Titelthema Münzen

Münzwissen

Ein Glossar

von Alexandra Hylla

Auswurfmünze

„Auswurfmünzen“ wurden zu festlichen Anlässen – wie Krönungszeremonien, Hochzeitsfesten, Begräbnissen – unter das Volk geworfen. In Bild und Schrift beziehen sich diese Münzen auf den gegebenen Anlass. Diese Praxis lässt sich seit der römischen Kaiserzeit belegen und hatte in erster Linie den Zweck, das Volk gewogen zu stimmen und an den Feierlichkeiten teilhaben zu lassen. Sie bot allerdings auch eine gute Möglichkeit, die andrängenden Massen abzulenken und von den anwesenden Staatsoberhäuptern fernzu­halten.

Drachme

Der Begriff „Drachme“ bezeichnet zumeist eine Silbermünze des griechischen Altertums. Selten wurden sie in Gold geprägt. Je nach Herstellungsort in einem der griechischen Stadtstaaten variiert das Gewicht dieser Münzen. Eine Silberdrachme aus Athen wiegt ca. 4 g. Di-, Tetra-, oder Dekadrachmen sind größere Münzen mit verdoppeltem, vervierfachtem oder verzehn­fachtem Drachmengewicht. Ihre Größe gab den antiken Stempelschneidern die Möglichkeit, besonders prächtige Münzbilder zu verwirk­lichen. Vorsicht: „Drachme“ wurde anderenorts bis in die Neuzeit auch als Begriff eines Gewichts, einer Recheneinheit oder anderer Silbermünzen verwendet. So nannte man im 13. Jh. in der Kreuzfahrerstadt Akkon produzierte Silbermünzen erneut „Drachmen“. Ab 1831 führte das neu gegründete Königreich Griechenland eine moderne „Drachme“ als Hauptmünze ein.

Emission / Emissionen

In der Münzkunde steht die „Emission“ für die Ausgabe einer Währung an die Nutzer, oder genauer die Zurverfügungstellung einer genau bestimmten Menge von Münz- oder Papiergeld durch Münzherr bzw. Münzstätte. Verschiedene Münzemissionen wurden zum Zweck der Kon­trolle durch das Münzpersonal häufig als solche markiert, mittels Zeichen oder wechselnder Bildmotive. Bei großem Bedarf an gemünztem Geld konnte es bei manchen Währungen deshalb zu komplexen Zeichensystemen der sich ablö­senden Emissionen kommen. Diese erlauben der Forschung auch bei undatierten Münzen, eine chronologische Reihung einzelner Stücke vor­zunehmen oder aber Rückschlüsse zum Umfang der Produktion einer Münzstätte zu machen.

Gepräge / Prägen

Der entscheidende Vorgang der Münzherstellung ist das „Prägen“, also das Einschlagen eines gravierten Stahlstempels in den Metallrohling, den sog. Schrötling. Um eine mit Münzbild und Legende auf  Vorder- und Rückseite versehene Münze herzustellen, werden zwei (spiegelverkehrt!) gravierte Stahlstempel benötigt. Dabei wird der sog. Unterstempel in einer festen Unterlage versenkt und verankert, darauf der Schrötling platziert und dann der Oberstempel – bis in die Neuzeit – in der Hand gehalten und mit einem schweren Hammer aufgeschlagen. Durch die Kraft des Schlages wird das weichere Metall des Schrötlings vom gehärteten Stahl der Stempel in die Freiräume der Gravur verdrängt und so Bild und Schrift „eingeprägt“. Eine Münze kann deshalb auch selbst als „Gepräge“ bezeichnet werden. Das „Gepräge“ einer Münze wiederum sind Münzbild und Umschrift.

