Tagebuch aus der Schulzeit in Stuttgart (1785-1787)

10,00 

Anschrift der geförderten Einrichtung:
Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz
Potsdamer Straße 33
10772 Berlin

Artikelnummer: PATRIMONIA NR. 214 (2002).
Kategorie:
Jahr: 2002
Land: Berlin
Künstler: Hegel; Georg Wilhelm Friedrich
Gattung: Literatur

Beschreibung

Georg Wilhelm Friedrich Hegel ist ein Klassiker der deutschen Philosophie, ein Denker, dessen Ideen noch heute im internationalen philosophischen Diskurs eine herausragende Stellung einnehmen, besonders in der Staats- und Rechtsphilosophie. Es ist darum ein außerordentlicher Glücksfall, wenn das Tagebuch eines solchen Geistes an das Licht der Öffentlichkeit gelangt, zumal, wenn es das einzige bekannte ist. Wie viele Philosophen war auch Hegel kein Mann der Tagebücher; so ist das vorliegende denn auch das Tagebuch eines Schülers. Es beginnt am 26. Juni 1785, zwei Monate vor seinem 15. Geburtstag, und endet am 7. Januar 1787, vier Monate nach seinem 16. Geburtstag. Und dennoch stellt es eine Quelle von unschätzbarem Wert dar, weil es detailliert Aufschluß gibt über die Bildung des jungen Gymnasiasten, über die geistigen Anregungen, die er erfuhr, sowie die Ansichten, die er dazu entwickelte. Früh zeigt sich etwa Hegels Betonung der Vernunft, sein Entsetzen über den Aberglauben seiner aufgeklärten Zeitgenossen, sein Interesse an der Mathematik, besonders der Geometrie, und vor allem seine Liebe zur Literatur der griechischen und römischen Antike. Nicht von ungefähr sind weite Teile des Tagebuches lateinisch abgefaßt. Einblicke in Hegels Persönlichkeit erlaubt das Tagebuch jedoch nur indirekt, da es nichts Persönliches enthält. Eintragungen, die als unmittelbarer Ausdruck seines individuellen Charakters gelesen werden können, treten nahezu vollständig hinter seine Bildungserlebnisse zurück. Das Anschauen schöner Mädchen trug zu unsrer Unterhaltung auch nicht wenig bei – diese Bemerkung über den Besuch eines Konzertes ist das Maximum an Emotionalität. So zeigt das Tagebuch einen wachen, für zahlreiche Einflüsse offenen, aber erstaunlich nüchternen Jüngling, der schon manche jener Züge offenbart, die sein späteres Leben bestimmen sollten.Nachdem die Söhne des Philosophen den wissenschaftlichen Nachlaß ihres Vaters bereits Ende des 19. Jahrhunderts der Königlichen Bibliothek zu Berlin übergaben, konnte die Stiftung Preußischer Kulturbesitz mit Hilfe der Kulturstiftung der Länder und der Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung auch das Tagebuch des jungen Hegel aus dem Besitz seiner Nachkommen für die Staatsbibliothek zu Berlin erwerben.