Erwerbungsförderung

Selbstbildnis von Max Beckmann bleibt in Frankfurt

Das Städel Museum in Frankfurt am Main erwirbt das „Selbstbildnis mit Sektglas“ von Max Beckmann (1884–1950). Der Künstler schuf das Werk 1919 während seiner Zeit in Frankfurt. Es ist eines der wenigen in Privatbesitz verbliebenen Selbstbildnisse Beckmanns und somit eine Rarität.

Dazu Prof. Dr. Frank Druffner, stellvertretender Generalsekretär der Kulturstiftung der Länder: „In Frankfurt am Main schuf Max Beckmann einen Großteil seiner bedeutendsten Werke. Es freut uns, dass wir den Ankauf dieses herausragenden Gemäldes für das Städel Museum unterstützen konnten – es verbleibt somit an dem Ort, an dem heute eine der größten Beckmann-Sammlungen verwahrt wird. Das Museum verlor 1937 seinen ersten Beckmann-Bestand durch die Beschlagnahmungsaktion der Nationalsozialisten fast vollständig. Mit dem Ankauf können wir die nach dem Zweiten Weltkrieg wiederaufgebaute Beckmann-Sammlung im Städel Museum nun um ein kapitales Werk erweitern. Max Beckmann ist einer der wichtigsten deutschen Künstler des 20. Jahrhunderts. Es ist somit maßgeblich, den Verbleib des Werks ‚Selbstbildnis mit Sektglas‘ in Deutschland zu sichern.“

Max Beckmann, Selbstbildnis mit Sektglas, 1919, Öl auf Leinwand, 65,2 x 55,2 x 2,3 cm (ohne Rahmen); Städel Museum, Frankfurt am Main; © VG Bild-Kunst, Bonn 2020

 

Selbstbildnis mit Sektglas zählt zu den bekanntesten und wichtigsten Werken Max Beckmanns aus seiner Zeit in Frankfurt, er selbst datierte es auf „Frankfurt a/M Sept. 19“. Im Städel Museum werden heute elf Gemälde, zwei Skulpturen und ein mehrere hundert Blatt umfassender grafischer Bestand aufbewahrt. Der Publikumsmagnet Selbstbildnis mit Sektglas befindet sich seit 2011 als Leihgabe in der Sammlung. 1928 erwarb der Krefelder Sammler Hermann Lange das Werk, seitdem befand es sich ununterbrochen im Besitz seiner Familie und wurde von dieser an das Kunstinstitut ausgeliehen.

Der 1884 in Leipzig geborene Beckmann war eng mit der Stadt Frankfurt am Main verbunden. 1915 bis 1933 lebte er in Frankfurt, 1925 übertrug ihm die Stadt die erste Meisterklasse an der Kunstgewerbeschule, der heutigen Städelschule, und stellte ihm ein Atelier zur Verfügung. Zahlreiche seiner Werke belegen die Verbindung zu dieser Stadt. 1933 verließ er nach einer erzwungenen Entlassung Frankfurt. Nur vier Jahre später floh der Künstler, von den Nationalsozialisten als „entartet“ eingestuft, aus Deutschland nach Amsterdam. Nach dem Zweiten Weltkrieg emigrierte er in die USA, wo er 1950 in New York verstarb.

Rund 35 gemalte Selbstbildnisse schuf Beckmann insgesamt, das erworbene Werk war eines der ganz wenigen, die noch in deutschem Privatbesitz verblieben waren. Die Darstellung mit Sektglas ist das dritte Selbstbildnis, das Beckmann nach dem Ersten Weltkrieg malte. Er stellt sich hier nicht als Maler dar, sondern als elegant gekleideten Herrn, mit einem Glas Sekt oder Champagner in der einen und einer Zigarre in der anderen Hand. Vermutlich befindet er sich in einem Lokal, die Bar des „Frankfurter Hofs“. Im Hintergrund, durch eine Wand halb verborgen, erscheint eine grotesk überzeichnete Person mit auffälligem Lachen. Die müden Augen in Beckmanns blassem Gesicht nehmen die Blickrichtung der flächiger und heller gegebenen Nebenfigur auf. Das Werk, das der Künstler nach dem Ende seines Kriegsdienstes schuf, steht beispielhaft für seinen künstlerischen Neubeginn nach den Kriegsjahren, aber auch für die Verlorenheit des Einzelnen nach den Wirren des Krieges.

Weitere Förderer: Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien, Ernst von Siemens Kunststiftung, Städelscher Museums-Verein sowie fünf private Mäzene