Elfenbeinhumpen, um 1670/1685

10,00 

Anschrift der geförderten Einrichtung:
Museum für Kunsthandwerk/Grassimuseum
Neumarkt 20
04109 Leipzig

Artikelnummer: PATRIMONIA NR. 219 (2001).
Kategorie:
Jahr: 2001
Gattung: Angewandte Kunst/Kunsthandwerk
Künstler: Kern; Johann Georg
Land: Sachsen

Beschreibung

Das Pferd, Symbol der Kraft und Herrschaft, war schon seit der Renaissance ein bevorzugtes Thema der italienischen Kleinbronzen, die ihrerseits auf antiken Vorbildern fußten. Ihre Fortsetzung fanden diese Bildwerke in den barocken Elfenbeinschnitzwerken, die springende, galoppierende oder trabende Pferde zeigten und in viele fürstliche Sammlungen gelangten. Kostbar wie faszinierend waren diese Objekte vor allem aufgrund ihres Materials: der zarte Schmelz des polierten Elfenbeins übte eine geradezu magische Anziehungskraft aus; seine exotische Herkunft beflügelte die Phantasie, wobei der Glaube an seinen Giftschutz das seltene Material um so begehrter machte. Vor dem Hintergrund der Entstehung von Kunstkammern und Raritätenkabinetten an europäischen Höfen erlebte die Elfenbeinschnitzerei im frühen 17. Jahrhundert eine neue Blüte, die erst mit der Verbreitung des Porzellans verging. Von Goldschmieden meisterlich gefaßt, wurde das hohle, bis zu 20 cm durchmessende Elfenbein vor allem zu Gefäßmänteln verarbeitet, um mit seinem sanften Schimmer, überstrahlt vom Glanz der goldenen Montierung, fürstliche Tafeln zu schmücken.Ein großartiges Beispiel dieser Kunstfertigkeit ist der nunmehr für das Grassimuseum Leipzig / Museum für Kunsthandwerk erworbene Elfenbeinhumpen aus dem Umkreis des Leonhard Kern, eines bedeutenden Vertreters der süddeutschen Elfenbeinschnitzkunst im 17. Jahrhundert. Das Relief des 25 cm hohen Humpens wird Kerns Neffen Johann Georg (1622-1698) zugeschrieben und wurde vom Nürnberger Goldschmied Johann Conrad Weiß um 1720 gefaßt. Es zeigt einen meisterhaft gearbeiteten Fries von neun Pferden in unterschiedlichen Haltungen – liegend, springend, trabend -, die trotz des flachen Reliefgrundes besondere Plastizität besitzen. Die Bewegungen der Tiere, die wie zum Wiehern geöffneten Mäuler und die lebendigen Gesichter geben der Arbeit ein überaus dynamisches Gepräge, ohne den ornamentalen Aspekt zu vernachlässigen, der sich in den kunstvoll gelegten Mähnen und Schweifen offenbart. Die Erwerbung des Humpens unterstützten die Kulturstiftung der Länder, die Ostdeutsche Sparkassenstiftung im Freistaat Sachsen gemeinsam mit der Sparkasse Leipzig, die Sächsische Landesstelle für Museumswesen, die Landeszentralbank in den Freistaaten Sachsen und Thüringen sowie private Förderer.