Deutsch-Russischer Museumsdialog

Russische Museen im Zweiten Weltkrieg

Unter dem Titel „Russische Museen im Zweiten Weltkrieg“ startete im März 2012 mit umfangreicher finanzieller Unterstützung der VolkswagenStiftung ein großangelegtes deutsch-russisches Forschungsprojekt zu Zerstörungen und Verlusten wertvoller Kunstwerke und Kulturgüter der russischen Museen im Zweiten Weltkrieg.

Bestandsaufnahme im Zarenschloss Gatschina nach der Zerstörung, um 1945
Bestandsaufnahme im Zarenschloss Gatschina nach der Zerstörung, um 1945

Deutsche und russische Forscher führten das Projekt im Rahmen des Deutsch-Russischen Museumsdialogs durch, der von der Kulturstiftung der Länder und der Stiftung Preußischer Kulturbesitz initiiert wurde.

Die russischen Museen erlitten im Zweiten Weltkrieg hohe Verluste durch Zerstörung und Abtransport Hunderttausender wertvoller Kunstwerke und Kulturgüter während des deutschen Eroberungskriegs. Das Ausmaß der Verluste wird dokumentiert in den Verlustkatalogen, die das russische Kulturministerium seit 1999 herausgibt. Bis heute jedoch lässt die Erforschung der Geschichte der Museen und des Schicksals ihrer Sammlungen im Krieg viele Fragen offen, nach der Mehrzahl der Objekte wird bis heute gesucht. Vor diesem Hintergrund versuchte das großangelegte wissenschaftliche Projekt der Kulturstiftung der Länder und der Stiftung Preußischer Kulturbesitz in Kooperation von deutschen und russischen Wissenschaftlern anhand exemplarischer Fälle, die bestehenden Forschungslücken zu schließen.

Das Projekt betrat inhaltlich und strukturell Neuland in der bilateralen Museumsforschung – das Forscherteam bestand aus Historikern und Kunsthistorikern beider Länder. Mit den ausgewählten Museen – den Museumsstädten Nowgorod und Pskow sowie den Zarenschlössern Zarskoe Selo, Peterhof, Gatschina und Pawlowsk – wurden enge Kooperationen vereinbart. Ziel war es, in Fallstudien einen Beitrag zur Geschichte der Kulturgüter im Krieg aus der musealen Perspektive zu leisten. Damit eröffnete sich für die russischen Museen erstmalig die Möglichkeit, das Schicksal ihrer Häuser und Sammlungen während des Krieges in einer komplementären und systematischen Auswertung deutscher und russischer Aktenbestände zu untersuchen, ergänzt um Archivalien der westlichen Alliierten.

In den Untersuchungszeitraum (1941 bis 1950er Jahre) wurden über die Zäsur von 1945 hinaus auch die unmittelbaren Nachkriegsjahre einbezogen, um erste Rekonstruktionsversuche der Museen und ihrer Sammlungen mit in den Blick zu nehmen. Die Fallstudien sollen in zwei Bänden (jeweils in russischer und deutscher Sprache) publiziert werden. Die wissenschaftliche Leitung lag bei Prof. Dr. Wolfgang Eichwede (emeritierter Professor für Politik und Zeitgeschichte sowie Gründungsdirektor der Forschungsstelle Osteuropa an der Universität Bremen), die Projektleitung bei Dr. Britta Kaiser-Schuster, Dezernentin der Kulturstiftung der Länder. Wissenschaftliche Mitarbeiter des Projekts waren Dr. Corinna Kuhr-Korolev, Dr. des. Ulrike Schmiegelt-Rietig und Prof. Dr. Elena Zubkova. Das Forschungsprojekt ist zum Jahresende 2014 ausgelaufen.