Die Heilige Familie von Johann Paul Egell

19,00 

Anschrift der geförderten Einrichtung:
Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst
Staatliche Museen zu Berlin – Stiftung Preußischer Kulturbesitz
Behrenstraße 37
10117 Berlin

 

Artikelnummer: PATRIMONIA NR. 264 (2017).
Kategorie:
Jahr: 2017
Land: Berlin
Künstler: Egell; Johann Paul
Gattung: Plastik/Skulptur

Beschreibung

Der unverheirateten Jesusmutter, die durch den Heiligen Geist empfangen hatte, drohte ein ungewisses Schicksal in ihrer Zeit. Joseph aber beugte sich dem Willen Gottes und heiratete die schwangere Jungfrau, schützte sie vor der Beschuldigung, dass sie sich habe verführen lassen – und damit vor der Steinigung. Im Mittelalter jedoch wurde  über die Verehrung Josephs gestritten. Juristische Unklarheiten über sein Vaterschaftsverhältnis und seine Ehe mit Maria hemmten lange den Josephskult. Doch vor dem Hintergrund der spätmittelalter­lichen Krisen, der Pest, schwerer Hungersnöte und einer sich umwälzenden Welt gewann der tugendreiche Nährvater Jesu an Anerkennung. Keuschheit, Demut, Fleiß, Gehorsamkeit und Pflichterfüllung, aber auch seine vorbildliche Rolle als liebevoller Beschützer und Erzieher ließen die Kirchenväter Joseph eine zentrale Rolle im Plan der Erlösung zugedenken. Im ersten Viertel des 18. Jahrhunderts erreichte die Josephsverehrung schließlich ihren Höhepunkt – genau zu dieser Zeit gestaltete Paul Egell (1691–1752), Schüler Balthasar Permosers und einer der erfolgreichsten Bildhauer an der Schwelle vom Barock zum Rokoko, sein Lindenholzmodell der berühmten Familie. Wahrscheinlich als Studie für eine Großskulptur der Heiligen Familie angefertigt, vermutet man als Auftraggeber die Josephsbruderschaft in Simmern, bei der Egell zwischen 1735 und 1740 tätig war. Christus wendet sich hier nicht wie sonst üblich seiner Mutter zu, sondern in einer segnenden Geste zu Joseph, dessen Gehorsamkeit erst Jesu Geburt ermöglichte. Jesu Segen nimmt Joseph letztendlich versöhnlich in die christliche Heilsgeschichte auf.

Egells Œuvre hat sich nur fragmentarisch erhalten, keiner seiner acht Altäre ist vollständig überliefert. Der von den Preußischen Museen Ende des 19. Jahrhunderts gerettete Mannheimer Hoch­altar ging nach dem Zweiten Weltkrieg im Flakbunker Friedrichshain in Flammen auf. So freut sich das Ber­liner Bode-Museum besonders, dass es mit Egells „irdischer Dreifaltigkeit“ seinen Fragmenten des Mannheimer Hochaltars nun dieses seltene, zarte und anmutige Zeugnis der Josephsverehrung in der Skulpturensammlung an die Seite stellen kann. Der vorliegende Patrimonia-Band beleuchtet auf 126 Seiten Egells Leben und Werk in ausführlichen Aufsätzen und stellt den Texten großformatige Abbildungen zur Seite.