Erwerbungsförderung

Vergoldeter Abschied für Ruppiner Landrat

Die Kreismuseen Alte Bischofsburg in der Trägerschaft des Landkreises Ostprignitz-Ruppin erwerben eine silberne Deckelterrine mit Présentoir aus dem Jahr 1860. Der Landkreis übergab sie vor über 150 Jahren als Geschenk an Friedrich Wilhelm von Schenkendorff (1794-1861), Landrat des Kreises Ruppin von 1842-60, für seine langjährigen Verdienste um den Kreis Ruppin. Die Terrine zeigt historische Gebäude des einstigen Kreises Ruppin. Die Kulturstiftung der Länder fördert den Erwerb mit rund 14.000 Euro.

„Deckelterrine und Présentoir illustrieren eindrucksvoll den Wandel des Ruppiner Kreises unter dem Einfluss der Industrialisierung. Deswegen ist es wichtig, diese Kunstwerke im Landkreis Ostprignitz-Ruppin der Öffentlichkeit zu zeigen. Mit dem Erwerb sichern wir ein wichtiges historisches Zeugnis für die Region, das künftig zur Vermittlung von Geschichtswissen dient und damit zu regionaler Identität beiträgt“, so Prof. Dr. Markus Hilgert, Generalsekretär der Kulturstiftung der Länder.

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1860 hatte der Ruppiner Landrat Friedrich Wilhelm von Schenkendorff nach 18 Jahren seine Tätigkeit beendet. Die Stände des Kreises Ruppin würdigten daraufhin seine Verdienste mit einem handwerklich herausragenden Geschenk. Die Deckelterrine und das dazugehörige Présentoir bestehen aus gegossenem, getriebenem, graviertem, ziseliertem und teilvergoldeten Silber. Zwischen dem Korpus und dem Deckel befindet sich die Widmungsinschrift für den Landrat: „Dem Königl. Preuss. Major a.D. Geheimen Regierungsrath Friedrich Wilhelm von Schenkendorff auf Wulkow, Landrath von 1842-1860, in dankbarer Erinnerung die Stände des Kreises Ruppin.“

Das zweiteilige Schaustück ist verziert mit zahlreichen Bauwerken der Ruppiner Regionalgeschichte: Darstellungen des Schlosses Rheinsberg und der Stadt Neuruppin zieren den Bauch des Gefäßes, auf dem Terrinendeckel eingraviert sind Abbildungen des Kreiskrankenhauses Neuruppin, des (alten) Neuruppiner Kreishauses, des barocken Herrenhauses in Wulkow und der im Dreißigjährigen Krieg zerstörten Klosteranlage in Lindow. Das Présentoir zeigt zudem eine „Karte des Rupin’schen Kreises /1860“. Für die Gestaltung hatten Stecher und Graveur aktuelle Vorlagen genutzt. So zeigen Terrine und Présentoir den Zustand um 1860 und zeugen von der Industrialisierung in der Region – Schornsteine und Fabriken prägen den Stadtrand Neuruppins.

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Die Bekrönung der Deckelterrine bildet der preußische Adler auf Fahnen, Trompeten, Helmen und Kanonen. Unterhalb des Adlers eingraviert sind für Preußen wichtige Ereignisse: 1806 – die Schlacht bei Jena und Auerstedt, 1813 – Feldzüge, 1814 – Winterfeldzug, 1815 – Waterloo. Auch im Ruppiner Land hinterließen die Truppendurchzüge und Quartierungen Spuren. Vier kleinere Rahmen zeigen zudem bildliche Darstellungen von Handel, Ackerbau, Viehzucht und Fischfang.

Das Dekor der Terrine und des Présentoirs wurden in Handarbeit und nicht mit den damals aufkommenden, kostensparenden Techniken der industriellen Produktion hergestellt. Gefertigt wurde die 6080 Gramm schwere Deckelterrine in der Silberschmiedewerkstatt Sy &Wagner in Berlin. 1819 hatte Johann George Hossauer (1794-1874) die Silberwerkstatt gegründet und später an seinen ehemaligen Gesellen Emil August Wagner (1826-nach 1886) und den Kaufmann Louis Jeremi Sy (1827-1881) übereignet. Bereits Hossauer arbeitete mit Karl Friedrich Schinkel zusammen, Sy & Wagner bemühten sich später wie Schinkel um die Förderung des preußischen Kunsthandwerks.

Mit dem Ankauf geht die Deckelterrine mit Présentoir in den Besitz der Kreismuseen Alte Bischofsburg über, zu ihnen gehören das Museum des Dreißigjährigen Krieges und das Ostprignitzmuseum. Große Teile der Sammlung verschwanden in der Kriegs- und unmittelbaren Nachkriegszeit. Der Brand des Rathauses zerstörte dann auch noch die dort eingelagerte Schriftgutsammlung des Museums. Die Erwerbung der Deckelterrine ergänzt die heutige Sammlung um ein wichtiges historisches Zeugnis der Region. Bislang thematisieren nur wenige dreidimensionale Objekte die Geschichte der Landkreise Ruppin und Ostprignitz in den Museen.

Weitere Förderer dieser Erwerbung: Stiftung für den Landkreis Ostprignitz-Ruppin, Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kultur des Landes Brandenburg