AUSSTELLUNGSFÖRDERUNG

Museum Wiesbaden zeigt die Künstlerinnen des Blauen Reiter

Die Ausstellung „Die Blauen Reiterinnen“ untersucht erstmals umfassend die Rolle der Künstlerinnen aus dem Kreis des „Blauen Reiter“ für die Entwicklung der modernen Kunst

Die Ausstellung „Die Blauen Reiterinnen“, die vom 23. Oktober 2026 bis zum 21. Februar 2027 im Museum Wiesbaden zu sehen ist, untersucht erstmals umfassend die Rolle der Künstlerinnen aus dem Kreis des „Blauen Reiter“ für die Entwicklung der modernen Kunst. Die Kulturstiftung der Länder fördert die Schau mit 13.650 Euro. Die anschließenden Stationen im Paula Modersohn-Becker Museum in Bremen (13. März – 29. August 2027) und im Lenbachhaus in München (12. Oktober 2027 – 23. April 2028) werden mit 9.100 Euro bzw. mit 18.200 Euro gefördert.

Dazu Dr. Christine Regus, Generalsekretärin der Kulturstiftung der Länder: „Dieses Ausstellungsprojekt führt uns einmal mehr vor Augen, dass Kunstgeschichtsschreibung keinesfalls neutral ist, sondern stets von gesellschaftlichen Verhältnissen geprägt wird. Das Anliegen der beteiligten Museen, das Bild von der Moderne zu korrigieren und zu erweitern und damit den Künstlerinnen des ‚Blauen Reiter‘ die ihnen gebührende Sichtbarkeit zu geben, ist unbedingt unterstützenswert.“

Die Ausstellungstournee ist ein Kooperationsprojekt von vier Museen, wobei jeder Standort eigene Werke der betreffenden Künstlerinnen aus der Sammlung und die eigene Expertise einbringt, so werden in Wiesbaden, Bremen, München und anschließend in der Schweiz im Museo Comunale d’Arte Moderna, Ascona – Fondazione Marianne Werefkin jeweils andere Facetten und Schwerpunkte zum Thema „Die Blauen Reiterinnen“ vorgestellt.

Der „Blaue Reiter“ zählt zu den wichtigsten künstlerischen Avantgarde-Bewegungen vor dem Ersten Weltkrieg. Der lose Kreis um Wassily Kandinsky (1866–1944) und Franz Marc (1880–1916) brachte Künstlerinnen und Künstler unterschiedlicher Herkunft und verschiedener Sparten zusammen. Mit zwei eigenen Ausstellungen 1911 und 1912, der prominenten Beteiligung am Ersten Deutschen Herbstsalon 1913 in Berlin sowie dem 1912 erschienenen Almanach „Der Blaue Reiter“ gab er wichtige Impulse für die Entwicklung der modernen Kunst. Zentral waren dabei die Loslösung der Farbe vom Gegenstand, der subjektive künstlerische Ausdruck und die Vorstellung, dass unterschiedliche Epochen, Gattungen und kulturelle Traditionen als gleichwertig zu betrachten seien. Der Erste Weltkrieg setzte dem künstlerischen Netzwerk 1914 ein jähes Ende: Kandinsky, Alexej von Jawlensky (1864–1941) und Marianne von Werefkin (1860–1938) mussten Deutschland als russische Staatsangehörige verlassen, August Macke (1887–1914) fiel noch im selben Jahr, Franz Marc 1916.

Bis heute ist das Bild vom „Blauen Reiter“ von einer männlich dominierten Kunstgeschichtsschreibung geprägt. In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts wurden überwiegend Künstler aus diesem Umfeld wie Kandinsky, Marc, August Macke (1887–1914), Paul Klee (1879–1940) oder Alexej von Jawlensky (1864–1941) im Kanon der Moderne verankert. Die Beteiligung von Frauen und ihr Anteil an der Entwicklung der Kunst im 20. Jahrhundert blieben dagegen vielfach unbeachtet. Gabriele Münter (1877–1962) ist die einzige Künstlerin des „Blauen Reiter“, die eine größere Publikumsbekanntheit erlangte.

