Der Stiftungsrat der Kulturstiftung der Länder hat auf seiner jüngsten Sitzung 500.000 Euro für Ausstellungsförderungen bewilligt.
Der Stiftungsrat der Kulturstiftung der Länder hat auf seiner jüngsten Sitzung in Mainz beschlossen, acht Ausstellungsvorhaben in fünf Ländern mit insgesamt 500.000 Euro zu unterstützen. In Siegen und Darmstadt werden in den Jubiläumsjahren 2027 und 2028 der gebürtige Siegener Peter Paul Rubens und Albrecht Dürer neu betrachtet und zwar aus der Perspektive der Rubens’schen Werkstattpraxis einerseits wie der anhaltenden Faszination, die das grafische Werk Dürers auf die hessischen Fürsten als Sammler andererseits ausübte. Auch das Albertinum in Dresden beleuchtet die eigene Sammlungsgeschichte und erkundet die wichtige Funktion des Materials Gips für die Bildhauerei der beginnenden Moderne um 1900. In Essen thematisiert das Museum Folkwang anhand der Ankäufe seines Museumsgründers Karl Ernst Osthaus die Bedeutung der Künste der islamischen Welt für seine Sammlung. Das Auswandererhaus in Bremerhaven widmet sich den Zusammenhängen von Umwelt und Migration. Und in Kassel steht zum ersten Mal in Deutschland das Phänomen Kleinwuchs aus künstlerischer und kulturhistorischer Perspektive im Mittelpunkt einer Ausstellung.
Die Kulturstiftung der Länder fördert kunst- und kulturhistorische Ausstellungen, die von öffentlichen Einrichtungen konzipiert und temporär ausgerichtet werden. Die Ausstellungen sollen von den eigenen Beständen der jeweiligen Institution ausgehen, regional verankert und zugleich international bedeutsam sein. Die Kulturstiftung der Länder stellt seit 2009 jährlich Mittel für die Förderung von Ausstellungen bereit. Weitere Förderkriterien und Informationen zur Antragstellung finden Sie auf der Webseite der Kulturstiftung der Länder: https://www.kulturstiftung.de/ausstellungsfoerderung/
Übersicht der beschlossenen Ausstellungsförderungen
Bei den nachfolgenden Ausstellungstiteln handelt es sich teilweise noch um Arbeitstitel, auch die Ausstellungstermine können sich noch ändern.
Staatliche Kunstsammlungen Dresden – Albertinum
„Das große Drama. Auguste Rodin und der Streit um die Moderne“
31. Oktober 2026 – 22. August 2027
Das Dresdener Albertinum wandte sich um 1900 der Moderne zu. Treibende Kraft war der damalige Direktor Georg Treu, der Werke von französischen und belgischen Bildhauern wie Albert Bartholomé, Constantin Meunier und August Rodin erwarb. Die Ausstellung spürt der Geschichte der Sammlung nach, mit der Treu den Grundstein für die zeitgenössische Abteilung des Museums legte. Eine besondere Bedeutung kommt dabei dem Material Gips zu. So lag der Schwerpunkt des Bestands Ende des 19. Jahrhunderts zunächst auf einer Abguss-Sammlung nach antiken Vorbildern. Die Künstler der Moderne nutzten das Material hingegen für den eigenständigen künstlerischen Ausdruck. Zwischen Liebe und Tod, Kampf und Krieg, Selbstbehauptung, Verlust und Leid sowie Alltag und Mythos entfaltet sich das „große Drama“ der menschlichen Existenz, das sie in Gips formten.
Museum Folkwang, Essen
„Nach Damaskus… Karl Ernst Osthaus und die islamischen Künste“
6. November 2026 – 21. Februar 2027
Museumsgründer Karl Ernst Osthaus (1874–1921) trug ausgehend von seinen Reisen ins Osmanische Reich kunsthandwerkliche Objekte wie Keramiken, Textilien, Metall- oder Glasarbeiten aus Nordafrika und Westasien zusammen. Die „islamische Abteilung“ des Museum Folkwang gehörte zu den frühen musealen Sammlungen dieser Art in Deutschland. Anhand von rund 300 Exponaten, überwiegend aus dem heutigen Iran, Syrien, der Türkei und Spanien, beleuchtet die Ausstellung die eigene Sammlungsgeschichte, die eng verwoben ist mit der Geschichte der islamischen Kunstwissenschaft. Unter Beteiligung von zeitgenössischen Künstlerinnen und Künstlern reflektieren Ausstellung und Katalog die eurozentristische Perspektive der Sammlung.
Museum im Prediger, Schwäbisch Gmünd
„Barocke Bildhauer und Brüder: Christoph und Johann Michael Maucher“
24. Januar – 30. Mai 2027
Christoph (1642–1706) und Johann Michael Maucher (1645–1701) stehen im Mittelpunkt eines Ausstellungs- und Forschungsprojekts des Museums im Prediger. Die aus einer Gmünder Kunsthandwerker- und Bildhauerfamilie stammenden Brüder gehören zu den bedeutendsten deutschen Künstlerpersönlichkeiten des 17. Jahrhunderts. Sie machten sich vor allem mit Elfenbein- und Bernsteinschnitzereien einen Namen; Johann Michael Maucher spezialisierte sich außerdem auf die Anfertigung höfischer Prunkwaffen.
