Gemälde mit Szenen aus der Ursula-Legende
ERWERBUNGSFÖRDERUNG

Heilige Ursula bleibt in Bremen

Das Ludwig Roselius Museum hat das um 1500 entstandene niederländische Gemälde „Aufbruch der Heiligen Ursula“ erworben

Das Ludwig Roselius Museum hat das um 1500 entstandene niederländische Gemälde „Aufbruch der Heiligen Ursula“ erworben. Das Werk befand sich seit 1936 in dem von Ludwig Roselius (1874–1943) gegründeten Museum in der Bremer Böttcherstraße und wurde im Zuge einer Provenienzrecherche als Eigentum des jüdischen Antiquars Jacques Rosenthal (1854–1937) identifiziert. Nach der Restitution an dessen Erben konnte es nun zurückerworben werden. Die Kulturstiftung der Länder fördert den Ankauf mit 7.778 Euro.

Dazu Dr. Christine Regus, Generalsekretärin der Kulturstiftung der Länder: „Mit der Rückerwerbung des ‚Aufbruch der Heiligen Ursula‘ darf ein Herzstück der von Ludwig Roselius zusammengetragenen Sammlung in Bremen bleiben. Unser großer Dank gilt der Erbengemeinschaft von Jacques Rosenthal, die eine faire und gerechte Lösung im Sinne der Washingtoner Prinzipien ermöglicht hat, sodass dieses Werk im Kontext seiner Provenienz- und seiner Sammlungsgeschichte der Öffentlichkeit vermittelt werden kann. Das Schicksal seines Voreigentümers Jacques Rosenthal verweist exemplarisch auf das Unrecht der nationalsozialistischen Verfolgung und die Enteignung jüdischer Sammler und Kunsthändler.“

Das Ludwig Roselius Museum geht auf die private Sammlertätigkeit seines Namensgebers zurück. 1928 machte der Kaffeeunternehmer Roselius seine Sammlung der Öffentlichkeit zugänglich. Seit 1936 ist das Gemälde Teil der Sammlungspräsentation. Im Zuge des Forschungsprojekts „Die Rekonstruktion der privaten Kunstsammlung von Jacques und Emma Rosenthal“ am Zentralinstitut für Kunstgeschichte in München wurde 2021 der Nachweis erbracht, dass die Tafel „Aufbruch der Heiligen Ursula“ Eigentum der Rosenthals war. Aufgrund der nationalsozialistischen Verfolgung waren die Eheleute gezwungen, zur Existenzsicherung und Finanzierung ihrer Auswanderung die private Kunstsammlung zu verkaufen. Nach der Rückgabe des Bildes wurde mit der Erbengemeinschaft eine Einigung erzielt, die nun einen dauerhaften Verbleib im Ludwig Roselius Museum ermöglicht. Die Provenienzgeschichte des Werkes wird künftig anschaulich aufbereitet in einer Kabinettpräsentation thematisiert.

Das Gemälde „Aufbruch der Heiligen Ursula“ wird einem bislang unbekannten Künstler der niederländischen oder flämischen Schule zugeschrieben. Die Eichenholztafel zeigt in Simultandarstellung verschiedene Szenen aus der Legende der Heiligen Ursula und gehörte sehr wahrscheinlich zu einem größeren Bildzyklus mit diesem Thema. Begleitet von einem Stifter und dem Heiligen Johannes findet in Vorbereitung auf die Vermählung im Vordergrund die Taufe von Ursulas Verlobtem Aetherius statt, während im Hintergrund der Aufbruch der britischen Königstochter und ihrer 11.000 Gefährtinnen zur Pilgerreise nach Rom gezeigt wird. Der Legende nach wurden sie auf der Rückreise in Köln von Hunnen überfallen und getötet. Ursula und ihre Gefährtinnen gelten in der christlichen Tradition seither als Märtyrerinnen und Ursula im Speziellen als Stadtpatronin von Köln. Die Verehrung der Heiligen Ursula ist besonders im Rheinland und in den Niederlanden verbreitet.

Weitere Förderer: Freie Hansestadt Bremen, private Sponsorin

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