„Aufbrechen und Erproben“ lautete der Titel der dritten Werkstatt von PRISMA, dem Programm zur Stärkung der Diversität und kulturellen Teilhabe an Museen. Dafür kamen am 7. und 8. Oktober in Leipzig rund 50 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus bundesweit 15 teilnehmenden Museen zusammen. Gastgeber der Veranstaltung war das Deutsche Buch- und Schriftmuseum.
Im Mittelpunkt der zweitägigen Werkstatt stand der Austausch in zwei Arbeitsgruppen mit unterschiedlichen Schwerpunkten. Der erste Schwerpunkt richtete sich insbesondere an Mitarbeitende aus Kuration, Sammlungsmanagement, Outreach und Vermittlung sowie Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit. Gemeinsam beschäftigten sie sich mit der Frage, wie Diversität und Teilhabe beim Sammeln, Ausstellen und Vermitteln immer mitgedacht werden können. Unter Anleitung von Andrea Wieloch, Leiterin des Bereichs Ausstellung, Dialog und Kultur am Zukunftszentrum für Deutsche Einheit und Europäische Transformation, erarbeiteten die Teilnehmenden Ideen, wie unterschiedliche Tätigkeitsbereiche und Expertisen im Museum früher und kontinuierlicher zusammengebracht werden können. Impulse dazu gaben Christiane Lindner, Leiterin Strategie und Publikum am Linden-Museum Stuttgart, und Edith Grierson, Referentin in der Stabsstelle Strategie der Stiftung Humboldt Forum im Berliner Schloss.
In der zweiten Arbeitsgruppe kamen Mitarbeitende aus Leitung und Direktion, Verwaltung und Besucherservice zusammen und nahmen die Strukturen der Museen selbst in den Blick. Unter Anleitung von Caroline Paulick-Thiel, strategische Designerin, Expertin für Public Policy und Geschäftsführerin von nextlearning, gingen die Teilnehmenden der Frage nach, wie sich Diversität und Teilhabe dauerhaft in den Strukturen und im Arbeitsalltag im Museum verankern lassen. Im Fokus standen dabei unter anderem Verwaltungsprozesse und Zuständigkeiten, Mitbestimmung und Führung sowie die Frage, wie auch bei knappen zeitlichen und finanziellen Ressourcen Veränderungen angestoßen werden können.
Impulse aus der Museumspraxis ergänzten die Arbeit in den Schwerpunktgruppen. Zum Auftakt gab Dr. Stephanie Jacobs, Direktorin des Deutschen Buch- und Schriftmuseums, Einblicke in Transformations- und Teilhabeprozesse ihres Hauses. Menekse Wenzler, Vizedirektorin und Verwaltungsdirektorin der Stiftung Deutsches Technikmuseum Berlin und Präsidentin des Deutschen Museumsbundes, berichtete aus ihrer Erfahrung, wie Mitarbeitende in die Weiterentwicklung, Digitalisierung und transparente Gestaltung von Verwaltungsstrukturen einbezogen werden können. Den Abschluss bildete ein gemeinsames Fazit mit Ina von Kunowski, Leiterin der Arbeitsgruppe „Kulturelle Bildung, Teilhabe und Digitalität“ bei der Kulturstiftung der Länder.
Wie Teilhabeorientierung im Museum in der Praxis aussehen kann, zeigen aktuelle Projekte der an PRISMA teilnehmenden Museen. Im Stadtgeschichtlichen Museum Leipzig haben Kinder und Jugendliche aus dem von DDR-Großwohnsiedlungen geprägten Leipziger Stadtteil Grünau eine Ausstellung mitgestaltet: Für das partizipative Projekt „Grünau 4 Reel – Sommer in Grünau“ befragten sie Menschen aus ihrer Umgebung nach Erinnerungen, Wünschen und Lieblingsorten und entwickelten daraus kurze Videos für die Sonderausstellung „Sonne. Satt. Sommer in Leipzig“, die noch bis zum 25. Oktober 2026 zu sehen ist. Das Museum für Gegenwartskunst Siegen lädt mit dem regelmäßig stattfindenden Format „Museum zum Mitreden“ Besucherinnen und Besucher dazu ein, ihre Perspektiven, Fragen und Kritik sowie Wünsche und Ideen für die Weiterentwicklung des Museums einzubringen.