Der Kleine Psalter Egberts gehört zu den kostbarsten Handschriften im Bestand der Wissenschaftlichen Bibliothek der Stadt Trier. Die reich verzierte Pergamenthandschrift wurde für den Privatgebrauch des kunstsinnigen Erzbischofs Egbert von Trier (977–993) hergestellt.
Der Geistliche prägte über zweieinhalb Dekaden maßgeblich das kulturelle Leben der Stadt. Ihm verdankte Trier etwa eine Goldschmiedewerkstatt und ein Skriptorium, das bedeutende Werke hervorgebracht hat – u. a. den Codex Egberti, ein Hauptwerk der ottonischen Epoche mit dem ältesten erhaltenen Bildzyklus zum Leben Jesu. Diese Handschrift, ebenfalls im Bestand der Wissenschaftlichen Bibliothek, wurde 2004 in das UNESCO-Weltdokumentenerbe aufgenommen.
Der Kleine Psalter wurde anders als der prächtige Egbertkodex zum Privatgebrauch Egberts hergestellt. Das Format des Buches ist kleiner, die Ausstattung aber ähnlich prachtvoll. Der Psalter beginnt mit einer Purpurseite, auf der eine Unzialschrift in Gold den Inhalt kommentiert: Die ursprünglich hebräischen Psalmen werden auf der Basis der lateinischen Bibelübersetzung des Hieronymus, der wiederum die griechische Septuaginta zugrunde liegt, wiedergegeben. Auf der gegenüberliegenden Seite findet sich ein mit Goldtinte gestalteter Buchstabe „B“, der den Anfang des ersten Psalms hervorhebt: „BEATUS VIR“, dazwischen eingewoben auf Griechisch „MAKARIOS ANĒR“. Der bilinguale Psalter enthält also teilweise eine griechische Interlinearversion. Seine Herstellung ist im Zusammenhang mit der Heirat Kaiser Ottos II. und der byzantinischen Prinzessin Theophanu, der Ehegattin, zu sehen. Es ist möglich, dass sie den Psalter benutzte, um die lateinische Sprache zu erlernen.
Bucheinbände aus der Entstehungszeit des Psalters sind nur sehr selten erhalten. Auch der Kleine Egbertpsalter wurde zu einem nicht genau bekannten Zeitpunkt neu gebunden und präsentiert sich in dem für eine Barockbibliothek typischen Einband aus weißem Schweinsleder und Pappdeckeln, der als Provenienz die Trierer Benediktinerabtei St. Matthias bezeugt. Das Leder wurde in schlichter Blindprägung verziert. Sie besteht aus Streicheisenlinien und einem runden Einzelstempel, der drei Bischöfe, mutmaßlich Eucharius, Valerius und Cyrillus als die Gründerväter von St. Matthias, zeigt.
Die Neuheftung des Buchblocks geschah auf drei erhabene Bünde, der Rücken wurde zusätzlich mit einem Gewebe verstärkt. Der ehemals fest verklebte Lederbezug hat sich am Rücken im Laufe der Zeit gelöst. Die verminderte Fixierung hat dazu geführt, dass verstärkt Kräfte auf gewisse Teile des Buches einwirkten. So ist der hintere Spiegel – das fest auf den Deckel kaschierte, letzte Blatt des Buchblocks – vom Innenfalz her eingerissen, ebenso Teile der Rückengewebe, und die Verbindung zwischen Buchblock und Deckeln ist instabil geworden. Auch die reich verzierte erste Lage des Buches wurde durch regen Gebrauch in Mitleidenschaft gezogen. Sie ist deutlich stärker verfärbt als der übrige Buchblock, weist Flecken, Fehlstellen und Insektenspuren auf.
Nicht alle dieser historischen Spuren sollten durch eine Restaurierung entfernt werden. Dort, wo exponierte Schäden zu einer Verschlechterung des Erhaltungszustands des Psalters beitragen würden, etwa in Randbereichen der Seiten, müssen jedoch Sicherungen vorgenommen werden. Am stärksten ist diese Gefährdung durch die Beschädigung der Heftung im vorderen Bereich: Die erste Lage droht sich vollständig herauszulösen. Ihre Sicherung kann durch Ergänzen der ausgerissenen Falzbereiche der Blätter und Erneuerung der Heftung erreicht werden. Der Rest des Buchblockes ist in einem deutlich besseren Zustand und hat die mehrfarbigen und teils vergoldeten Textpassagen hervorragend geschützt. Ebenfalls erhalten sind Teile der ledernen und bunt eingefärbten Registerzungen am Vorderschnitt sowie zusätzliche Markierungen am Fußschnitt, die raffiniert durch Einschneiden und Verschlingen der Pergamentränder gefertigt wurden.
Liebe Leserinnen und Leser von Arsprototo, wir bitten Sie herzlich um Ihre Unterstützung, damit Egberts kostbarer Psalter langfristig erhalten werden kann und für Wissenschaft und Öffentlichkeit nutzbar bleibt!
Dr. Magdalena Palica ist die Leiterin der Wissenschaftlichen Bibliothek der Stadt Trier.
Wissenschaftliche Bibliothek der Stadt Trier
Weberbach 25, 54290 Trier
Telefon: 0651 718 – 1421
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Wir bitten Sie, liebe Leserin und lieber Leser, um Unterstützung für die Wissenschaftliche Bibliothek der Stadt Trier. Spenden Sie für die Restaurierung des Kleinen Psalters Egberts und überweisen Sie unter dem Stichwort „Psalter“ auf das Konto des städtischen Trägers. Überweisungsträger finden Sie im Heft nach der Seite 114. Wünschen Sie eine Spendenbescheinigung, dann wenden Sie sich bitte direkt an die Bibliothek. Vielen Dank!