Münzhorte / Hort

Ein „Hort“ ist eine absichtlich hergestellte Ansammlung mehrerer Güter. Im Fall von „Münzhorten“ im archäologischen Zusammenhang geht es in der Regel um eine angehäufte und verborgene Menge von Münzen. Je nach Art der Verwahrung kann man von einer ab­sicht­lichen Verbergung durch den „Hortbildner“ ausgehen, der seine Habe an sicherer Stelle verstecken wollte, häufig geschützt in einem Tuch, Topf oder Beutel. Vor der Erfindung von Banken und digitalem Geld waren Verstecke im und am Haus – in Mauern, Öfen, Dachbalken – , aber auch unter markanten Steinen oder Wurzeln im Freien, beliebte Verstecke für Erspartes und die Barschaft Reisender.

Münzort

Münzort oder Prägeort bezeichnet den Ort einer Münzproduktion. Also die Stadt, den Markt oder das Kloster, denen durch den Herrscher das Münzrecht (s.u.) verliehen wurde und die eigenes Geld produzierten.

Münzrecht

Das oberste Münzrecht, die Münzhoheit, liegt beim Staatsoberhaupt. Es ist das Recht, Münzgeld nach eigenen Gewicht- und Gehaltstandards als garantiert gültiges Zahlungsmittel zu produzieren und auf dem eigenen Hoheitsgebiet zu verbreiten. Fremde Währung darf auf eigenem Gebiet eingezogen und als ungültig erklärt werden. Die Könige und Kaiser des Mittelalters nutzten als oberste Münzherren die Möglichkeit der Münzrechtsverleihung an ihre Untergebenen häufig als politisches Mittel. Bei einer solchen Verleihung wurde dennoch durch den König genau festgesetzt, wie die neue Münze auszu­sehen und wieviel sie zu wiegen habe. Da der Betrieb einer Münzstätte aber immer mit finanziellem Gewinn einherging, war dies ein begehrtes Recht. Nicht selten wurden solche Verleihungen deshalb in Urkunden gefälscht.

Münzstätte

Gemeint ist der Ort der Münzherstellung selbst, also die Einrichtung, wo die gültigen Münzen produziert wurden. Betrieben wurde eine Münzstätte durch den jeweiligen Münz- oder Prägeherrn, im griechischen Altertum in den jeweiligen Stadtstaaten, in römischer Zeit veranlasst durch den Kaiser verteilt im Reich. Im Mittelalter wuchs die Zahl der Münzstätten stark an. Das Recht, eine Münzstätte einzurichten, konnten u.a. Herzöge, Bischöfe, Grafen, Klöster oder auch Städte vom König verliehen bekommen und auf ihrem Gebiet ausüben. An kleineren Marktorten wurde nur für kurze Zeit – wohl mit entliehenem Personal – eine geringe Menge Münzen für den jeweiligen Bedarf pro­duziert, während in großen Städten feste Betriebe eingerichtet werden konnten, die dauerhaft münzten. Verantwortlich für die Arbeiten in der Münzstätte, von Metallankauf, Qualitäts­kontrolle bis Geldwechsel, war der Münzmeister. Ihm unterstanden seine Münzgesellen. Häufig tragen Münzen Angaben zu Prägeherr, Münzstätte oder sogar dem verantwortlichen Münzmeister, was ihre Bestimmung enorm vereinfacht.

Schlussmünze

Die Schlussmünze ist die jüngste Münze in einem Schatzfund. Sie liefert damit den entscheidenden Hinweis, ab wann ein (Münz-)Hort frühestens verborgen worden sein kann. Zeigt die Schlussmünze keinerlei Gebrauchsspuren wie Kratzer oder abgeschliffene Flächen, ist davon auszugehen, dass der Hort bald nach ihrer Ausgabe durch die Münzstätte versteckt wurde.

Alexandra Hylla; © Foto: Andreas Kopietz

Alexandra Hylla

ist als Kulturwissenschaftlerin und Kunsthistorikerin mit numismatischem Schwerpunkt Leiterin der Münz- und Medaillensammlung des Salzburg Museums.