Deutsch-Russischer Museumsdialog

Die Spur der Jagdgöttin

Mit Hilfe des Deutsch-Russischen Museumsdialogs konnte ein Gemälde Christoph Friedrich Reinhold Lisiewskys im ostukrainischen Kunstmuseums der Republik Donezk als Bild aus dem Dessauer Schloss verifiziert werden.

von Dr. Ralph Jaeckel

Zu Beginn des Jahres erreichte den Deutsch-Russischen Museumsdialog (DRMD) eine sehr ungewöhnliche Anfrage aus der ostukrainischen Stadt Donezk. Die Kustodin des „Kunstmuseums der Republik Donezk“ informierte in ihrem Schreiben über ein in der dortigen Sammlung befindliches in Öl auf Leinwand in den Maßen 149 x 114 cm gemaltes Damenporträt in Gestalt der Göttin der Jagd, Diana, in einer Parklandschaft (Inventarnummer «Ж-341» [Sh-341]). Den Bildvordergrund beherrschend, sitzt auf einer Steinkante, von einem Jagdhund begleitet, eine junge Dame in einem rosa Seidenkleid mit Hut und geschultertem Pfeilköcher. Gestützt auf einem Bogen verfolgt sie aufmerksam das Geschehen in der Ferne außerhalb des Bildes. Eine baumreiche Landschaft umfängt das eindrucksvolle Porträt, das ganz der Manier der Eleganz des Rokoko folgt.

Christoph Friedrich Reinhold Lisiewsky, Prinzessin Henriette Catharine Agnese von Anhalt-Dessau, um 1760, 149 x 114 cm; Kunstmuseums der Republik Donezk; © Donetsk Art Museum
Christoph Friedrich Reinhold Lisiewsky, Prinzessin Henriette Catharine Agnese von Anhalt-Dessau, um 1760, 149 x 114 cm; Kunstmuseums der Republik Donezk; © Donetsk Art Museum

Bei Recherchen zu diesem Gemälde kam das Museum recht schnell zur Vermutung, dass es sich um ein von Christoph Friedrich Reinhold Lisiewsky (1725–1794), der zwischen 1752 und 1772 als Hofmaler in Anhalt-Dessau angestellt war, in der Zeit um 1760 geschaffenes Bildnis der Prinzessin Henriette Catharine Agnese von Anhalt-Dessau (1744–1799) handeln müsste.

Auf diese Spur verhalf ihr dabei die Online-Version des von der Kulturstiftung der Länder herausgegebenen Patrimonia-Hefts 218, in welchem über den Erwerb von sechs Gemälden von Chr. F. R. Lisiewsky aus dem Besitz des Herzoglichen Hauses Anhalt durch Kulturstiftung Dessau-Wörlitz im Jahr 2016 berichtet wird. Unter den hierin befindlichen Abbildungen zeigen zwei Bilder ebenjene Prinzessin – das eine in Pastell-Technik mit der unsicheren Datierung um 1764 und das andere ein Ölgemälde. Letzteres, von Lisiewsky nach 1764 ausgeführt, gehört zu den im Heft vorgestellten Neuerwerbungen. Der mitgeschickten Fotoaufnahme von dem Gemälde in der Donezker Sammlung fügte die Kustodin eine Aufnahme von dem Pastell, auf dem die Prinzessin in zart-rosafarbenem Kleid in eher jugendlichem Alter dargestellt ist, bei. Beim Vergleich beider Porträts fallen Ähnlichkeiten im Äußeren, speziell bei den von Krankheit gezeichneten Gesichtszügen, sofort ins Auge. Um alle Zweifel auszuräumen, wandte sich die Kustodin des Museums in Donezk an den DRMD mit der Bitte, durch Spezialisten ihre Vermutungen bestätigen oder widerlegen zu lassen.

Einleitende Ermittlungen durch den Verfasser führten zu dem Ergebnis, dass dieses Bildnis der Prinzessin Henriette Catharine Agnese von Anhalt-Dessau als Diana in dem umfänglichen Katalog zu der 2010/11 von der Kulturstiftung Dessau-Wörlitz und dem Staatlichen Museum Schwerin ausgerichteten Ausstellung „Teure Köpfe. Lisiewsky – Hofmaler in Anhalt und Mecklenburg“ unter der Katalog-Nummer 40 nebst einer Schwarz-Weiß-Reproduktion von einer historischen Fotoaufnahme als Kriegsverlust aus dem Dessauer Residenzschloss mit der Inventarnummer 531 aufgeführt ist.

