selbst hatte Reddick Ende der 1960er Jahre darum gebeten, die Schriften aus Paris abzuholen. Grass übergab einen Teil davon dem Literaturarchiv Sulzbach-Rosenberg, einen weiteren durfte Reddick behalten und hat ihn nun der Akademie der Künste zum Kauf angeboten.
Günter Grass erhielt 1999 den Literaturnobelpreis für sein Lebenswerk, insbesondere für die „Blechtrommel“ und seine kritische Auseinandersetzung mit der deutschen Geschichte und dem Nationalsozialismus. Volker Schlöndorffs Verfilmung des Romans wurde 1980 mit dem Oscar für den besten fremdsprachigen Film ausgezeichnet – als erster deutscher Spielfilm überhaupt. Von 1983 bis 1986 war Grass Präsident der Akademie der Künste (West). Die Akademie der Künste in Berlin bewahrt bereits den größten Teil des literarischen Nachlasses von Günter Grass in ihrem Archiv.