Dabei waren die Künstlerinnen keineswegs Randfiguren. Gabriele Münter war bei den Ausstellungen des „Blauen Reiter“ mit zahlreichen Werken vertreten. Sie gehörte auch zu den Gründungsmitgliedern des Vorläufers der Bewegung, der Neuen Künstlervereinigung München. Die Malerin Marianne von Werefkin lud in ihren „Rosa Salon“ – ebenfalls in München – zum künstlerischen, kulturellen und politischen Austausch. Künstlerinnen wie Natalia Gontscharowa (1881–1962), Sonia Delaunay-Terk (1885–1979), Elisabeth Epstein (1879–1956) und Olga Meerson (1880–1929), deren Werke ebenfalls in der Ausstellung zu sehen sind, knüpften zudem grenzüberschreitende Verbindungen zwischen München, Russland und Frankreich. Epstein sorgte dafür, dass sich 1911 französische Künstlerinnen und Künstler an der ersten Ausstellung des „Blauen Reiter“ beteiligten. Während in Paris Frauen bereits ab 1897 zum Kunststudium an der staatlichen Akademie zugelassen wurden, war dies in Deutschland noch nicht möglich. Die private „Damenakademie“ des Münchner Künstlerinnenvereins machte die Stadt zu einem attraktiven Standort für Frauen, die eine Karriere in der Kunst anstrebten. Auch die Dichterin und Zeichnerin Else Lasker-Schüler (1869–1945) gehörte zum Netzwerk des „Blauen Reiter“. Sie stand in engem Austausch mit Franz Marc und seiner Ehefrau, der Malerin Maria Franck-Marc (1876–1955), und spielte in Texten und Zeichnungen mit Geschlecht und Identität. 1913 wählte sie in einem Brief an Marianne von Werefkin die eigentümliche Bezeichnung „blaue Reiterreiterin“.

Das Museum Wiesbaden knüpft mit der Ausstellung unmittelbar an seine Sammlung an. So beherbergt das Haus einen bedeutenden Bestand zum deutschen Expressionismus und zum „Blauen Reiter“, darunter die weltweit wichtigste Jawlensky-Sammlung. Auch vier Arbeiten seiner Förderin und späteren Lebensgefährtin Marianne von Werefkin zählen zum Bestand; Gabriele Münter ist mit zwei Gemälden vertreten.

 

Schirmherrin der Ausstellungen in Wiesbaden, Bremen und München ist die Schauspielerin Iris Berben. Weitere Förderer: Kulturfonds Frankfurt Rhein-Main, Ernst von Siemens Kunststiftung, Freunde des Museums Wiesbaden

Die Blauen Reiterinnen

23. Oktober 2026 – 21. Februar 2027
Museum Wiesbaden – Hessisches Landesmuseum für Kunst und Natur
Friedrich-Ebert-Allee 2, 65185 Wiesbaden
Öffnungszeiten: Dienstag, Mittwoch, Freitag – Sonntag 10–17 Uhr, Donnerstag 10–21 Uhr
https://museum-wiesbaden.de/

13. März – 29. August 2027
Paula Modersohn-Becker Museum – Museen Böttcherstraße
Böttcherstraße 6, 28195 Bremen
Öffnungszeiten: Dienstag – Sonntag 11–18 Uhr
https://www.museen-boettcherstrasse.de/

12. Oktober 2027 – 23. April 2028
Städtische Galerie im Lenbachhaus und Kunstbau München
Luisenstraße 33, 80333 München
Öffnungszeiten: Dienstag, Mittwoch, Freitag – Sonntag 10–18 Uhr, Donnerstag 10–20 Uhr
https://www.lenbachhaus.de/

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