Altenbourg nach Altenburg

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Anschrift der geförderten Einrichtung:
Lindenau-Museum Altenburg
Gabelentzstraße 5
04600 Altenburg

Artikelnummer: PATRIMONIA NR. 131 (1997).
Kategorie:
Jahr: 1997
Künstler: Altenbourg; Gerhard
Gattung: Grafik
Land: Thüringen

Beschreibung

Gerhard Altenbourg, eigentlich Gerhard Ströch, (1926-1989) wurde in Rödischen bei Schnepfenthal in Thüringen geboren. Seit sich die Eltern des Künstlers 1929 in Altenbourg niedergelassen hatten, wohnte er, mit Unterbrechungen, bis zu seinem Tod in kritischer Distanz (nicht umsonst fügte er seinem Künstlernamen ein o ein) in Altenburg. Seine Arbeiten waren dennoch von der alten Stadt und der schönen landschaftlichen Umgebung geprägt. Für die Stadt Altenburg existierte der Künstler jedoch nicht. Er war eine persona non grata.In vier Jahrzehnten schuf Gerhard Altenbourg ein umfangreiches Werk: 5000 Orginale, 218 Lithographien, 268 Holzschnitte, 213 Radierungen und 274 Metalle. Die Sammlung von Gisela und Hans-Peter Schulz umfaßt insgesamt 188 Werke. Sie enthält Aquarelle, Mischtechniken und Zeichnungen, Metallplastiken und ein Metallrelief, Bücher und Kataloge mit Zeichnungen und Grafiken sowie Lithographien, Holzschnitte und Radierungen. Jedes Werk steht für eine bestimmte Epoche, zugleich sind alle Genres vertreten: Landschaften, Köpfe und figürliche Szenerien.Zu den freiesten Zeichnungen gehören die Zimtzicken, 1958, elegante, kapriziös-gelangweilte Pirouettendreherinnen. Die weichen Linien scheinen aus Spinnweben gezogen, bilden Hohlräume für feinstes Strichwerk. Kleines erotisches Kabinett, 1968, ist einem Fries vergleichbar, den man um ein antikes Keramikgefäß legen könnte. In hügeliger Landschaft sind Figürchen in allerlei Verrenkungen und Verrichtungen aneinandergereiht, janusköpfige kommen vor, andere scheinen verschmolzen aus mehreren. Bei allem spielerischem Übermut achtet Altenbourg auf eine strenge Gestaltung, die nichts dem Zufall überläßt. Bei seinen Landschaften stehen großformatige, offene Blätter neben kleinen, ziselierten. Hier sind die Wurzeln: die Hügel und Pappeln, die Wiesen und Teiche; die Spiegelungen, Topographisches, Morphologisches. Der Künstler bezieht seine Kraft aus der Natur, aus der Berührung mit ihr. In Altenbourgs Kunst zeigt sich daneben auch die Lust am Schmücken, Formen zu erfinden, auch für Räume, Schmuck für Frauen zu entwerfen; die Lust die Künste miteinander zu verbinden.Die Sammlung Schulz besitzt 15 Lithographien aus der Frühzeit, von 1949 bis 1952, tragische Grotesken, in denen die psychischen Verletzungen durch den Krieg nachklingen, immer wie Gänge unter die Haut. Die formale und geistige Nähe zu Paul Klee ist offensichtlich und reicht bis in die Handschrift, deren Wandlung von unsicherer Härte bis zu bewußter Kalligraphie auf den Blättern studiert werden kann.Gemeinsam mit der Kulturstiftung der Länder, dem Freistaat Thüringen, dem Bundesministerium des Innern, der Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen und dem Landkreis Altenburger Land konnte die umfangreiche Privatsammlung Schulz in den Ort, in dem der Künstler lebte und arbeitete, zurückgeführt werden.