Das Von der Heydt-Museum in Wuppertal konnte im Rahmen einer „gerechten und fairen Lösung“ im Sinne der Washingtoner Prinzipien das Gemälde „Zwei Frauen (Frauen im Grünen)“ des Brücke-Künstlers Karl Schmidt-Rottluff (1884–1976) erwerben. Es befindet sich seit 1947 in der Sammlung des Museums. Die jüdischen Eigentümer wurden im Nationalsozialismus verfolgt und verloren das Werk im Zuge ihrer Flucht aus Deutschland. Mit der rechtmäßigen Erbin konnte nun eine Einigung gefunden werden. Die Kulturstiftung der Länder fördert den Ankauf mit 225.000 Euro.
Dazu Dr. Christine Regus, Generalsekretärin der Kulturstiftung der Länder: „Die Provenienzgeschichte von Karl Schmidt-Rottluffs Gemälde ‚Zwei Frauen‘ steht beispielhaft für das Unrecht, das jüdischen Kunstsammlerinnen und -sammlern während des Nationalsozialismus angetan wurde. Bis heute ist es unsere gesamtstaatliche Aufgabe, die Schicksale hinter diesen Kunstwerken aufzuklären und transparent zu machen. Die Kulturstiftung der Länder unterstützt seit vielen Jahren Museen dabei, solche Ankäufe mittels gerechter und fairer Lösungen für die Sammlungen zu erhalten. Ich freue mich außerordentlich, dass es auch in diesem Fall geglückt ist.“
Das 1914 entstandene Gemälde gehörte ab spätestens 1924 dem Schuhfabrikanten und Kunstsammler Alfred Hess (1879–1931), der es an seinen Sohn Hans Hess (1908–1975) vererbte, die Sammlung wurde von seiner Witwe Tekla Hess (1884–1968) verwaltet. Beide wurden im Nationalsozialismus als Juden verfolgt. Hans Hess emigrierte bereits 1933 über Frankreich nach England, seine Mutter folgte ihm 1939. 1933 gelang es zunächst, einen großen Teil der Sammlung in die Schweiz auszuführen; 1937 veranlasste Tekla Hess die Aufbewahrung einiger Gemälde, darunter auch „Zwei Frauen“ im Kölnischen Kunstverein. Ab dort verliert sich die Spur des Werks. 1947 wurde es im Kunsthandel angeboten und vom Städtischen Museum Wuppertal, dem heutigen Von der Heydt-Museum, erworben. Mit der Erbin nach Hans Hess konnte nun eine gerechte und faire Lösung im Sinne der Washingtoner Prinzipien bezüglich NS-verfolgungsbedingt entzogenen Kulturguts, insbesondere aus jüdischem Besitz, gefunden werden. Nach der erfolgten Restitution konnte das Museum das Werk zurückerwerben.
Karl Schmidt-Rottluff gilt als einer der wichtigsten Vertreter des Expressionismus in Deutschland. Er war Mitbegründer der Künstlervereinigung „Brücke“. „Zwei Frauen (Frauen im Grünen)“ ist Teil einer kleinen figürlichen Werkgruppe von 1914, in der er sich erstmals auf die Darstellung von Frauen inmitten einer Landschaft fokussierte. Die formale Vereinfachung der Gesichter spiegelt die für die Brücke-Künstler typische Beschäftigung mit afrikanischen Masken wider, die im Zuge der kolonialen Expansion nach Deutschland gebracht und dort ausgestellt wurden. Mit diesem und weiteren Ankäufen moderner Kunst strebte das Museum nach dem Zweiten Weltkrieg danach, Sammlungsverluste im Zuge der nationalsozialistischen Beschlagnahmeaktion „Entartete Kunst“ wieder auszugleichen.
Weitere Förderer: Ernst von Siemens Kunststiftung, Ministerium für Wissenschaft und Kultur des Landes Nordrhein-Westfalen, Kunststiftung NRW