Die Akademie der Künste in Berlin erhält ein Konvolut aus Schriften und Zeichnungen des Kupferstechers, Grafikers und Illustrators Daniel Nikolaus Chodowiecki (1726–1801). Darunter befindet sich ein bislang verschollen geglaubtes Journal, das Aufschluss über Chodowieckis Wirken an der Akademie der Künste gibt, deren Direktor er von 1797 bis zu seinem Tod war. Die Kulturstiftung der Länder fördert den Ankauf mit 14.330 Euro.
Dazu Dr. Christine Regus, Generalsekretärin der Kulturstiftung der Länder: „Daniel Chodowieckis Zeichnungen, Radierungen und Illustrationen prägen unser Bild der Aufklärung bis heute. Für die Akademie der Künste in Berlin ist dieser Ankauf nicht nur eine sinnfällige Ergänzung der Sammlung, sondern bietet zugleich die einzigartige Gelegenheit, Chodowiecki als zentrale Figur der eigenen institutionellen Geschichte neu zu erschließen und biografische Lücken zu füllen.“
Das aus Privatbesitz stammende Konvolut enthält Handschriften, die über 1.000 Seiten umfassen. Darunter befindet sich ein wissenschaftlich bisher nicht erschlossenes, in französischer Sprache verfasstes Journal, das der Künstler von 1795 bis zu seinem Tod führte. Chodowiecki entstammte mütterlicherseits einer hugenottischen Familie und gehörte der französisch-reformierten Gemeinde in Berlin an. Er war ab 1789 Vizedirektor der Akademie der Künste in Berlin (damals „Königlich Preussische Akademie der Künste und Mechanischen Wissenschaften“), ab 1797 ihr Direktor. In diesen Funktionen und bereits zuvor als Akademiemitglied brachte er maßgebliche Reformen der Institution auf den Weg. Beispielsweise führte er periodische Kunstausstellungen ein. Auch eigenhändige Manuskripte zu seiner Biografie, Briefe, u. a. an Chodowieckis Mutter oder an den Schweizer Maler Anton Graff (1736–1813), und Briefentwürfe, u. a. an den Aufklärer Christoph Friedrich Nicolai (1733–1811), sind in der Schriftensammlung enthalten. Des Weiteren umfasst der Ankauf 15 Zeichnungen aus sämtlichen Schaffensperioden.
Der in Danzig geborene Daniel Nikolaus Chodowiecki gilt als bedeutender Chronist des bürgerlichen Lebens in der Zeit der Aufklärung. Er illustrierte Werke führender Schriftsteller wie Goethe, Schiller oder Lessing, porträtierte seine Zeitgenossen und stellte – häufig mit subtiler humoristischer Einfärbung – Szenen aus dem Alltagsleben dar.
Anlässlich des 300. Geburtstags Chodowieckis stellt die Erwerbung eine bedeutende Ergänzung des Chodowiecki-Bestands der Akademie der Künste dar. Dort befinden sich aus dem Nachlass des Künstlers bereits eine Sammlung grafischer Belegstücke zu seinen Buchillustrationen sowie zahlreiche Dokumente aus der Zeit seiner akademischen Tätigkeit. Der Ankauf ermöglicht es der Forschung nun, anhand der erworbenen Schriftstücke neue Erkenntnisse über Chodowieckis Kunstauffassung, sein Selbstverständnis als Künstler und seine Arbeit in der Akademie zu gewinnen.