Das Buddenbrookhaus in Lübeck erwirbt ein Konvolut aus Briefen und Postkarten von Thomas Mann (1875–1955) und dessen Familie aus dem Nachlass des französischen Germanisten Louis Leibrich (1902–1983). Das Material entstammt überwiegend der direkten Korrespondenz Leibrichs, der als wichtiger Thomas-Mann-Experte in Frankreich galt und über viele Jahre hinweg in engem Austausch mit dem Schriftsteller über dessen Werke stand. Die Kulturstiftung der Länder fördert den Ankauf mit 16.650 Euro.
Dazu Dr. Christine Regus, Generalsekretärin der Kulturstiftung der Länder: „Es ist uns eine große Freude, dass wir das Buddenbrookhaus – eine der renommiertesten Forschungsinstitutionen zu Thomas Mann – beim Ankauf dieses Konvoluts unterstützen konnten und es damit der Wissenschaft und der Öffentlichkeit zugänglich wird. Die teilweise unbekannten Briefe eröffnen nicht nur neue Einblicke in Leben und Werk von Thomas Mann, sondern sind auch ein eindrucksvolles Beispiel für den Austausch zwischen einem Literaturwissenschaftler und dem Schriftsteller Thomas Mann über Landesgrenzen hinweg.“
Das erworbene Konvolut umfasst unter anderem 27 an Louis Leibrich adressierte Briefe von Thomas Mann, mehrere davon handschriftlich verfasst, 23 Briefe seiner Ehefrau Katia Mann (1883–1980) sowie sechs Schreiben der gemeinsamen Kinder – fünf Briefe von Erika Mann (1905–1969) und eine Karte von Golo Mann (1909–1994) – aus den Jahren 1930 bis 1980. Hinzu kommen 27 Kopien der Briefe von Leibrich an Thomas, Katia und Erika Mann und ein Manuskript der Diplomarbeit Leibrichs über Friedrich Nietzsche und Thomas Mann.
Der aus dem Elsass stammende Gymnasiallehrer und spätere Professor an der Sorbonne war eine zentrale Figur in der Rezeption der Werke von Thomas Mann im französischsprachigen Raum. Leibrich veröffentlichte nicht nur zwei Monografien zu Thomas Mann, sondern verfasste auch zahlreiche Artikel und Rezensionen zu Büchern von und über den Schriftsteller. Darüber hinaus begleitete er einige französische Übersetzungen der Werke Thomas Manns mit Vorworten und editorischen Anmerkungen.
Im Rahmen seiner Forschungen nahm Leibrich bereits in den 1930er Jahren Kontakt zu Thomas Mann auf. Daraus entwickelte sich ein langjähriger Briefwechsel – zunächst mit dem Schriftsteller selbst, nach dessen Tod auch mit Mitgliedern der Familie Mann. In den frühen Schreiben standen vor allem Fragen zum Werk Thomas Manns im Mittelpunkt: Leibrich erkundigte sich etwa nach Einflüssen Friedrich Nietzsches, nach der Herkunft einzelner Zitate oder nach biografischen Details. Mit der Zeit wurde der Austausch persönlicher. Thomas Mann berichtete unter anderem über sein Verhältnis zu seinem Bruder Heinrich Mann, über seine Arbeit an „Felix Krull“ oder über persönliche Pläne und Lebensumstände. Nach dem Tod von Louis Leibrich verblieben die Briefe im Familienbesitz, aus dem sie nun vom Buddenbrookhaus erworben werden konnten.
Weitere Förderer: Friedrich Bluhme und Else Jebsen-Stiftung, Kurt-Werner und Anneliese Mellingen-Stiftung