Das Museum Folkwang widmet sich vom 6. November 2026 bis zum 21. Februar 2027 erstmals umfassend der Geschichte seiner historischen, um 1900 entstandenen „Islamischen Abteilung“ – einer der frühesten musealen Sammlungen islamischer Kunst in Deutschland. Die Ausstellung „Nach Damaskus. Karl Ernst Osthaus und die islamischen Künste“ beleuchtet, wie der Museumsgründer Osthaus (1874–1921) die Sammlung auf seinen Reisen zusammentrug und welchen Einfluss sie auf die Kunstwissenschaft und die gestaltenden Künste im deutschsprachigen Raum hatte. Die Kulturstiftung der Länder fördert die Ausstellung mit 80.000 Euro.
Dazu Dr. Christine Regus, Generalsekretärin der Kulturstiftung der Länder: „Kunstgeschichte ist immer auch eine Geschichte kultureller Begegnungen und wechselseitiger Einflüsse. Die Ausstellung ‚Nach Damaskus …‘ macht die Bedeutung der Kunst Westasiens und Nordafrikas für die europäische Moderne eindrucksvoll sichtbar. Gleichzeitig beleuchtet sie ein lange wenig beachtetes Kapitel der Geschichte des Museum Folkwang und leistet damit einen wichtigen Beitrag zu einer differenzierten Betrachtung der Sammlung.“
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Im Podcast spricht Nadine Engel, Kuratorin der Ausstellung „Nach Damaskus. Karl Ernst Osthaus und die islamischen Künste“, über die überraschende Geschichte der islamischen Kunstsammlung des Museum Folkwang, Karl Ernst Osthaus’ Faszination für die Kunst der islamisch geprägten Welt und die Wiederentdeckung eines bedeutenden Sammlungsschatzes.
Lange bevor Gemälde von Renoir oder van Gogh im Museum Folkwang hingen, bildete Kunsthandwerk aus Nordafrika und Westasien einen Schwerpunkt der Sammlung. Auf seinen ausgedehnten Reisen durch das Osmanische Reich trug der Museumsgründer Karl Ernst Osthaus zahlreiche Objekte zusammen, aus denen sich allmählich die „Islamische Abteilung“ entwickelte. Diese bis in die 1910er-Jahre gewachsene Sammlung zählt zu den ersten Museumssammlungen von Kunstwerken aus dem islamisch geprägten Kulturraum in Deutschland. Mit rund 340 Objekten bietet die Ausstellung erstmals einen repräsentativen Überblick über deren ehemaligen Bestand. Dafür kehren einige Exponate, die sich heute in unterschiedlichen Sammlungen befinden, vorübergehend ans Museum Folkwang zurück. Zu sehen sind daher neben Keramiken, aufwendig verzierten Textilien und einem international bedeutenden Konvolut ibero-islamischer Fliesen, das bereits den Architekten Walter Gropius (1883–1969) begeisterte, auch eine wertvolle Abschrift des Nationalepos des persischen Dichters Abu l-Qasem-e Firdausi (940–1020) – des Shāhnāma („Buch der Könige“) – aus der Staatsbibliothek zu Berlin und ein Teilstück des sogenannten Damaskuszimmers aus dem Museum für Völkerkunde Dresden.
Ausgehend von Osthaus’ Reisen in den Jahren 1898/99 beleuchtet die Ausstellung zentrale Stationen der Sammlungsgeschichte. Der Bogen spannt sich von frühen Erwerbungen wie dem Damaskuszimmer über die spätere Erweiterung der Sammlung bis hin zur intensiven Auseinandersetzung mit den eigenen Beständen, ihrer Formensprache und ihrer Präsentation. Dabei geht es u. a. um die Beteiligung des Museum Folkwang an der „Ausstellung von Meisterwerken muhammedanischer Kunst“ in München 1910, die Gestaltung der privaten Wohnräume des Ehepaars Osthaus durch Johan Thorn Prikker (1868–1932) sowie Bruno Tauts (1880–1938) Architekturentwurf für die Folkwang-Schule von 1920. Ergänzend veranschaulichen Werke von Paul Cézanne (1839–1906) und Henri Matisse (1869–1954) den Einfluss der „Islamischen Abteilung“ als Inspirationsquelle für die gestaltenden Künste in Europa. Dabei wird die historische Sammlungs- und Ausstellungspraxis auch kritisch reflektiert und um eine aktuelle Perspektive, eine zeitgenössische Arbeit der palästinensisch-saudischen Künstlerin Dana Awartani, ergänzt.
Weitere Förderer: Art Mentor Foundation Lucerne, Karin und Uwe Hollweg Stiftung, Ernst von Siemens Kunststiftung, Kunststiftung NRW