aufgeschlagenes altes Buch, links ein Seitenporträt in einem runden Rahmen
ERWERBUNGSFÖRDERUNG

Stadtmuseum Münster erwirbt bedeutendes Dokument der Aufklärung in Münster

Das Stammbuch der Marianne von Gallitzin enthält Einträge bedeutender Intellektueller und Geistlicher, darunter Johann Wolfgang von Goethe und Matthias Claudius

Das Stadtmuseum Münster erwirbt das Stammbuch der Marianne von Gallitzin (1769–1823). Es enthält Einträge bedeutender Intellektueller und Geistlicher, darunter Johann Wolfgang von Goethe und Matthias Claudius. Sie gehörten zum Kreis der Amalie von Gallitzin (1748–1806), einer wichtigen Protagonistin der katholisch geprägten Aufklärung in Münster. Die Kulturstiftung der Länder fördert den Ankauf mit 18.000 Euro.

Dazu Dr. Christine Regus, Generalsekretärin der Kulturstiftung der Länder: „Das Stammbuch der Marianne von Gallitzin ist ein einzigartiges Zeugnis der Netzwerke der Aufklärung und des Wirkens der Amalie von Gallitzin, die das geistige Leben im Münster des späten 18. Jahrhunderts entscheidend mitprägte. Das Stadtmuseum Münster ist zweifelsohne der passende Ort, um es in seinem regionalgeschichtlichen Kontext der Öffentlichkeit zu vermitteln.“

Das Stammbuch (auch Album Amicorum) ist ein Freundschaftsalbum, eine seit der Renaissance bis ins 19. Jahrhundert beliebte Form der Autographensammlung. Die 41 Einträge – hauptsächlich kurze Widmungen – stammen überwiegend von Persönlichkeiten aus dem Kreis von Amalie von Gallitzin, der Mutter Mariannes. Sie scharte als Salonnière zahlreiche Intellektuelle und Geistliche um sich und gilt als bedeutende Protagonistin der katholischen Aufklärung im Hochstift Münster, dem damals kirchlich regierten Fürstentum. Neben den Dichtern Goethe (1749–1832) und Matthias Claudius (1740–1815) haben sich u. a. die Brüder Johann Georg (1740–1814) und Friedrich Heinrich Jacobi (1743–1819) verewigt, wie auch Sophie von La Roche (1730–1807), eine der ersten deutschsprachigen Romanautorinnen. Weitere Einträge stammen von westfälischen Adeligen und geistlichen Würdenträgern aus Mainz und Köln. Das Stammbuch wurde von 1787 bis 1794 geführt.

Das Stammbuch der Marianne von Gallitzin ist ein Zeugnis des „Münsterischen Kreises“ um Amalie von Gallitzin (geb. von Schmettau), der entscheidend zur Verbreitung aufklärerischer Ideen in Münster und zur Erneuerung des Katholizismus beitrug. Amalie von Gallitzin vermittelte diese Ideen in Briefen, Schriften und Gesprächen und organisierte Diskussionsrunden, in denen Theologen, Philosophen und Schriftsteller zusammenkamen. Das Ziel der katholischen Aufklärung war es, Glaube mit Vernunft, Wissenschaft und Bildung in Einklang zu bringen und eine moralische Erziehung zu fördern, die an die Stelle strenger dogmatischer Vorschriften trat.

Ziel der weiteren Forschung nach dem Ankauf ist es, das Stammbuch der Marianne von Gallitzin im Kontext der Autographensammlung der Annette von Droste-Hülshoff (1797–1848) zu verorten, zu deren Familie es Verwandtschaftsbeziehungen gab. Stammbücher aus der Zeit der Aufklärung, die von Frauen geführt wurden, sind äußerst selten.

 

Weitere Förderer: Förderverein Stadtmuseum Münster e. V., Kunststiftung NRW

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