Ziffernblatt und Uhrwerk
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Das Landesmuseum Mainz möchte eine historische Standuhr mit Musikspielwerk restaurieren / Gernot Frankhäuser

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Diese Uhr ist eines der wenigen, sicher Mainzer Kunsthandwerkern zuzuschreibenden Objekte aus den letzten Jahren des Kurstaats in der einstigen Residenzstadt Mainz. Seiner Erscheinung nach mag man es in die Nachfolge der Neuwieder Roentgen-Werkstatt stellen, die auch für den Mainzer Hof Möbel lieferte (heute im Schloss Aschaffenburg). Der Qualität und dem Stil der berühmten Uhren-Möbel von David Roentgen und Peter Kinzing kommt dieses Mainzer Stück ganz nah.

Die Uhr besteht aus einem hohen Kasten und dem aufgesetzten eigent­lichen Uhrgehäuse mit dem Zifferblatt. Im Inneren wird die Mechanik nicht nur vom eigentlichen Uhrwerk angetrieben, sondern auch durch ein von einer Walze gesteuertes Musikwerk, das aus einem mit Hämmerchen geschlagenen Saiteninstrument und einer kleinen Orgel mit 38 Holzpfeifen besteht.

Während das Räderwerk durch die Signatur Pierre Schmid(t) sicher zuzuweisen ist, konnte bislang keine Werkstatt für das exquisite Gehäuse benannt werden. Das Zusammenspiel von Mahagoni und Messing ist einerseits zeit­typisch, erinnert aber an den prägenden Einfluss der Roentgen-Werkstatt auf viele jüngere Kunstschreiner. Hier ist an den aus Riga stammenden Johann Kroll zu denken, der 1779 seine Ausbildung in Neuwied abschloss und anschließend eine eigene Werkstatt in Mainz führte.

Für das Landesmuseum Mainz ist diese Uhr also auch als Möbel von ganz besonderem Interesse. Seit dem ausgehenden 17. Jahrhundert bildete sich hier eine über Generationen blühende Handwerkskunst insbesondere auf dem Gebiet der Kunstschreinerei heraus. Sogenannte Mainzer Cantourgen, aufwendige Schreibschränke mit raffiniertem Innenleben, sind bis heute der Inbegriff spätbarocker Luxusmöbel.

Nachdem die museumseigene Sammlung der barocken Möbel im Zweiten Weltkrieg verloren ging, konnten Ende des 20. Jahrhunderts durch die Unterstützung der Kulturstiftung der Länder zwei bedeutende Vertreter dieser Gattung aus der Hochzeit des Rokokos für Mainz erworben werden.

Die Uhr von Pierre Schmid (und ­Johann Kroll?) als ein Musterbeispiel klassizistischer Kunstschreinerei belegt den Stilwandel vom Rokoko zum Klassizismus, der sich in Mainz erst seit den späten 1760er-Jahren abzeichnet, aufs Beste. In der Schausammlung des Landesmuseums Mainz schließt das Stück an eine Standuhr des Mainzer Meisters Ludwig Dietler von etwa 1760 an und weist auf eine mit „Mayence 1836“ bezeichnete biedermeierliche Uhr mit Spielwerk voraus. Solche technisch aufwendigen Bodenstanduhren, die schon zu ihrer Entstehungszeit sehr teuer gewesen sind, müssen eine große Faszination auf eine Gesellschaft ausgeübt haben, die auf Neuheiten im Bereich der Mechanik und Physik geradezu versessen war.

Der Zustand der einzelnen Teile (Gehäuse, Zifferblatt, Uhrwerk, Walze, Saitenwerk, Orgelwerk) ist gut, aber nach einer begonnenen Zerlegung wurden die einzelnen Teile aus konservato­rischen Gründen getrennt voneinander deponiert.

Die zu treffenden Maßnahmen sind: Instandsetzung des Uhrwerks und der Musikwerke, Zusammenbau der Teile, Reinigung und gegebenenfalls Festigung des Furniers. Die Herausforderung besteht dabei, wie schon zur Entstehungszeit, im Zusammenspiel der verschiedenen Gewerke.

Liebe Leserinnen und Leser von Arsprototo, wir bitten Sie herzlich um Ihre Unterstützung, durch die über die Wiedergewinnung hinaus ein lebendiges Stück Musikgeschichte wieder erlebbar gemacht wird, denn im Unterschied zu etlichen vergleichbaren Objekten haben sich hier sowohl die Walze wie eben auch das Saitenwerk samt dem Orgelwerk erhalten. Welche Musik zu hören sein wird – Mozart etwa konzertierte 1790 zum zweiten Mal in Mainz und das Theater spielte seine und Glucks Opern –, das wird eine mit Spannung erwartete Überraschung sein.

Gernot Frankhäuser ist Museologe im ­Landesmuseum Mainz.

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