Erwerbungsförderung

Im Fluxus-Luxus

Das Museum Abteiberg in Mönchengladbach erwirbt eine der weltweit renommiertesten privaten Kollektionen von u. a. Fluxus-Kunst: die Sammlung und das Archiv von Erik und Dorothee Andersch. Die Kulturstiftung der Länder unterstützte den Ankauf.

Die zeitgenössische Kunst fand bereits in den 1920er-Jahren ihren herausgehobenen Platz in der städtischen Sammlung, als Walter Kaesbach, Direktor der Kunstakademie Düsseldorf, seiner Heimatstadt wertvolle Gemälde von u. a. Erich Heckel, Ernst Ludwig Kirchner und Otto Müller stiftete. Den Bestand erweiterte das Mönchen­glad­bacher Museum geschickt um Werke von beispielsweise Alexej von Jawlenski, Heinrich Wilhelm Lehmbruck und Max Pechstein. Dieser herausragende Sammlungsschwerpunkt fiel jedoch 1937 der nationalsozialistischen Aktion „Entartete Kunst“ zum Opfer, bis auf sieben Stücke wurde das Museum um seinen zeitgenössischen Bestand gebracht.

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Vor fünfzig Jahren entschied sich der frisch ernannte Museumsdirektor Johannes Cladders dazu, sein Museum erneut den zeitgenössischen Künstlern zu öffnen: Den Auftakt machte Joseph Beuys mit seiner ersten großen Museumsausstellung, zahlreiche Künstler der Fluxus-Bewegung folgten. „Antimuseum“ nannte Cladders seine Vision, mutig räumte er den gegenwärtigen künstlerischen und radikal institutionskritischen Strömungen Platz in seinem neuartigen Ausstellungskonzept ein. Es gelangen ihm in der Folge wichtige Erwerbungen wie die große Vitrine „Lager“ (1962-1966) und das Revolutionsklavier (1969) von Joseph Beuys sowie Werke von Robert Filliou, George Brecht, Dieter Roth und Daniel Spoerri.

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In dieser Zeit begannen – oft im direkten Austausch mit den Künstlern – auch Erik und Dorothee Andersch aus Neuss mit dem systematischen Sammeln von Fluxus-Kunst und benachbarten künstlerischen Bewegungen. Kunstfelder wurden so umfassend wie möglich mit dokumentarischen Materialien erfasst, einzelne Künstler sind in ihrer jetzt für Mönchengladbach erworbenen Kollektion mit herausragenden Einzelwerken vertreten: So prägen namhafte Werke von Joseph Beuys und Dieter Roth in einer großen Spannbreite (wie beispielsweise Roths Multiple „Portrait of the Artist as Vogelfutterbüste“ aus Schokolade), große Objektgruppen von Robert Filliou, George Brechts Steinarbeit VOID, aber auch seltener gesammelte Künstler wie Takako Saito das Profil des Sammlung. Daneben dokumentieren in einer singulären Breite Kataloge, Flugblätter, Zeitschriften, Editionen, Schallplatten, Postkarten und Multiples die Ausstellungstätigkeit von Künstlern wie beispielsweise Al Hanson, George Macunias, Yoko Ono, Wolf Vostell und Robert Watts. Das Archiv kann zeigen, wie intensiv die europäische und die US-amerikanische Avantgarde miteinander kommunizierten. Besonders fokussiert die Sammlung die große Bedeutung der Kunstszene des Rheinlands für die Entfaltung der damaligen Künstlergeneration. Ihr Motto von der Demokratisierung der Kunst zieht sich als Leitmotiv auch durch die Sammlung, die Fluxus als intermediäre Kunstform zwischen Bildender Kunst, Musik, Poesie und Aktion facettenreich widerspiegelt.

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Das Museum Abteiberg kann seine eigene Sammlung mit der jetzt erworbenen reichen Kollektion hervorragend ergänzen. Nach der Silverman-Collection (USA) und dem Sohm-Archiv in Stuttgart gilt die Sammlung Andersch als wichtigste Kollektion zum Thema. Den Ankauf für das Museum Abteiberg unterstützten die Kulturstiftung der Länder, das Land Nordrhein-Westfalen, die Kunststiftung NRW und die Hans Fries-Stiftung. Markus Hilgert, Generalsekretär der Kulturstiftung der Länder, sagte anlässlich der Neuerwerbung: „Sammlung und Archiv Andersch zählen zu den weltweit herausragenden Sammlungen von Fluxus-Kunst und benachbarten künstlerischen Bewegungen der 1960er- und 70er-Jahre. Ich freue mich außerordentlich, dass die Kulturstiftung der Länder einen Beitrag dazu leisten konnte, dass diese in Deutschland zusammengetragene, wichtige Dokumentation der Fluxus-Bewegung für das Museum Abteiberg erworben werden konnte, wo sie für die Öffentlichkeit und die Forschung zugänglich gemacht wird. Die besondere regionale Vernetzung der Sammlung zu Künstlerinnen und Künstlern im Rheinland spielte bei unserer Förderentscheidung eine wichtige Rolle.“