Hessen Kassel Heritage – Neue Galerie
„Auf Augenhöhe. Kleinwuchs in Kunst und Kulturgeschichte“
19. März bis 20. Juni 2027
In Kassel ist die deutschlandweit erste Ausstellung zum Thema Kleinwuchs aus künstlerischer und kulturhistorischer Perspektive zu sehen. Dabei wird ein Bogen von der Antike bis in die Gegenwart gespannt. Den Ausgangspunkt bilden die sogenannten Hofzwerge, die an den Fürstenhöfen der Frühen Neuzeit weit verbreitet waren. Die Ausstellung beleuchtet die Ambivalenzen historischer Darstellungen und sozialgeschichtlicher Kontexte und fragt nach den historischen Voraussetzungen heutiger Debatten um Inklusion.
Siegerlandmuseum, Siegen
„Rubens und seine Werkstatt – Von der Idee zum Meisterwerk“
25. April – 18. Juli 2027
Ausgehend von dem vielfältigen eigenen Bestand und erweitert um nationale wie internationale Leihgaben macht das Siegerlandmuseum anlässlich des 450. Geburtstags des in Siegen geborenen Barockmeisters Peter Paul Rubens (1577–1640) die Arbeitsweise seiner berühmten Werkstatt anschaulich erlebbar. Entwürfe, Skizzen, Gemälde und Druckgrafiken von Rubens und seinen Schülern geben Einblicke in die Werkstattpraxis und Zusammenarbeit. Peter Paul Rubens steht hier als Künstler und Werkstatt-Meister im Zentrum. Darüber hinaus wird deutlich, dass der Erfolg der Rubens-Werkstatt auf der arbeitsteiligen Zusammenarbeit unterschiedlich spezialisierter Mitarbeiter sowie auf einem weitreichenden Netzwerk zur Vermarktung und Verbreitung der Werke basierte.
Deutsches Auswandererhaus, Bremerhaven
„Die Wolke stieg auf. Umwelt und Migration. 1815 bis heute“
1. Mai 2027 – 31. Oktober 2027
Die in Zusammenarbeit mit dem Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung und dem Klimahaus Bremerhaven konzipierte Ausstellung beleuchtet die Zusammenhänge von Umwelt, Migration und interkulturellem Austausch der letzten 200 Jahre aus globaler Perspektive. Sie basiert auf einem erweiterten Umweltbegriff, der neben ökologischen Veränderungen auch soziale und kulturelle Lebensbedingungen einbezieht. Migration wird dabei als Ergebnis komplexer Umwelt-, Politik- und Kulturprozesse verstanden. Im Zentrum stehen erstmals präsentierte Sammlungsobjekte zur deutschen Überseemigration des 19. und 20. Jahrhunderts sowie ein Korpus neu gewonnener Zeitzeugnisse.
Hessisches Landesmuseum Darmstadt
„DÜRER für hessische Fürsten“
12. November 2027 – 6. Februar 2028
Die hessischen Fürsten von Darmstadt und Kassel waren begeisterte Sammler von Albrecht Dürer (1471–1528). Anlässlich des 500. Todesjahrs des wichtigsten deutschen Renaissance-Künstlers und Universalgelehrten präsentiert das Hessische Landesmuseum Darmstadt in Kooperation mit Hessen Kassel Heritage eine große Ausstellung. Neben Dürers druckgrafischem Werk stehen die Kennerschaft und das fürstliche Sammeln selbst im Mittelpunkt. Die Kasseler Herzöge bemühten sich bereits seit dem 16. Jahrhundert um den Erwerb von Dürer. In Darmstadt war es Landgraf Ludwig X., der Ende des 18. Jahrhunderts den Aufbau seiner Museumssammlungen mit Dürers Druckgrafiken begann.
Kunstmuseen Krefeld – Kaiser Wilhelm Museum
„Farbenschau“
21. November 2027 – April 2028
In den Jahren 1902, 1926 und 1928 fanden im Krefelder Kaiser Wilhelm Museum jeweils sogenannte Farbenschauen statt. In der „Samt- und Seidenstadt“, wo die neuesten Entwicklungen in der Farbchemie auch eine wirtschaftliche Bedeutung für die dort ansässige Textilindustrie hatten, sollte die Geschmacksbildung und der „Farbensinn“ des Publikums angeregt werden. Dabei traf die aktuelle Malerei auf Farbtheorie und Kunstgewerbe sowie auf naturhistorische Objekte wie Pflanzen oder Schmetterlinge. Diesen interdisziplinären Ansatz verfolgt auch die „Farbenschau“, die ab November 2027 zu sehen ist. Die historischen Schauen werden dabei in Teilen rekonstruiert und ihre Fragestellungen in die Gegenwart übertragen.