Das Museum Wiesbaden – Hessisches Landesmuseum für Kunst und Natur erwirbt das 1905 entstandene Gemälde „Bahnhof-Füssen im März“ von Alexej von Jawlensky (1864–1941). Die Kulturstiftung der Länder fördert den Ankauf mit 125.000 Euro.
Dazu Dr. Christine Regus, Generalsekretärin der Kulturstiftung der Länder: „Jawlensky war Wiesbaden besonders verbunden und an der herausragenden Sammlung des Landesmuseums lässt sich eindrücklich seine künstlerische Entwicklung nachvollziehen. Mit ‚Bahnhof-Füssen im März‘ gelangt nun ein Schlüsselwerk aus einer Umbruchphase in den Bestand. Damit wird das Museum Wiesbaden als zentraler Ort der Jawlensky-Forschung weiter gestärkt, mit der Erwerbung werden wichtige neue Möglichkeiten für die Erschließung von Werk und Nachlass eröffnet.“
Das Werk ist eines von insgesamt zwölf bekannten Füssen-Bildern des deutsch-russischen Malers Alexej von Jawlensky. Im Frühjahr 1905 verbrachte er gemeinsam mit seiner Lebenspartnerin und Förderin, der Malerin Marianne von Werefkin (1860–1938), zwei Wochen in der Stadt im Allgäu. Der Werkzyklus bezeugt Jawlenskys intensive Beschäftigung mit der Malerei Vincent van Goghs (1853–1890), das wird anhand des flächigen Aufbaus der Landschaft wie auch durch den Einsatz des Pinselduktus als eigenständiges gestalterisches Mittel im Gemälde „Bahnhof-Füssen im März“ deutlich.
In Wiesbaden, wo der Künstler ab 1921 bis zu seinem Tod lebte, befindet sich heute mit 116 Werken die weltweit bedeutendste Jawlensky-Sammlung. Mit dem nun aus seinem Nachlass erworbenen Gemälde findet erstmals ein Werk aus dem Füssener Zyklus Eingang in den Bestand.
Jawlenskys durchlebte in seinem künstlerischen Werdegang mehrere stilistische Entwicklungen, die sich nicht als Brüche, sondern schrittweise vollzogen. Malte er zunächst in der Tradition des Realismus, wandte er sich um 1900 dem Impressionismus zu und entwickelte schließlich, inspiriert von van Gogh und kurz darauf von Paul Cézanne, eine neue Formensprache, die den Übergang zum Expressionismus und zur Abstraktion einläutete. Diese Entwicklung wurde ab 1908 durch den Austausch mit dem Künstlerpaar Wassily Kandinsky und Gabriele Münter in Murnau noch verstärkt.
Mit der Übernahme des Jawlensky-Archivs im Jahr 2025, das 40 Jahre lang in der Schweiz von seiner Enkelin Angelica Jawlensky Bianconi geführt wurde, befinden sich seit kurzem auch der schriftliche Nachlass sowie weitere persönliche Dokumente und Gegenstände des Künstlers im Museum Wiesbaden, wo sie wissenschaftlich erschlossen werden sollen.
Weitere Förderer: Hessische Kulturstiftung