Zur Klärung der Provenienz des Porträts wurde das Anliegen aus Donezk nach Dessau weitergeleitet. Dr. Wolfgang Savelsberg, Abteilungsleiter Schlösser und Kunstsammlungen der Kulturstiftung Dessau-Wörlitz, und Frau Margit Schermuck-Ziesché, Kuratorin für Malerei bei der Anhaltischen Gemäldegalerie Dessau, konnten nicht nur die Vermutungen in Donezk mit Verweis auf die Angaben im historischen Inventar des Schlosses Dessau von 1937 verifizieren, nach welchem sich das dem Herzoglichen Haus Anhalt gehörende Bildnis der Prinzessin im 1. Stock, Zimmer 20 des im Zweiten Weltkrieg stark beschädigten, danach größtenteils abgetragenen Schlosses befand, sondern auch um Details zu dessen späten kriegsbedingten Auslagerung in das Schloss von Ballenstedt am Harz, Anfang 1945, sowie zu dem Abtransport kurz nach Kriegsende durch vermutlich ukrainische Trophäeneinheiten nach Kiew anreichern. Die zur Identifizierung des Gemäldes entscheidende Inventarnummer 531 war auf dessen Rückseite mit Pinsel bzw. Stift aufgetragen.

In Erwiderung auf diese nach Donezk übermittelten historischen Fakten zu diesem Gemälde bestätigte die Kustodin Anfang Februar 2018, dass sich tatsächlich bei diesem die Inventar-Nummer „531“ an der unteren Leiste des Keilrahmens erhalten hat.

Ferner ergänzte sie die Odyssee, die das Bildnis seit Anfang 1945 als Teil I durchzustehen hatte, um einen Teil II, von der Nachkriegszeit bis zur Gegenwart. Nachdem die bisherige Sammlung im Museum von Stalino, wie Donezk von 1924 bis 1961 hieß, währende des Zweiten Weltkrieges im Zuge der deutschen Okkupation verlorenging, erhielt das Museum zum Wiederaufbau seiner Kunstsammlungen zur 1960 geplanten Eröffnung wertvolle Kunstwerke aus verschiedenen Sammlungen der Sowjetunion, so aus Moskau, Leningrad und auch aus ukrainischen Museen. Das lange Zeit kunstgeschichtlich unbestimmte Damenporträt als Göttin Diana wurde 1960 vom Museum der Westlichen und Östlichen Kunst der Stadt Kiew an das Museum des heutigen Donezk übergeben.

Mit dem skizzierten Schicksalsweg von diesem Bildnis der Henriette Catharina Agnese als Göttin Diana aus dem Dessauer Schloss eröffnen sich wahrscheinlich dieselben Verbringungskontexte von Kunstschätzen aus dem Besitz des Herzoghauses Anhalt nach 1945, wie sie für die 2015 in der Kunstgalerie von Poltawa (Ukraine) aufgefundenen Gemälde aufgezeigt werden konnten.

Christoph Friedrich Reinhold Lisiewsky, Prinzessin Henriette Catharine Agnese von Anhalt-Dessau, um 1760, 149 x 114 cm; Kunstmuseums der Republik Donezk; © Donetsk Art MuseumAuf diese Spur verhalf ihr dabei die Online-Version des von der Kulturstiftung der Länder herausgegebenen Patrimonia-Hefts 218, in welchem über den Erwerb von sechs Gemälden von Chr. F. R. Lisiewsky aus dem Besitz des Herzoglichen Hauses Anhalt durch Kulturstiftung Dessau-Wörlitz im Jahr 2016 berichtet wird. Unter den hierin befindlichen Abbildungen zeigen zwei Bilder ebenjene Prinzessin – das eine in Pastell-Technik mit der unsicheren Datierung um 1764 und das andere ein Ölgemälde. Letzteres, von Lisiewsky nach 1764 ausgeführt, gehört zu den im Heft vorgestellten Neuerwerbungen. Der mitgeschickten Fotoaufnahme von dem Gemälde in der Donezker Sammlung fügte die Kustodin eine Aufnahme von dem Pastell, auf dem die Prinzessin in zart-rosafarbenem Kleid in eher jugendlichem Alter dargestellt ist, bei. Beim Vergleich beider Porträts fallen Ähnlichkeiten im Äußeren, speziell bei den von Krankheit gezeichneten Gesichtszügen, sofort ins Auge. Um alle Zweifel auszuräumen wandte sich die Kustodin des Museums in Donezk an den DRMD mit der Bitte, durch Spezialisten ihre Vermutungen bestätigen oder widerlegen zu lassen.

