AUSSTELLUNGSFÖRDERUNG

Germanische Opferpraktiken im Museum Kalkriese

Funde aus Nydam und Thorsberg des Archäologischen Landesmuseums Schleswig kommen nach Kalkriese

Mit den Funden von zwei germanischen Kriegsopferplätzen beschäftigt sich die Ausstellung „Verlorene Krieger – Germanen zwischen Macht & Mythos“, die vom 25. April 2026 bis zum 7. November 2027 im Museum und Park Kalkriese zu sehen ist. Während der Umbauphase des Archäologischen Landesmuseums Schleswig im Schloss Gottorf treten archäologische Funde aus Nydam und Thorsberg in Dialog mit Objekten zur Varusschlacht aus der Kalkrieser Sammlung. Die Kulturstiftung der Länder fördert die Ausstellung mit 40.950 Euro.

Dazu Dr. Christine Regus, Generalsekretärin der Kulturstiftung der Länder: „Die gemeinsame Präsentation der drei Fundkomplexe vertieft nicht nur das Verständnis von kulturellen Praktiken im kaiserzeitlichen Germanien. Sie zeigt, wie fruchtbar die Arbeit mit konkreten Objekten für die Forschung ist. Gerade wenn es um identitätsstiftende historische Erzählungen wie die ‚Varusschlacht‘ geht, ist die differenzierte, wissenschaftlich fundierte Auseinandersetzung von besonderer gesellschaftlicher Relevanz.“

Die Fundstelle Kalkriese im Osnabrücker Land gilt heute als wahrscheinlicher Schauplatz der sogenannten Varusschlacht, die das Ende der römischen Expansion rechts des Rheins markierte. Im Jahr 9 n. Chr. wurde hier der römische Statthalter Varus auf dem Marsch vom Sommer- ins Winterlager von einem germanischen Heer in einen Hinterhalt gelockt. Drei ganze Legionen wurden vernichtend geschlagen. Zahlreiche archäologische Funde belegen nicht nur das Kampfgeschehen, sondern auch die nachträglichen Vorgänge auf dem Schlachtfeld, insbesondere die gezielte Zerstörung von Waffen, Ausrüstung wie auch der menschlichen Überreste der Gegner durch die Sieger. Vergleichbare Funde sind aus eisenzeitlichen Kriegsbeuteopferplätzen bekannt – wie aus Thorsberg und Nydam im Norden Schleswig-Holsteins. Dort wurden rituelle Gewalthandlungen an Objekten vollzogen, von denen bisher vermutet wurde, dass sie als Dankopfer an die Götter geschahen.

Die umfangreichen Umbaumaßnahmen des Archäologischen Landesmuseums Schleswig seit August 2025 bieten dem Museum Kalkriese nun eine einmalige Gelegenheit, sich mit dem Thema solcher sogenannten „post-battle processes“ auseinanderzusetzen. In der Sonderausstellung werden die Schleswiger Sammlungsbestände von über 1.200 Objekten aus Thorsberg und Nydam präsentiert und den Funden der Varusschlacht aus der Dauerausstellung gegenübergestellt. Es wird der Frage nachgegangen, warum sich die Sieger nicht mit ihrem militärischen Erfolg begnügten, sondern darauf abzielten, den Gegner vollständig zu vernichten – einschließlich dessen, was seine Identität ausmachte. In der Sonderausstellung beschäftig sich ein eigener Raum mit den möglichen Parallelen zum Fundplatz Kalkriese. Hier werden zahlreiche bislang wenig beachtete Objekte der Kalkrieser Sammlung erstmals präsentiert und zum Teil neu interpretiert. Es entstehen gezielte „Fenster“ auch in der Dauerausstellung, die neue Perspektiven auf den eigenen Bestand ermöglichen. Auch kommen Archäologinnen und Archäologen, die zu den Fundorten gearbeitet haben, in der Ausstellung zu Wort und gewähren Einblicke in ihre Forschung. Die im Rahmen der Ausstellung gewonnenen Erkenntnisse sollen zudem in die Weiterentwicklung der Dauerausstellung des Museums Kalkriese einfließen.

Weitere Förderer: Stiftung der Sparkasse Osnabrück, Stiftung Niedersachsen, Niedersächsischen Ministerium für Wissenschaft und Kultur.

Verlorene Krieger – Germanen zwischen Macht & Mythos

VARUSSCHLACHT im Osnabrücker Land gGmbH – Museum und Park Kalkriese
Venner Straße 69, 49565 Bramsche-Kalkriese
Öffnungszeiten: Täglich 10:00-18:00 Uhr

https://www.kalkriese-varusschlacht.de/

 

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