Die Freisinger Hodegetria

10,00 

Anschrift der geförderten Einrichtung:
Diözesanmuseum Freising
Domberg 21
85354 Freising

Artikelnummer: PATRIMONIA NR. 216 (2002).
Kategorie:
Jahr: 2002
Gattung: Angewandte Kunst/Kunsthandwerk
Land: Bayern

Beschreibung

Die Stadt Freising zählt zu den ältesten Bischofsstädten Bayerns, doch obgleich sie schon im 8. Jahrhundert ein wichtiger Ort des kulturellen Austausches mit dem christlichen Osten war und das Freisinger Diözesanmuseum heute die größte Sammlung christlicher Kunst in Deutschland bewahrt, sind aus der Frühzeit keine Kulturdenkmäler mehr erhalten. Diese Lücke konnte nun geschlossen werden – durch den Ankauf einer bedeutenden Elfenbeintafel mit Schnitzereien aus dem 10. und 11. Jahrhundert.Das kaum mehr als handtellergroße Relief ist vor allem aufgrund seiner beidseitigen Bearbeitung eine Rarität. Auf der einen Seite erscheint innerhalb eines glatten Rahmens die von Engeln flankierte Halbfigur einer byzantinischen Muttergottes im Bildtyp der Hodegetria, der Wegweiserin, die auf den Christusknaben im linken Arme deutet. Wie die Bohrlöcher am Bildrand zeigen, war die Tafel einstmals Mittelteil eines kleinen Klappaltars mit Flügeln, wie er in der byzantinischen Kunst üblich ist. Die andere, in Deutschland geschnitzte Seite zeigt innerhalb eines schmalen Akanthusrahmens drei übereinandergestaffelte figurenreiche Szenen aus dem Leben Christi: oben das Letzte Abendmahl, in der Mitte den Besuch der drei Frauen am Grabe Christi am Ostermorgen, und unten die Himmelfahrt. Auf besondere Weise atmet das Elfenbein sowohl den Geist Byzanz‘ wie des deutschen Mittelalters; zugleich verweist es auf die 1054 zerbrochene Einheit der griechischen und lateinischen Kirche. Zweihundert Jahre, nachdem die Säkularisation in der Folge der französischen Revolution auch Freising den Großteil seiner Kirchenschätze genommen hat, kehrt ein wichtiges sakrales Werk in kirchlich-musealen Besitz zurück; ermöglicht wurde dies durch die Kulturstiftung der Länder, den Beauftragten der Bundesregierung für Angelegenheiten der Kultur und der Medien, die Bayerische Landesstiftung, die Freisinger Sparkassenstiftung, die Flughafen München GmbH, den Rotary Club Freising sowie durch weitere Hilfe zahlreicher Institutionen, Firmen, Vereine und Privatpersonen.