Einleitende Ermittlungen durch den DRMD-Mitarbeiter Dr. Ralph Jaeckel führte zu dem Ergebnis, dass dieses Bildnis der Prinzessin Henriette Catharine Agnese von Anhalt-Dessau als Diana in dem umfänglichen Katalog zu der 2010/11 von der Kulturstiftung Dessau-Wörlitz und dem Staatlichen Museum Schwerin ausgerichteten Ausstellung „Teure Köpfe. Lisiewsky – Hofmaler in Anhalt und Mecklenburg“ unter der Katalog-Nummer 40 nebst einer Schwarz-Weiß-Reproduktion von einer historischen Fotoaufnahme als Kriegsverlust aus dem Dessauer Residenzschloss mit der Inventarnummer 531aufgeführt ist.

Zur Klärung der Provenienz des Porträts wurde das Anliegen aus Donezk nach Dessau weitergeleitet. Dr. Wolfgang Savelsberg, Abteilungsleiter Schlösser und Kunstsammlungen der Kulturstiftung DessauWörlitz, und Frau Margit Schermuck-Ziesché, Kuratorin für Malerei bei der Anhaltischen Gemäldegalerie Dessau, konnten nicht nur die Vermutungen in Donezk mit Verweis auf die Angaben im historischen Inventar des Schlosses Dessau von 1937 verifizieren, nach welchem sich das dem Herzoglichen Haus Anhalt gehörende Bildnis der Prinzessin im 1. Stock, Zimmer 20 des im Zweiten Weltkrieg stark beschädigten, danach größtenteils abgetragenen Schlosses befand, sondern auch um Details zu dessen späten kriegsbedingten Auslagerung in das Schloss von Ballenstedt am Harz, Anfang 1945, sowie zu dem Abtransport kurz nach Kriegsende durch vermutlich ukrainische Trophäeneinheiten nach Kiew anreichern. Die zur Identifizierung des Gemäldes entscheidende Inventarnummer 531 war auf dessen Rückseite mit Pinsel bzw. Stift aufgetragen.

In Erwiderung auf diese nach Donezk übermittelten historischen Fakten zu diesem Gemälde bestätigte die Kustodin Anfang Februar 2018, dass sich tatsächlich bei diesem die Inventar-Nummer „531“ an der unteren Leiste des Keilrahmens erhalten hat.

Ferner ergänzte sie die Odyssee, die das Bildnis seit Anfang 1945 als Teil I durchzustehen hatte, um einen Teil II, von der Nachkriegszeit bis zur Gegenwart. Nachdem die bisherige Sammlung im Museum von Stalino, wie Donezk von 1924 bis 1961 hieß, währende des Zweiten Weltkrieges im Zuge der deutschen Okkupation verlorenging, erhielt das Museum zum Wiederaufbau seiner Kunstsammlungen zur 1960 geplanten Eröffnung wertvolle Kunstwerke aus verschiedenen Sammlungen der Sowjetunion, so aus Moskau, Leningrad und auch aus ukrainischen Museen. Das lange Zeit kunstgeschichtlich unbestimmte Damenporträt als Göttin Diana wurde 1960 vom Museum der Westlichen und Östlichen Kunst der Stadt Kiew an das Museum des heutigen Donezk übergeben.

Mit dem skizzierten Schicksalsweg von diesem Bildnis der Henriette Catharina Agnese als Göttin Diana aus dem Dessauer Schloss eröffnen sich wahrscheinlich dieselben Verbringungskontexte von Kunstschätzen aus dem Besitz des Herzoghauses Anhalt nach 1945, wie sie für die 2015 in der Kunstgalerie von Poltawa (Ukraine) aufgefundenen Gemälde aufgezeigt werden konnten.

Dr. Ralph Jaeckel

ist wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Arbeitsgruppe „Kriegsverluste deutscher Museen“.