Die Marmorfigur „Paris“

12,00 

Anschrift der geförderten Einrichtung:
Germanisches Nationalmuseum Nürnberg
Kartäusergasse 1
90402 Nürnberg

Artikelnummer: PATRIMONIA NR. 235 (2006).
Kategorie:
Jahr: 2006
Land: Bayern
Künstler: Grupello; Gabriel
Gattung: Plastik/Skulptur

Beschreibung

Sorglos, lässig, fast müde lehnt der Jüngling an einem Baumstumpf, eher sinkend als stehend, das Becken weit aus der Körperachse herausgedreht. Auf der Schwelle zum Mannesalter sind seine Körperformen zwar schon kraftvoll ausgebildet, erscheinen aber noch geschmeidig weich. Androgyn mutet der Kopf mit dem im Winde spielenden Locken an; die Mimik mit den weit geöffneten Augen und dem leichten Lächeln drückt dieselbe Ruhe aus, welche die ganze Figur durchströmt. Der Hirtenjunge Paris ahnt nicht das Unglück, das er heraufbeschwört, als er, vor die Wahl gestellt, nicht Hera, nicht Athena, sondern Aphrodite den Apfel der Schönheit zuerkennt. Zum Dank will Aphrodite Paris die schönste aller Frauen geben und hilft ihm daher, die schöne Helena aus Troja zu entführen. Der trojanische Krieg nimmt seinen Anfang und mit ihm der mythenumwobene Urkonflikt, den Homer in seiner Ilias besungen hat.Gabriel Grupello (1644-1730) zeigt in dieser lebensgroßen Figur aus venezianischem Marmor die ganze Meisterschaft, die ihn zum herausragenden Bildhauer des Barock in Nordwestdeutschland hat werden lassen. Geboren in Ostflandern, ausgebildet in Antwerpen und nach Aufenthalten in Paris und Brüssel als Hofbildhauer des Kurfürsten Johann Wilhelm von der Pfalz nach Düsseldorf gelangt, trug er wesentlich zur Prachtentfaltung am Kurfürstenhof bei und prägte darüber hinaus entscheidende Tendenzen der norddeutschen Barockplastik. Zahlreiche religiöse Werke Grupellos finden sich in Düsseldorfer Kirchen; seine Gartenskulpturen zieren den Schloßpark zu Schwetzingen.Die lange Zeit für verschollen gehaltene Skulptur des Paris bot dem Germanischen Nationalmuseum die einmalige Gelegenheit, eines der schönsten und berühmtesten Werke der höfischen Bildhauerei Norddeutschlands zu erwerben. Mit Hilfe der Kulturstiftung der Länder sowie des Beauftragten der Bundesregierung für Angelegenheiten der Kultur und der Medien gelang es dem Germanischen Nationalmuseum, eine wesentliche Lücke im Bereich der Barocksammlung zu schließen. Ein kulturgeschichtliches Gebiet, das bislang im Museum nicht dargestellt ist, wird fortan mit einer Skulptur von internationaler Bedeutung repräsentiert sein.