Kulturfrühstück

Digitalisierung in Kunst- und Kultureinrichtungen – Herausforderungen und Chancen

„Warum brauchen wir Digitalisierung in den Kunst- und Kultureinrichtungen und welche Herausforderungen und Chancen ergeben sich daraus für die Institutionen?“ Das waren die Fragen, über die die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Zweiten Berliner Kulturfrühstücks am 28. November 2019 in der Bayerischen Landesvertretung in Berlin diskutiert haben. Zu der Veranstaltung hatten die Bayerische Staatsregierung und die Kulturstiftung der Länder eingeladen.

„Das Berliner Kulturfrühstück wurde im Februar 2019 von der Kulturstiftung der Länder ins Leben gerufen und soll den Austausch zwischen Bund und Ländern zu kulturpolitischen Themen, Initiativen und Projekten ermöglichen, die Modellcharakter haben“, erklärte Herr Prof. Dr. Hilgert, Generalsekretär der Kulturstiftung der Länder.

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Als Gastgeber des Kulturfrühstücks begrüßte Herr Bernd Sibler, Bayerischer Staatsminister für Wissenschaft und Kunst, die Bundestagsabgeordnete und Vertreterinnen und Vertreter aus allen Ländern. Staatsminister Sibler betonte unter anderem, dass Kunst und Kultur eine entscheidende Klammer seien, die unsere Gesellschaft zusammenhalte. Er freue sich darauf, Projekte bayerischer Kultureinrichtungen im Bereich der Digitalisierung vorstellen zu können, die Kunst und Kultur für ein breites Publikum noch zugänglicher und attraktiver machten.

Frau Dr. Astrid Pellengahr, die Leiterin der Landesstelle für nichtstaatliche Museen in Bayern, stellte die interaktive Publikation „Das erweiterte Museum“ vor, die insbesondere kleinen Museen als Leitfaden für die Digitalisierung dienen soll. Diese soll als E-Publishing-Projekt stetig weitergeführt werden. Die Landesstelle ist die größte ihrer Art in Deutschland und betreut und berät nicht weniger als 1.250 nichtstaatliche Museen im Freistaat.

Frau Dr. Pellengahr mahnte, dass gerade die kleinen Museen in einen digitalen Schatten zu fallen drohten. Es fehle allenthalben an Geld, Infrastruktur und geschultem Personal, da insbesondere in den kleinen Häusern häufig ehrenamtlich gearbeitet werde. Zeitlich befristete Projekte brächten zwar schnelle Lernerfahrungen, seien aber nicht nachhaltig. Da es vor allem beim jungen Publikum heute vielfach an kultureller Bildung fehle, müssten die Museen stärker als bisher vom Publikum her denken und z. B. ihre Sprache (Stil, Wortwahl, Erzähltechnik) anpassen. Andererseits hätten gerade die Museen durch ihre Objekte die Kompetenz, spannende Geschichte(n) zu erzählen und kulturelle Inhalte zu vermitteln.

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Herr Dr. Christian Gries, Leiter des Projekts „Digitale Strategien für Museen“ bei der Landesstelle für nichtstaatliche Museen in Bayern, plädierte ebenfalls für eine Verstetigung der Digitalisierungsanstrengungen. Um die Handlungsfähigkeit der kleinen Museen zu erhalten, bedürfe es einer digitalen Professionalisierung in allen Arbeitsbereichen. Die technische Ausstattung müsse verbessert, Mitarbeiter müssten geschult und neue Berufsfelder geschaffen werden. Dies sei notwendiger denn je, um die digitalen Besucher von heute zu erreichen und Kultur zu vermitteln. Es brauche bedarfsgerechte Studiengänge. Gerade die jungen Besucherinnen und Besucher, die digitale Medien ganz selbstverständlich nutzten, wünschten sich eine multimediale Ansprache und Partizipation. Zu diesem Zweck habe man in dem Projekt „Digitale Strategien für Museen“ eine Art Baukastensystem praxiserprobter digitaler Anwendungen entwickelt, das sich die Museen zu Nutze machen und mit dessen Hilfe sie fortlaufend ihren eigenen technischen Entwicklungsstand kontrollieren könnten. Denn auch dies sei wahr: Nicht alle digitalen Anwendungen hätten in der Vergangenheit nachhaltigen Mehrwert erzielt. Solche Insellösungen sollten vermieden werden. Schließlich komme es auf langfristige Nutzbarkeit an. Durch das Baukastensystem ließen sich Ressourcen ökonomisch nutzen und die Vernetzung der Fachleute verbessern. Daneben biete sich für die Museen die Chance, mit Hilfe der Digitalisierung eigene Sammlungsbestände zu erschließen, zu erhalten und für eine breite Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

Im Anschluss erklärte Herr Christian Ruppert, Geschäftsführender Direktor des Staatstheaters Nürnberg, wie das Mehrspartentheater der Stadt die Herausforderungen und Chancen der Digitalisierung zu nutzen versucht. Zwar sei das Theater auch weiterhin ein analoger Erlebnis- und Ereignisort, werde aber durch die im Haus entwickelte Digitalstrategie schrittweise zu einem Kunst-, Lern- und Sozialraum erweitert. Dabei betonte er, dass die Digitalisierung nicht als Konkurrenz, sondern als Ergänzung zu analogen Vermittlungsformen verstanden werden dürfe.

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Herzstück der Digitalstrategie im Staatstheater Nürnberg sei der sog. Fundus, der dem Publikum als kuratierte Mediathek interessante Hintergrundinformationen und Einblicke in die künstlerische Arbeit gewähre. Das Ganze habe eine Art Laborcharakter und werde fortlaufend weiterentwickelt. Um die Digitalstrategie verwirklichen zu können, sei es allerdings erforderlich gewesen, sich von der Kommune abzukoppeln und eigene Wege zu gehen. Tatsächlich musste vor Ort zunächst mit externen Partnern eine Art „digitaler Straßenbau“ betrieben werden. Wichtig sei auch, dass das Staatstheater Nürnberg feste Stellen zur Umsetzung seiner Digitalstrategie eingerichtet habe und sich mit Universitäten und Akademien vernetze. Ziel sei es, möglichst viele gesellschaftliche Akteure einzubinden. Denn kulturelle Inhalte und deren Vermittlung seien notwendig für die Aufrechterhaltung des demokratischen Diskurses und den Erhalt der Demokratiefähigkeit.

Die Impulse der Diskussion aufnehmend, in der der allgemeine Wunsch nach stärkerer Vernetzung und Zusammenarbeit laut wurde, bat Herr Prof. Dr. Hilgert die Anwesenden, der Kulturstiftung der Länder Kenntnis von Digitalisierungsinitiativen und entsprechenden Projekten in den Ländern zu geben. Diese könnten auf der Internetseite der Kulturstiftung der Länder gesammelt veröffentlicht und für die Vernetzung aller Verantwortlichen in Bund und Ländern genutzt werden.

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