Portrait Herbert Tannenbaum, 1947

10,00 

Anschrift der geförderten Einrichtung:
Städtische Kunsthalle Mannheim
Moltkestraße 9
68165 Mannheim

Artikelnummer: PATRIMONIA NR. 260 (2005).
Kategorie:
Land: Baden-Württemberg
Künstler: Beckmann; Max
Gattung: Malerei

Beschreibung

Herbert Tannenbaum (1892-1958) war ein außergewöhnlicher Mann. Auf Drängen seines Vaters studierte der gebürtige Mannheimer zunächst Jura, ging aber alsbald seinen zahlreichen musischen Neigungen nach. Sein besonderes Interesse galt dem neuen Medium des Films, dem er 1912 eine erste Theorie widmete. 1914 begann Tannenbaum mit dem Studium der Kunstgeschichte und eröffnete, nachdem er einige Jahre an der Städtischen Kunsthalle in Mannheim gearbeitet hatte, 1920 eine eigene Galerie in der Stadt. Dort zeigte er nicht nur Werke zeitgenössischer Künstler, sondern entfaltete auch eine breitgefächerte kunstpädagogische Aktivität, die wesentlich zur Bereicherung des kulturellen Lebens in Mannheim beitragen sollte.Mit dem Beginn der nationalsozialistischen Herrschaft begannen jedoch die Repressalien: Tannenbaum repräsentierte nicht nur als entartet verfemte Künstler, sondern war auch Jude und sah sich darum 1937 zum Gang ins Exil gezwungen. Gemeinsam mit seiner Familie überstand er die Zeit des Dritten Reiches verborgen in Amsterdam. Während seines Aufenthaltes dort traf Tannenbaum mehrfach mit Max Beckmann zusammen, den er seit Mannheimer Tagen kannte. Künstler wie Galerist warteten auf die Möglichkeit zur Ausreise nach Amerika, die im Sommer 1947 endlich gegeben war. Kurz vor der Abreise malte Beckmann Tannenbaums Porträt, ein Bild, dessen Ausdruck wird von seinem schmalen Hochformat bestimmt wird. Der Porträtierte erscheint als Halbfigur, die von den Bildgrenzen beschnitten wird, so daß der Eindruck von Eingesperrtheit entsteht. Unter dem Arm trägt Tannenbaum einen Keilrahmen sowie einen Blumentopf mit einer kleinen Tanne, die als Attribute auf Tätigkeit und Namen des Dargestellten verweisen. Das Wichtige in den Händen, scheint Tannenbaum aus der Enge in die Freiheit zu schreiten  eine Zäsur im Leben des Kunstgelehrten wie des Künstlers, der Tannenbaum über den Atlantik folgen sollte. Ein halbes Jahrhundert später sind beide gleichsam nach Mannheim zurückgekehrt, die Stadt, die engagierten Bürgern wie Herbert Tannenbaum viel verdankt und Max Beckmann 1928 seine erste Retrospektive widmete. Die Kulturstiftung der Länder unterstützte gemeinsam mit der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien sowie privaten Spendern den Ankauf des Porträts von Herbert Tannenbaum durch die Städtische Kunsthalle Mannheim.