Erwerbungsförderung

Deutsches Literaturarchiv Marbach erwirbt den Nachlass von Rainer Maria Rilke

Das Deutsche Literaturarchiv Marbach (DLA Marbach) erwirbt von den Nachkommen des Lyrikers Rainer Maria Rilke (1875-1926) dessen schriftlichen Nachlass.

Rilke zählt zu den bedeutendsten deutschsprachigen Schriftstellern des 20. Jahrhunderts. Seit fast 100 Jahren befand sich das nun durch das DLA Marbach erworbene Archiv in Privatbesitz. Die Kulturstiftung der Länder fördert den Ankauf mit einer Million Euro.

Dazu Prof. Dr. Markus Hilgert, Generalsekretär der Kulturstiftung der Länder: „Diese Erwerbung kann aus gutem Grund als sensationell bezeichnet werden. Mit dem Nachlass von Rainer Maria Rilke, dem sogenannten Rilke-Archiv Gernsbach erwirbt das Deutsche Literatur Archiv Marbach eines der bedeutendsten Autorenarchive des 20. Jahrhunderts. Viele der erworbenen Schriftstücke sind bislang kaum oder gänzlich unbekannt. Ihre umfangreiche Aufarbeitung wird die Rilke-Forschung sicherlich bedeutend bereichern und in Teilen verändern. Wir freuen uns, dass mit dem Ankauf dieses Archivs nach knapp 100 Jahren in Privatbesitz nun der internationalen Forschung und Öffentlichkeit zugänglich wird.“

Der nun erworbene, sehr umfangreiche Nachlass des Autors befand sich seit dessen Tod 1926 kontinuierlich im Besitz der Familie seiner Tochter Ruth Sieber-Rilke und deren Nachkommen. Das sogenannte „Rainer Maria Rilke-Archivs Gernsbach“ wurde von der Familie Sieber-Rilke stetig um Dokumente von, an und über Rilke ergänzt. Das DLA Marbach erwirbt von den Töchtern (Urenkelinnen von Rainer Maria Rilke) von Hella Sieber-Rilke sowohl das Archiv als auch die Ergänzungen.

Insgesamt umfasst der Manuskript-Nachlass mehr als 10.000 handschriftliche Seiten. Hinzu kommen etwa 2.500 Briefe von Rilke mit mehr als 7.500 Seiten und rund 6.300 Briefe an ihn. Überliefert sind unter anderem Korrespondenzen mit Gerhart Hauptmann, Hermann Hesse, Hugo von Hofmannsthal, Paul Klee, Else Lasker-Schüler, Walter Rathenau, Auguste Rodin, Henry van de Velde und Stefan Zweig. Die Korrespondenzen zeigen, wie stark Rilke in den europäischen Literatur- und Kunstszenen seiner Zeit vernetzt war. Der Nachlass umfasst darüber hinaus mehr als 1.300 Briefe Rilkes an seine Mutter und 741, erst teilweise veröffentlichte Schreiben an seine Frau, die Bildhauerin Clara Rilke-Westhoff (1879-1954).

Zum Nachlass gehören auch 131 bisher unbekannte Zeichnungen, teilweise stammen sie aus Rilkes Kinderzeit. Ebenso enthalten sind circa 360 Fotografien aus allen Lebensphasen Rilkes und rund 420 Bücher seiner Bibliothek. Die Buchseiten sind häufig versehen mit Lesespuren, Anstreichungen oder Anmerkungen und geben so neue Aufschlüsse über Rilkes Lektüre und seine Leseart.

Auch enthalten sind Vorarbeiten, Entwürfe und Reinschriften seiner berühmten Gedichtzyklen wie unter anderem von Das Buch der Bilder und der Duineser Elegien sowie seiner Bücher Die Weise von Liebe und Tod des Cornets Christoph Rilke oder Worpswede. 86 weitgehend unbekannte Skizzen- und Taschenbücher geben zudem neue Einblicke in Rilkes Biografie und die Entstehung seiner Werke.

Die Vielzahl der erworbenen Schriftstücke wird das Marbacher Literaturmuseum der Moderne voraussichtlich Ende 2025 in einer Ausstellung präsentieren und somit Rilke auch aus neuen, bislang unbekannten Blickwinkeln vorstellen.

Weitere Förderer: Baden-Württemberg Stiftung, Wüstenrot Stiftung, Berthold Leibinger Stiftung, Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien, Carl Friedrich von Siemens Stiftung

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