Goldener Deckelpokal
ERWERBUNGSFÖRDERUNG

Kostbarer Renaissance-Pokal kommt nach Siegen

Das Siegerlandmuseum erwirbt ein bedeutendes Meisterwerk der Nürnberger Goldschmiedekunst

Das Siegerlandmuseum erwirbt ein bedeutendes Meisterwerk der Nürnberger Goldschmiedekunst. Der vergoldete und reich verzierte Deckelpokal entstand um 1581 vermutlich im Auftrag von Valentin von und zu der Hees, dem aus dem Siegerland stammenden Vorgesetzten des Johanniterordens in Rothenburg ob der Tauber. Später befand sich das Objekt in der Sammlung der französischen Bankiersfamilie Rothschild. Die Kulturstiftung der Länder fördert den Ankauf mit 75.000 Euro.

Dazu Dr. Christine Regus, Generalsekretärin der Kulturstiftung der Länder: „Der erworbene Pokal ist nicht nur von herausragender künstlerischer Qualität, sondern auch außerhalb Dresdens das einzige der Öffentlichkeit in Deutschland zugängliche Werk des Nürnberger Goldschmiedemeisters Hans I. Rappolt und damit von besonderer Seltenheit. Als Zeugnis regionaler Geschichte und adliger Repräsentationskultur bietet er vielfältige Anknüpfungspunkte für die weitere Erforschung und Vermittlung.“

Der kunstvoll gearbeitete Pokal aus vergoldetem Silber stammt aus Nürnberg, eines der führenden Zentren der europäischen Goldschmiedekunst im 16. Jahrhundert. Die Meistermarken lassen eine eindeutige Zuschreibung an die Werkstatt des Goldschmiedemeisters Hans I. Rappolt (1554–1625) zu, von dem es in Deutschland sonst nur im Dresdener Grünen Gewölbe öffentlich zugängliche Werke gibt. Während derartige Bechercuppenpokale typische Goldschmiedearbeiten der Renaissance darstellen, hebt sich dieses Exemplar durch seine außergewöhnlich detailreiche Verzierung mit grotesken Masken, Paradiesvögeln und Fruchtmotiven hervor, die bereits den stilistischen Übergang zum Frühbarock erkennen lässt.

Mit einer Höhe von 48 cm zählt der Pokal zu den repräsentativen Huldigungspokalen, wie sie im politischen und zeremoniellen Kontext des Reichsadels gebräuchlich waren. Im Inneren des Deckels ist das Wappen von Valentin von und zu der Hees d. J. angebracht. Als zweiter Sohn des gleichnamigen nassauischen Amtmanns in Siegen entstammte er dem westfälischen Niederadel mit Stammsitz in Ferndorf im Siegerland. Die Familie von und zu der Hees war über Jahrzehnte prägend für die politischen Geschicke in der Region. Den Becherpokal ließ er vermutlich in seiner Rolle als Komtur der Ordensniederlassung der Johanniter in Rothenburg ob der Tauber anfertigen.

Der Pokal gehörte bis zu seiner Versteigerung 2019 zu den berühmten Sammlungen des französischen Zweigs der Bankiersfamilie Rothschild. Persönlichkeiten wie Gustave de Rothschild (1829–1911) in Paris orientierten sich bei ihrer Sammlertätigkeit an den Kunstkammern der Renaissance. Zum 120-jährigen Jubiläum im Jahr 2025 konnte das Siegerlandmuseum den Pokal aus dem Kunsthandel für seine Dauerausstellung erwerben. Der Ankauf bietet Anlass zur weiteren Erforschung, dabei sind u. a. die Provenienz innerhalb der Familie Rothschild wie auch der ursprüngliche Fertigungsauftrag als mutmaßlicher Huldigungspokal von Interesse.

Weitere Förderer: Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen, Sparkasse Siegen und Förderverein des Siegerlandmuseums e.V.

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