Ernst Ludwig Kirchner „Portrait Grisebach“

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Anschrift der geförderten Einrichtung:
Städtische Museen Jena
Markt 7
07743 Jena

Artikelnummer: PATRIMONIA NR. 169 (2008).
Kategorie:
Jahr: 2008
Künstler: Kirchner; Ernst Ludwig
Gattung: Malerei
Land: Thüringen

Beschreibung

Für Ernst Ludwig Kirchner sollten jene Kontakte, die der Künstler zwischen 1914 und 1917 in Weimar und Jena knüpfte, für seine zweite Lebenshälfte von großer Bedeutung werden. Dies gilt ganz besonders für die Beziehungen zu Professor Eberhard Grisebach (1880-1945) und Botho Graef. 1912 hatte Grisebach, der sich früh für Kirchners Werke begeisterte, die Leitung des Jenaer Kunstvereins übernommen. Kirchner lernte er indessen erst anlässlich der ersten Einzelausstellung im Februar 1914 kennen – eine zweite richtete er an gleicher Stelle 1917 ein. Es entwickelte sich eine intensive, wenn auch nicht konfliktfreie Freundschaft. So war es schließlich Grisebach, der Kirchner nach seinem zehnmonatigen Sanatoriumsaufenthalt in Kreuzlingen 1917/18 maßgeblich bei seiner endgültigen Übersiedlung ins schweizerische Davos unterstützte.Das Porträt Eberhard Grisebachs war während Kirchners Sanatoriumsaufenthalt nach einem Besuch in der ersten Oktoberhälfte 1917 entstanden. In einem Brief vom 11. November schrieb Kirchner an Grisebach: Ihr Kopf stand oft so lebhaft vor meinen Augen, dass ich versuche ihn zu malen, so gut es geht. Letztlich reflektiert das Bildnis Grisebachs aber nicht nur die Kirchners Neuorientierung zwischen Jena und Davos, es steht nebenbei – in künstlerischer Hinsicht – für den stilistischen Wandel der früher nervös aufgeladenen Pinselschrift hin zu einer beruhigten, klaren Bildtektonik.Grisebachs Besuch bei Kirchner in Kreuzlingen erfolgte im Zusammenhang mit dem Tod des namhaften Jenaer Archäologen und Kunsthistorikers Botho Graef (1857-1917), der für Kirchner ein väterlicher Freund und erster großer Förderer gewesen war. Die Nachricht von Graefs Tod hat ihn sehr getroffen. Aus der tiefen Verbundenheit heraus erwuchs sodann Kirchners Entschluss, Botho Graef, eine Gedenkstiftung in Jena einzurichten, die den Grundstock für ein zukünftiges Kirchner-Museum bilden sollte. Aber auch schon das Grisebach-Porträt, das Kirchner bis zu seinem Tode behielt und seiner Lebensgefährtin Erna Schilling(-Kirchner) vererbte, scheint von der besonderen Beziehung zu Graef zu zeugen. Im Hintergrund des Porträts ist schemenhaft ein Profil zu erkennen, dass sich als die Umrisse Botho Graefs deuten lässt.Dass der Ankauf des für die Jenaer Kunstgeschichte so bedeutsamen Bildnisses überhaupt möglich wurde, ist der Kulturstiftung der Länder, dem Bundesministerium des Innern, dem Land Thüringen, der Stadt Jena sowie der Jenoptik AG zu verdanken.