Kompetenznetzwerk gegen illegalen Handel mit Kulturgütern startet – Grütters: „Belastbare Antworten“ aus der Wissenschaft

Das „Kompetenznetzwerk Kulturgutschutz in Deutschland – NEXUD“ wird die Bekämpfung des Handels mit geraubten und illegal eingeführten Kulturgütern vorantreiben. Es bündelt eine Vielfalt hochspezialisierter wissenschaftlicher Kompetenzen an Hochschulen, außeruniversitären Forschungseinrichtungen oder kulturgutbewahrenden Einrichtungen. Bundes- und Landesbehörden wird damit künftig ein systematisierter Zugriff auf eine breitgefächerte, wissenschaftliche Expertise ermöglicht, um antikes oder archäologisches Kulturgut zügig als solches verifizieren zu können. So kann schneller über die Aufnahme von Ermittlungsverfahren oder über die Sicherstellung fraglicher Objekte entschieden werden.

Mit einer Pilotphase von zunächst drei Jahren wird NEXUD gemeinsam von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien sowie der Kulturstiftung der Länder realisiert.

Kulturstaatsministerin Monika Grütters: „Illegaler Handel mit Kulturgütern ist ein Verbrechen. Es ist ein Angriff auf unser aller Menschheitskulturerbe und die Identität der Völker. Seine Bekämpfung birgt in der täglichen Praxis immer wieder hochkomplexe, interdisziplinäre Fragestellungen für die ermittelnden Behörden. Ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter benötigen deshalb in unklaren Fällen zeitnah belastbare Antworten aus der Wissenschaft. Das Kompetenznetzwerk NEXUD soll dafür ein verlässliches Instrument sein und nicht zuletzt die Umsetzung des Kulturgutschutzgesetzes einfacher machen.“

Dazu Michael Müller, Regierender Bürgermeister von Berlin und Stiftungsratsvorsitzender der Kulturstiftung der Länder: „Sensibilität hinsichtlich der Herkunft und Provenienz von Kunst- und Kulturgütern steht zu Recht immer mehr im Fokus. Auch illegaler Handel mit archäologischen Artefakten ist Kulturraub und muss unterbunden werden. Mit der Einrichtung des Kompetenznetzwerkes NEXUD wollen wir den Bundes- und Landesbehörden wie unter anderem den Kulturbehörden der Länder, dem Bundeskriminalamt und den Landeskriminalämtern oder dem Zoll die dringend benötigte Unterstützung beim Vorgehen gegen den illegalen Handel mit archäologischem Kulturgut zur Seite stellen. Ich freue mich deshalb, dass der Bund und die Ländergemeinschaft über die Kulturstiftung der Länder gemeinsam NEXUD realisieren.“

Professor Markus Hilgert, Generalsekretär der Kulturstiftung der Länder: „Kulturgüter werden überall auf der Welt geplündert und in den Handel eingespeist. Allein das macht die Eindämmung dieses Phänomens so komplex. Denn zur Identifizierung und Klassifizierung der betroffenen Objekte ist ein außerordentlich breit gefächertes Wissen zahlreicher akademischer Disziplinen notwendig: Von der Afrikanistik und der Altamerikanistik über die Klassische und Vorderasiatische Archäologie und Altorientalistik bis hin zur Indologie und Ostasiatischen Kunstgeschichte. In Deutschland haben wir das Glück, in nahezu allen Bereichen Expertinnen und Experten zu haben und daher aus dem Vollen schöpfen zu können.“

Im NEXUD-Netzwerk stehen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aller Fachbereiche für die Anfertigung von Sachverständigengutachten in standardisierten Verfahren zur Verfügung. Außerdem sollen Fortbildungen angeboten werden, die der nationalen und internationalen Vernetzung aller Akteure im Bereich des Kulturgutschutzes dienen. Die Arbeitsergebnisse des Kompetenznetzwerks werden zudem systematisch dokumentiert, gespeichert und evaluiert.